Keine Schlachtbank-Beziehung

Deine Augen sind auf mir. Du bist ganz ruhig. So ruhig, dass es zwischen uns still wird. „Was heißt das für dich?“, fragst du mich und ich bin verwundet-verwundert, dass du nicht fragst was das für uns bedeutet.

Ich will wissen warum du das so formulierst. Dein Lächeln ist schmal. Nicht resigniert, aber close enough. Du greifst nach mir, und ich lasse mich greifen. Erreichen. Weil ich das schon so lange wollte.

Ich werde nach Brüssel gehen. Der Job ist alles was ich mir im Moment erträumen könnte. Kann. Ob alle Pionierinnen so mit sich hadern? Aufgeben als so leicht empfunden hätten? Angst vor ihrer eigenen Courage hatten? Sich im erreichen ihrer Ziele gefragt haben: ‚Warum ich?‘ -obwohl sie für nichts anderes gelebt und gestrebt haben?

Die Aufgabe ist groß. Größer als die Verantwortung sind aber die Erwartungen. Und davon gibt es viele. Und alle sind sie unterschiedlich. Ich beginne gerade erst damit mich zu beweisen.

Aber daran denke ich nicht, als ich meinen Körper an deinen presse und meinen Kopf zurück lege und zu dir hinauf schaue. Dein Kuss ist sanft. Nicht territorial. Kein Kuss der sagt: du gehörst mir. Du wirst immer darauf warten, dass ich zu dir gehören will. Und deswegen funktioniert das mit uns.

Du bist der stärkste und selbstsicherste Mann den ich kenne. Nur so jemand kann sich wirklich so verhalten wie du. Jemand der kämpfen kann, aber auch zurücktritt. Jemand der frei ist und versteht wie wichtig das auch für den Menschen an seiner Seite ist. Der Mensch genug ist andere neben sich groß sein zu lassen. Ihnen stolz beim Wachsen zusieht.

All das denke ich, als du mich küsst und ich dich zurück küsse und weiß, dass dieser Kuss enden wird. Und nicht weiß ob wir auch enden werden.

„Es wird das für uns heißen, was es für dich heißt.“, sagst du. Und deine Stimme ist so rau wie deine Bartstoppeln an meinen Lippen. „Und was es für mich heißt.“ Also doch ein uns. Aber ein uns in dem ich nicht nur auf eine passive Rolle reduziert werde.

Ich muss nicht weg gehen. Muss diesen Job nicht annehmen. Aber du weißt, dass ich keine Wahl habe. Weil ich ich bin. Ich muss diesen Job annehmen. Weil es eine Chance ist. Eine für die ich gearbeitet habe. Riskiert habe. Gefochten habe, und für die ich bluten und viel dafür noch opfern werde müsse; für meine Ideale. Für das was ich sein will. Für das was ich für andere Frauen will. Für das was ich für mich will. Eine muss die Erste sein. And I will rise to the occasion.

Du weißt, dass ich ja sagen werde. Es schon längst getan habe. Du beschwerst dich nicht. Du bewunderst mich. Ich muss mich nicht dafür entschuldigen wer ich bin. Nicht bei dir.

„Ich will nie, dass du das Gefühl hast, zu mir kriechen zu müssen, wie auf eine Schlachtbank. Zum letzten Urteil.“ Wie er das sagt. Wie er versteht, dass ich meine Entscheidungen bin. Vor allem die, die keine sind.

Ich bin tatsächlich hierher gekommen um zu erfahren ob wir das überleben werden. Ein Urteil. Eines das ich nur hören und empfangen, aber nicht selbst fällen würde. Weil das ja noch nie so war.

Ein bisschen so wie jemand der kommt um einen Brief entgegen zu nehmen, den er/sie als Botschafter dann zu seinem Herrn/seiner Herrin trägt. Aber ich bin meine Herrin. Und du lernst mir zu verstehen, dass mich hier kein Urteil von dir erwartet. Keine Entscheidung, die wir nicht zusammen treffen. Ich habe Macht in dieser Beziehung, weil ich Teil von ihr bin. Du forderst mich auf mich auch danach zu verhalten. Du fragst mich was das für mich heißt, weil du weißt, dass ich mich noch nicht gefragt habe was das für mich heißt. Nicht der Job. Nicht die nicht-Entscheidung, sondern das mit uns. Was will ich?

