Einbaukühlschrank Emil

Ich date jetzt nicht mehr die verträumten Vorstadtjungs, die ihr Leben in den Vorlesungen verschlafen die sie nie besuchen, und von einer gerechteren Welt träumen, während sie nach Instafilter-Frauen für den schnellen Kick-Fick auf ihrem Kinderarbeit-Handy wischen.

Ich date keine der grob fahrlässigen und planlosen verlorenen Seelen mehr, die dich in zu billigen Bars mit zu billigen Anmachsprüchen versuchen zu billigem Rumknutschen oder vlt auch mehr zu überreden.

Nein.

Ich date jetzt anscheinend die ambitionierten Versionen dieser Prototypen, mit dem ersten fetten Auto das nicht Papa gekauft hat, einer Wohung in Anzahlung und dem neuesten Einbaukühlschrank. Die Art von Mann der plötzlich tatsächlich auf der Suche nach was „Festem“ ist und dich nicht mehr ins Kino, sondern tatsächlich zum Essen einlädt. In schicke Restaurants mit KellnerInnen die einen zum Tisch begleiten und nach der Weinwahl fragen als ob man schon den Verlobungsring aussucht.

Ich date jetzt die Männer die schon gerne eine erfolgreiche und studierte Frau hätten, gleichzeitig aber nach dem Muttertier schlechthin suchen, welches ihr eigenes Muttertier in späteren Tagen einmal liebevoll und aufopfernd pflegen wird. Wie zuvor die Kinder. Wie danach ihn selbst. Selbstlos muss man halt sein- für so einen Mann.

Und ich bin es nicht.

Ich bin es aber leid mir das alles zu geben. Ich frage mich wo die guten Männer sind, oder ob all die guten Jungs zu keinen guten Männern wurden. Es können doch nicht schon alle nicht-Arschlöcher vergeben sein, oder??? ‚Nein, natürlich nicht‘, beruhige ich mich selbst und lande dann wieder in einem zu langen Essen mit einem zu langweiligen Typen, der hauptsächlich von sich selbst erzählt und seine Rolex-Hand so offensichtlich auf dem Tisch platziert, dass es sogar mir peinlich ist. Dabei ist es weder meine Hand noch mein Typ.

Aber was wäre die Alternative? Online Dating kann ich ganz offensichtlich nicht. Im-Leben-Dating haut mich jetzt auch nicht von den Socken und eigentlich weiß ich doch eh ganz genau was ich will und das ist so einfach und dabei so unglaublich kompliziert- Was ich will ist, jemanden zu wollen. Auf allenen Ebenen und so Kopf-frei wollen, dass sich das Zögern gar nicht einstellt und das Herz nie mehr zum Flattern aufhört.

Ich will verliebt sein wie ich es zuletzt mit 17 war und ich will endlich wissen wie sich darüber hinaus Liebe anfühlt. Wie sie sich für mich für jemanden anderen anfühlt, aber auch wie sie sich anfühlt wenn sie mir zu Teil wird. Ich glaube nämlich, dass mich noch nie jemand so wirklich geliebt hat- abgesehen von den Menschen mit denen ich verwandt bin. Und das schmerzt seltsam. Verpasse ich da in meinem Lebensrausch nicht die aller schönste menschliche Erfahrung? Ja. Und keiner garantiert mir dass ich sie überhaupt jemals machen werde. Liebe ist ein Geschenk. Ein Privileg. Nichts was man erkaufen oder erzwingen kann, und deswegen ist sie so kostbar. Weil sie nicht korrupiert werden kann.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. amanita sagt:

    Du musst jetzt sehr stark sein. Du hast genau 2 Möglichkeiten. 1. Du folgst deinem Herzen (romantisch ausgedrückt) bzw. deinen Genen und nimmst einen, der dir Herzflattern verursacht. Du wirst ein spannendes und aufregendes Leben haben. Doch mach dich auf SEHR VIEL Spannung und SEHR STARKE, ja, auch negative Gefühle gefasst. Du bekommst keine Schulter zum Anlehnen, aber du bekommst auch kein Korsett. Du musst Schwiegermutti nicht pflegen, aber du bekommst keinen „Verlobungsring“ (kann man sich eh in der Pfandleihe selbst kaufen😄). Du bekommst kein Heli-Skiing in Telluride, Colorado, aber dafür bist du in kalten Nächten nie allein.
    Variante 2: Du bekommst ein großes Haus mit Garten, den du selbst aus der kahlen Erde stampfen darfst. Du packst deinem Mann regelmäßig die Koffer, weil er in Geschäften unterwegs ist. Du bist viel allein und kannst ins Fitnessstudio gehen, einkaufen etc. Du musst mit etwas Glück nie mehr arbeiten, nur noch die Terrasse falten- und die Hemden algenfrei halten oder ungekehrt, der Schwiegermutter gefallen, die Kinder von Pontius nach Pilatus fahren und die Rezepte aus Tim Mälzer und Co. kochen, wenn Gäste kommen (überhaupt kaufst du viele Zeitschriften, da du mit ihnen lernst, was deine Gäste neidisch macht). Du bist das Rückgrat deines Mannes. Er merkt es zwar manchmal nicht, aber er bemerkt es, wenn du NICHT da bist.🙂
    Auf Fragen wie „Wer bin ich, woher komme ich, wohin gehe ich?“ oder „Was glaubst du, wohnt Gott in den großen oder kleinen Dingen?“ wirst du, falls überhaupt, ein „Moment eben, Schatz…“ oder „Hmmmmmm?“ zur Antwort kriegen.
    Nun wähle dein Tor, und denk dabei an deine zukünftigen Kinder😉

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    1. Kim sagt:

      Was ist denn das für ein legendärer Kommentar 😍

      Gefällt 4 Personen

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