Der Abschied

Er rückt näher. Der Neuanfang. Und damit auch der Abschied. Eigentlich dreht sich hauptsächlich alles um den Abschied. Zumindest im Moment. Es kommt mir so vor als wäre ich erst vor ein paar Monaten in einem halb leeren Raum mit vollgepackten Umzugskartons gestanden, und…das kommt mir nur nicht so vor. Es war ein ganzes Schuljahr das ich hier verbracht habe. Kein ganzes Jahr. Aber ein schönes.

Überwiegend war alles hier im Outback gut. Das Schnitzel, die Knödel, die Menschen. Die Blasmusik eher weniger. Aber von allem gab es reichlich. Vom Essen, vom Schnee, von den Feiern und zu guter letzt auch von der Sonne.

Der Hund und ich haben es genossen. Das erste Mal waren wir zwei wirklich ganz alleine und es lief gut. Geradezu wunderbar. Wenn die Pampa vor der Tür ist, eignet sich das halt gut für Abenteuer und Spaziergänge die zu solchen werden. Ich glaube mein kuscheliger Fell-Freund war glücklich hier. Und ich bemerke es erst mal wieder beim Abschied, dass ich es auch war.

Das mit dem Neuanfang ist so eine Sache. Ich weiß schon warum ich das alles mache. Kenne die Gründe. Weiß um mich und meine Ängste. Es gab ja auch mal einen Text dazu. Das Cider-Prinzip. Und das gilt immer noch. Aber jetzt gilt halt zusätzlich auch noch das Abschiedsprinzip und das ist geprägt von Sentimentalitäten, schönreden und Tränen die die rosarote Brille ersetzen.

Ich werde die Kinder vermissen. Meine Wohnung hier. Die Vertrautheit und Nähe zum Hund die ich mit dem Neuanfang auch verlieren werden. Zumindest auf diese Weise. Schuldgefühle plagen mich. Der Verlust der mit diesem Abschied einhergeht ist so vielschichtig, dass es mich auf mehreren Ebenen zu zerreißen droht. Mein einsamer Kampf an zu vielen verletzt-verlorenen Fronten findet seine Heilung nicht am Boden einer Cider-Flasche oder eines Umzugkartons. Leider.

Ich werde meine Unabhängigkeit vermissen die ich temporär aufgebe. Ich werde es vermissen so sehr mein eigener Boss und kreativ zu sein. Ich war gut in dem was ich hier gemacht habe. Ich war hier gut. Mit dem Neuanfang gebe ich nicht nur die Profession auf, sonder auch die Gewissheit in dem was ich tue gut und richtig zu sein. Was kommt ist unsicher, zum gleichen Maße wie es sicher ist. Klingt kryptisch. Ist es auch.

Wiedereinmal schlage ich einen ganz anderen Weg ein wie die Menschen um mich herum. Wiedereinmal bin ich auf diesem Weg alleine. Vielleicht wird das mit dem Alter anstrengender. Vielleicht bin ich einfach der Typ dafür. Oder eben doch nicht. Wenn ich mir die anderen hier so anschaue, die ihre Sicherheit nicht aufgeben, dann frage ich mich schon…wieso ich das mache? Wieso ich wieder alle Zelte abbreche? Neu starte? Das Outback gegen die Zentren der Welt eintausche? Die einzige Antwort die im Moment wahr ist, ist wohl einfach, dass ich es kann. Ich kann das tun. Und gerade mag ich nicht mehr. Muss aber. Und irgendwo tief in mir drinnen  hoffe ich einfach, dass es auch richtig sein wird. Ist.

Abschiede sind scheiße. Dieser hier fühlt sich wie ein Opfer an. Ein Opfer das ich bringe. Ein Opfer zu dem ich mich mache. Allerdings höchstens ein Opfer meiner eigenen im Kopf gefangenen Emotionen.

Du warst gut zu mir Outback. Du hast meine hungrige Seele gefüllt und mir ein neues Leben zu leben gelernt. Ich war gut hier. Aber ich will wissen ob ich noch besser sein kann. Ich muss. Und wenn ich es jetzt nicht mache, dann mache ich es nie. Jetzt ist die Zeit für einen Abschied. Weil ich diesen hier revidieren kann, wenn anderswo alles scheiße ist und mein bestes Leben doch hier stattfindet. Dann komme ich wieder und du wirst auf mich warten. Genauso wie du bist. Genauso wie du immer warst. Beständig. Beschaulich. Bescheuert schön.

Wer hätte gedacht, dass ich doch noch Heimweh haben werde. Heimweh noch bevor ich die letzten Bücher gepackt und die letzten Möbel entsorgt habe. Liebeskummer. Das wird es wohl sein und das wird auch noch ein bisschen weiter weh tun. Liebe zu einem Arsch, der dieses Mal nicht männlich, sondern ländlich ist. Beinahe lächerlich. Aber dann halt doch echt wahr und roh.

Abschiede. Der Abschied. Es ist okay zu weinen.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. christophrox sagt:

    Und kein Froschprinz weit & breit. Schön.

    Gefällt 1 Person

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