Wie alles eigentlich begann

Ich warte gerade darauf endlich über den kleinen Zebrastreifen vor meiner akademischen Institution laufen zu können. Rote langsame Ampeln sind mein Tod in dieser Stadt. Ich habe es eilig. Eilig zum Lift zu kommen der mich in die U-Bahn Station versenkt. Alles ist stressig. Immer. Ich mag das auch irgendwie so. Trotzdem bin ich gerade zu spät. Das mag ich nicht.

Du wartest auch; stehst auf der anderen Seite der Straße, und wartest auf der kleinen Verkehrsinsel, neben dem Aufzug, bis es endlich grün wird. Im Gegensatz zu mir tappt dein Fuß nicht ungeduldig herum und du überlegst dir vermutlich auch nicht unvernünftig zu sein und zwischen den Autos über die Straße zu huschen. Ich schreibe „du“, aber damals warst du nur ein Fremder. Ein er. Ein Typ. Ein Typ in der grell orangen Jacke eines Lieferservices und einem enorm großen Fahrrad.

Irgendwann bin ich dann Rebell genug, und während der Wiener Wind an meinen Haaren reißt, reisse ich mich zusammen und sprinte über den Zebrastreifen. Auch ohne grünes Licht. Ich hätte dich vermutlich nicht weiter beachtet, aber dein Blick waren auf mir. In so einer ganz und gar seltsamen Art und Weise. Intensiv. Nicht so wie einen Typen manchmal anschauen, so dass man als Frau mit ein bisschen Schamgefühl gleich wieder weg schauen will- oder es eben gerade deswegen nicht tut, und herausfordernd zurück funkelt– nein. So wie du mich ansahst, musste ich zurück schauen. War seltsam hängen geblieben. An dir und deinen Augen und…deinem Lächeln.

Ich werde nicht random von Männern auf der Straße angelächelt. Dafür bin ich wohl einfach nicht die Frau für. Ich bekomme schon Blicke, manchmal vielleicht auch einen zweiten oder dritten Blick, aber offen anlächeln tut mich eigentlich nie einer. Liegt vermutlich an meinem serious case of resting bitch face. Ich bin keine die man leicht anlächelt oder anspricht. Nicht mal die Dealer im Park. Aber du, der du nur ein großer Mann in Lieferservice-Sklaven-Kleidung warst, tatest es doch und…

Meine erste Reaktion ist es irritiert zu sein. Wie in einer dieser Szenen wo sich die Protagonistin nicht sicher ist, ob sie gemeint ist, ob dieses Lächeln ihr gilt. Weil solche Lächeln von solchen großen, breitschultrigen und gut aussehenden Typen nie ihr gelten. Fast hätte ich mich umgedreht, aber ich hatte es eilig nach Vorne zu schauen.

Dein Lächeln fiel nicht, deine Augen suchten ganz offen die meinen und für den Bruchteil einer Sekunde wusste ich, dass dieser Augenblick in meinem Mädchenhirn auf ewig einer jener Momente sein wird in dem etwas nachhaltig klick gemacht hat.

Du bist so groß. Und dein Gesicht ist so symmetrisch. Der Hauch von Tagesbart ist gerade so verwegen, dass er mich reizt und es ist unmöglich zu sagen wie lange die Haare sind, die du in deinem Nacken zusammengebunden hast. Es sagt viel über die Attraktivität eines Mannes aus, wenn mich lange Haare nicht automatisch abstoßen.

Wie ich über die Gehsteigkante hüpfe, hüpft mein kleines Herz aufgeregt mit und meine Augen fixiere ich auf den Boden vor mir. Diese ungeteilte Aufmerksamkeit die ich von dir auf offener Straße bekomme, dieses Gefühl gesehen zu werden- dass du magst was du siehst- es überfordert mich. Es lässt mich rot und unsicher werden und ich kapiere nichts an meinem absolut irrationalen Verhalten. Wir hatten vielleicht 3 Sekunden echten Augenkontakt. Wieso flippe ich deswegen aus?

Meine Finger pressen an den Liftknopf des Aufzuges und ich weiß nicht wo hin mit mir, während wir hier warten, und ich so damit beschäftigt bin dich nicht anzuschauen. Du grinst und wendest deine Augen ab. Weil du gemerkt hast, dass das zu viel Aufmerksamkeit für mich ist? Du starrst auf die immer noch rote Ampel. Das Lächeln bleibt. Wo bleibt der Lift?!

 

 

 

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. amanita sagt:

    Du wirst nie angelächelt? Ich bin dafür noch nie einem großen, gut aussehenden Fahrradpizzaboten mit symmetrischem Dreitagebart begegnet😄

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    1. Haha. Ich werde niiiie angelächelt. Ich verteile nur unabsichtlich unnahbare Energie und Blicke des (Flirt)Todes 😅

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      1. amanita sagt:

        Ich glaube, die fürchten abzublitzen😊

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