Es ist Sommer.

Es ist Sommer und wir sind am See. Ich bin noch ein bisschen unsicher wie das mit dem Paar-sein funktionieren soll. Falsch. Ich bin unsicher wie das mit uns funktionieren soll. Wieder falsch. Ich bin mir nicht sicher, ob es funktioniert. Noch bevor es überhaupt zu einem wie kommt.

Die Frau an der Kasse zu dem See-Stück in der Nähe von Innsbruck fragt gar nicht ob du für mich bezahlst. SIe geht davon aus. Weil sie davon ausgeht, dass wir zusammen gehören. Ein Paar sind. Sie geht davon aus, weil wir aussehen wie ein Paar? Zwei Tage später zahle ich dir dein Eintritt zurück und du wirst das Geld annehmen.

Ich schreibe all das in dem Wissen darüber, dass du dich vermutlich an nichts mehr davon erinnern wirst. Aber ich erinnere mich und etwas in mir muss es aufschreiben, hinausschreiben, bevor ich es hinausschreie. Wobei ich nicht weiß was ich schreien würde. Vielleicht schreibe ich auch deswegen. Zumindest bisschen Kontrolle- sage ich mir.

Am See ist es schön. Und voll. Wir breiten die Handtücher nebeneinander aus und lassen sie zurück, weil wir lieber gleich ins Wasser wollen. Du wirst mich untertauchen. Ich werde Wasser schlucken und mich revanchieren wollen und du wirst mich bei meinem Versuch mit in die Tiefen des trüben Wassers ziehen. Wir lachen. Und dann schweigen wir wieder. Nicht nur hier am See.

Es wird ein schöner Sommertag sein. Du cremst mir meinen Rücken ein und während wir beide ein Buch lesen, werde ich einschlafen und du wirst es irgendwann bemerken und mir dabei zuschauen. Mich mit kleinen Grasbüscheln dekorieren. Als ich aufwache, kuschel ich mich zu dir. Liege auf deinem Arm und in deiner Armmulde. Es wird das einzige Mal in diesen paar Tagen im Sommer sein, in denen wir versucht haben mehr zu sein als wir waren, dass es sich natürlich anfühlen wird- das Uns. Für mich. Für einen Augenblick.

Vielleicht erinnere ich mich deswegen jetzt an diesen Tag im Sommer. An diesen Moment. Im Winter. Nicht, weil ich dadurch in meinem Herzen Sommer spüre. Mehr deswegen, weil sich mir die Erinnerungen nach und nach entziehen. Ich mit dir abschließe, bevor ich meine Niederschriften darüber abgeschlossen habe.

Ich frage mich wie dein erneuter Beziehungsversuch gerade läuft. Ob er funktioniert. Aber ich werde dich nicht fragen. Nicht, weil mir die Antwort weh tun würde, glaube ich, sondern weil ich es einfach nicht wissen will. Du bleibst für mich im Sommer. Der Winter gehört mir. So wie nichts an mir dir jemals gehört hat oder wird.

Es war Sommer. Damals. Am See.

 

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. ballblog sagt:

    Für rausgeschrieben statt rausgeschrien ist das sogar richtig poetisch!

    Gefällt 2 Personen

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