„Ich will, dass nach Brüssel zu gehen kein Ende für uns bedeutet.“, sage ich und wundere mich wie weich meine Stimme in meiner festen Entscheidung klingt. In meinen Augen tobt der Sturm meines Herzens, würde Rosemunde Pichler schreiben. Ich schreibe, dass alles Blut meines Körpers sich in meinen Ohren versammelt und an meine Kopfwand pocht. Ich warte nicht auf dein Urteil. Ich erwarte deine Entscheidung.

„Gut.“, sagst du und deine lächelnden Lippen finden die meinen. Akzeptierend. Einladend. Glücklich. Da ist sie- die Ebenbürtigkeit. Die Erleichterung.

Ich bin überrascht, dass das so einfach geht. Dass es überhaupt geht. Ich bin es nicht gewohnt am Schachbrett der Beziehung nicht nur eine Figur zu sein, sondern die Spielerin. Ich bin nicht deine Königin. Du bist nicht mein König. Wir sind Partner. Spieler. Noch nie Platze mein Traum vom Märchenprinz so schön.

Es ist wieder mal sehr typisch für mich, dass ich erst im Weggehen lerne worauf es ankommt. Darauf nämlich, dass ich dich mitnehme. Nicht verweile, nicht weglaufe, nicht zurück gehe. Diese Beziehung ist dynamisch; aber nur wenn ich es zulasse. Wenn du es zulässt. Wenn wir uns bewegen. Gemeinsam. Auch nach Brüssel. Oder zwischen Belgien und Österreich hin und her.

„Brüssel, Baby!“, grinst du auf mich herab und klopfst mir auf meine Rückseite, greifst in und unter meine Po-Rundungen hinein und schaust mir dabei zu wie ich mir unwillkürlich auf die Unterlippe beißen muss. Brüssel, Baby. Mein Leben ist verrückt. Und ich bin so, so dankbar, dass es dich gibt. „Dann lass uns mal die Welt verändern!“, sagst du, und genau das ist der Plan.

 


 

Sprung ins Jetzt. Ich sitze verheult auf meinem Bett und versteh die Welt nicht mehr. Falsch. Ich verstehe dich nicht mehr. Wieder flasch. Ich habe dich wohl nie verstanden und das ist es was jetzt schmerzt. Die Erkenntnis. Mehr als dein Betrug, dein doppeltes Spiel an mir.

Der große Mann, der sich über die vergangenen Monate in mein kleines Herz schlich ist ein Arsch. Ein Obermegariesentrottelverdammterarsch ist er und ich weine hauptsächlich deswegen weil ich wütend bin. Und enttäuscht.

Er wurde gesichtet. Mit einer Kommilitonin. Verfänglich. So richtig verfänglich. 3 Leute haben ihn gesehen. Alle haben sie mich kontaktiert und doch nicht gewusst wie sie es mir sagen sollen. Stellvertretend jemandem das Herz zu brechen ist keine leichte Sache. Ich bin ihnen sehr dankbar.

Ich bin auch sehr überrascht. Die Frau mit der er mich da, ich denke man kann es schon betrügen nennen, betrügt– die ist mir so gar kein bisschen ähnlich; und eigentlich dachte ich wir sind irgendwie befreundet. Sie ist blond und mega laut, trägt Klamotten die schreien HIER BIN ICH SCHAU MICH AN, jammert nach spätestens einem Cocktail, dass Männer sie nicht mehr so umschwärmen wie in Italien und flirtet mit allem was sie zu bieten hat. Und das ist groß und blond und zum Augen überdrehen. Aber bis jetzt war sie in meinen Augen einfach eine liebenswerte, wohl doch recht verunsicherte Person, die erst lernen muss, dass sie ihre Selbstbestätigung nicht von Männern abhängig machen sollte, denen sie regelmäßig im wahrsten Sinne des Wortes hinterherläuft. Jetzt ist sie…anscheinend die neue Freundin meines Freundes?

