Alte Gefühle in einer neuen Beziehung

Alles ist neu. Aber die Gefühle sind alt. Nicht weil ich deiner schon müde werde- nein. Gar nicht. Aber ich bemerke dass ich alte Gefühle mit im Gepäck habe, nicht nur Erfahrungen und Erinnerungen.

Wenn ich über meine Vergangenheit nachgedacht, an ihrer Verarbeitung gearbeitet habe, dann war mein Fokus immer auf den Erinnerungen. Auf den Erfahrungen. Aus den Lehren die ich daraus ziehen würde. Vielleicht auch den Schmerz, aus dem ich herauswachsen würde. Und ich tat es. Tatsächlich.

Was mich aber jetzt, mit dir in dieser neuen Beziehung überrascht hat ist etwas das ich nicht auf dem Schirm hatte: Gefühle. Nicht die für dich, die sind schön- sondern, die aus alten Beziehungen. Aus alten Wunden. Auch aus den Verheilten. Wie groß und stark und präsent sie sind…das hatte ich nicht erwartet.

Kann man aus seinen Gefühlen lernen, oder nur lernen sie zu kontrollieren?

„Ich glaub es geht darum mit ihnen umzugehen zu lernen.“, sagst du und sprichst zwar von meinen Gefühlen und hilfst mir in meinen Überlegungen darüber klarer zu werden, aber… irgendwie denke ich du redest auch darüber wie du mit mir in dieser Beziehung zurechtkommst. Mit meinen Tiefen, und Ängsten, Zweifeln die ich dir nicht mitteilen kann. Obwohl sie da sind. Aber ich kann es noch nicht an und aussprechen. Kann dir noch nicht alles von mir zeigen, das ich selber noch nicht genau anschauen will. Noch nicht.

Auch wenn du mich sowieso zu sehen scheinst. Du siehst mich. –noch nie zuvor habe ich verstanden was das heißt. Und welche Panik das auslösen kann.

Dein Arm drückt mich fester mit meinem Rücken in deine Brust und deine Lippen küssen meine nackten Schultern, meinen Hals- nachdem deine Nase meine wilden Locken aus dem Weg geschoben hat.

Fast sinnbildhaft, denke ich mir im Dunkeln. Hinter meinen Haaren verstecke ich mich auch. Aber du kämpfst dich vor. Schiebst sanft zur Seite was mich bedeckt, verdeckt und bedrückt. Versteckt. Weil du das Dahinter siehst. Mir dabei helfen willst mutig genug zu sein es nach außen zu tragen. Mir sagst, dass da nichts ist wofür ich mich schämen müsste. Nichts Hässliches. Nichts was die Welt nicht gewollt hätte. Nichts was du nicht wollen würdest.

Du stützt dich auf deinen Ellbogen und platzierst sanfte Küsse von meiner Schulter an meinem Oberarm entlang. Dein Finger fährt sanft über meine Gänsehaut. Greift nach meinen verkrampften Händen, die ich an meine Brust gezogen habe. Du entwirrst meine Fäuste nicht. Deine warme Hand umfängt sie nur. Streichst mit dem Daumen über die kleine Narbe auf meinem Handrücken. Im Dunklen kannst du sie unmöglich sehen, so alt und verblasst wie sie ist. Aber du weißt, dass sie da ist.

Und irgendwann drehe ich mich zu dir. Schaue dich an, wie du mich anschaust und beschließe in der Dunkelheit meines Herzens und dieses Zimmers zu kämpfen. Für die guten Gefühle. Für die schönen Momente. Für mich. Für dich. Für das was Wichtig ist. Was auch immer es ist.

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