Weißweinwege

Jaja. Es ist drei Uhr morgens und ich schwank-schlendere durch das kleine Dorf. Meine Kollegin, die wohl auch irgendwann im Laufe des Jahres zu meiner Freundin wurde, schrieb mir um etwas nach 21 Uhr ob ich Bock auf Wein bei ihr habe. Ha! Wer wäre ich Wein auszuschlagen?!

Also zog ich mir Slipper an, weil sie nur ungefähr zwei Häuserecken weiter von mir wohnt und das Kaff auch seine Vorteile hat, und packte Nüsse ein. Weil man ja iwas mitbringen muss, wenn man schon den gesamten Weinbestand des Hauses ausleeren wird. Und so war es dann auch.

Wir reden viel über die Schule. Aber auch viel über das eigentliche Leben und wo mich meines demnächst hinführen wird. Sie spricht mir Mut zu und Bewunderung aus, und es mag vielleicht auch am Wein liegen, aber irgendwann fühle ich mich nicht mehr ganz so schlecht.

Um 3 Uhr fallen mir dann vor lauter Wein und Anstrengungen des Tages immer wieder meine Augen zu und ich mache mich auf den Weg nachhause. Das Dorf schläft und alles wirkt so friedlich, während meine Alkoholisierung latent am randalieren ist. Ich habe zwar den Plan in mein Bett zu fallen, bekomme durch den Schwung frische Luft aber irgendwie neue Energie. Nein, ich kann noch unmöglich Nachhause gehen! Heute Nacht gehört das Dorf mir!

Ich hüpfe durch die kleinen Parks. Die Akarde. Drehe mich am Kirchplatz um mich selbst und werfe Gras in den angelegten Teich. Über das Geländer des Baches biege ich mich bis mir der Bauch weh tut und atme nass-frische Luft bis mir schwindelig ist. Ich umarme den alten Nussbaum vor dem Park-Café wie der deplatzierteste Hippie überhaupt und stelle mich mitten auf die umbefahrene „Hauptstraße“.

Warum? Weiß ich ehrlich gesagt nicht. All das war mir wohl ein echtes innerliches Bedürfnis. Diese Nacht war wie der letzte Kuss zwischen zwei Menschen, wenn sich ihre Wege trennen und beide wissen, dass es so okay ist, aber eben doch schade.

Beim von der Sparkasse gesponserten Springbrunnen setze ich mich auf den Randstein und lasse meine Beine, wie meinen Seele, baumeln. Meine Welt dreht sich, während die Erde still steht und ich schmeiße den Kopf in den Nacken. Sterne. Überall Sterne. Diese Aussicht werde ich vermissen.

Mein von Weißwein geleiteter Weg führt mich letztlich doch noch heim. „Heim“. In die Wohnung. Ich kuschel mich zum Hund auf den Boden, der meine Rückkehr mit einem freundlichen aber schlaftrunkenen Wedeln, zur Kenntnis nimmt, und schlafe mit seinem Geruch in meiner Nase und dem Sternenmeer außerhalb meiner Dachfenster ein.

Nach ein paar Stunden wache ich auf. Mein Kopf und mein Rücken tut mir weh. Bis 3 Uhr Wein trinken und am Holzboden schlafen…ich bin halt keine 16 mehr 😅 #grannylife

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