Ex-Freund. Er ist jetzt defintiv mein Ex-Freund. Er weiß es noch nicht, aber er ist es. Weil ich weiß was er denkt was ich nicht weiß. Ex. Defintiv. Die blonde Sexbombe hätte es sowieso bald ausgeplaudert. Sie ist in keinster Weise diskret und sie hätte sich bestimmt bei anderen Kommilitonen Rat geholt was sie jetzt wegen mir machen soll. „It’s just feelings, darling.“, hätte sie vielleicht gesagt. „There’s nothing we could to withstand the attraction towards oneanother. You do understand, don’t you? It’s nothing to do with you, we were just meant to be…“ und dann hätte ich wohl zu schreien begonnen.

Ja, ich schimpfe auf die Frau. Auch auf den Mann. Verlasst euch drauf. Aber dass ich auf seine Nummer hereingefallen bin, geniert mich. Dass sie sich ihm anbiedert und damit Erfolg hat…das ärgert mich mehr. Weil ich oft dabei war wenn sie es tat, aber nur die Augen überdrehte. Weil sie mit allen flirtet. Weil ich ja mit ihm zusammen war.

Mein Herz ist da wohl nicht rational. Furchtbar sind sie beide. Und furchtbar ist diese Situation und furchtbar ist auch, dass ich keinen Rotwein mehr habe und bald Taschentücher mit Klopapier ersetzen muss.

Was ist das nur für eine Welt?!

Der original Titel wird geändert: Auf die Schlachtbank mit dieser Beziehung!

 

 

Achja, und den Job hat jetzt doch ein Mann bekommen. Die katholische Kirche bleibt eben wie sie ist.

 

 

BeitragsGIF: tumblr

7 Kommentare Gib deinen ab

  1. fortzacherytaylor sagt:

    Klingt nach einer beschissenen Zeit. Trost – es wird besser. Wenn auch nicht gleich und in baldiger Zeit.. Kopf hoch!

    Aber so ist das mit Beziehungen denke ich langsam auch. Man denkt es ist anders, der andere versteht einen und unterstützt einen. Es läuft so toll – bis sich alles gegen einen wendet. Das tut weh und wirft einen aus der Bahn. Man lernt draus und macht weiter. Irgendwo da draußen muss es doch noch Männer geben, die..

    Und die katholische Kirche und sich ändern? Pfff.. Wäre wünschenswert aber unrealistisch. Was hat sich denn in den letzten 10 Jahren wirklich geändert?

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    1. Ja es ist gerade nicht so lustig.
      Danke für deinen Kommentar ❤

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  2. Ach Mensch, ich für mit dir. Irgendwie habe ich gerade das Gefühl, dass die Männerwelt ein wenig am Rad dreht. Ob das wohl am Mond liegt? 🤔

    Okay, nicht so hilfreich. Ich wünsch dir einfach ganz viel Kraft und Trost für die kommenden Wochen!

    Liebe Grüße

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    1. Na ich hoffe es liegt nicht am Mond. Dann kommen die Phasen ja immer wieder 🙈😅
      Danke 🙂

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      1. Aber irgendwie gibt’s immer wieder Phasen, in denen gefühlt alle möglichen Beziehungen enden. Jetzt gerade habe ich es schon von vielen mitbekommen und letztes Jahr gab es eine Woche, in der 6 Beziehungen von Menschen, die ich kenne, geendet haben (meine eingeschlossen 😅)
        Also irgendwie scheint etwas in der Luft zu sein… Oder eben der Mond 🌝

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      2. Ich halt dann mal die Luft an 😜 vlt ist das die Lösung

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  3. m1ndfuckblog sagt:

    Oh scheiße…Was für ein Idiot!!
    Und Arbeitgeber, die dich nicht wollen. Pech gehabt..Wenn die zu doof oder blind sind. Der Richtige (im wahrsten Sinne des Wortes) für dich wird kommen. 😇🤗

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