Neu ist nichts am Anfang

Es ist früh morgens. Die Frau in deinen Armen riecht nach Nacht und Haarshampoo und dir. Du drückst deine Nase in ihre Haare und schließt die Augen. Vielleicht ist sie schon wach. Aber sie rührt sich nicht.

„Ich hab Tacos!“ oder „Ich mach dir Tacos!“ oder „Willst du Tacos?“ Irgendwas in der Art hat sie gestern gesagt. Dir versprochen. Und nachdem SIE nicht kam, kamst du eben zu ihr. TACOS!

„Sex.“, sage ich und schaue dich müde lächelnd an. „Sex.“ Mach mir doch nichts vor. „TACOS!“, empörst du dich, aber lachst. Du lachst, wenn dir etwas peinlich ist. Mach ich auch. Gerade ist mir aber nichts peinlich und wirklich lustig finde ich das auch nicht.

Ihr steht auf. Du hast hunger. Ihr frühstückt gemeinsam. Das ist die Pärchenroutine die dir sonst bei deinen Gspusis immer gefehlt hat. Ihr frühstückt und dann läutet es kurz darauf an der Tür. Du bist angezogen. Du machst sie auf.

Vor dir stehen eine ältere Frau und ein junger Mann. Die Mutter und der Bruder der Jus-Studentin die du vögelst. Aber das weißt du nicht. Dabei habt ihr euer mittelprächtiges Arangement mittlerweile schon knapp ein Jahr lang, oder? Mit Unterbrechungen. Wegen mir. Und anderen. Könnte ich mir vorstellen.

„Ah!!“, sagt die Frau, also die Mutter und begrüßt dich überschwänglich beim Namen. „Wenn ich gewusst hätte, dass du da bist, hätte ich dir auch einen Kaffee mitgebracht!“ Du hast die Frau noch nie gesehen. Sie hat dich noch nie gesehen.

„Ich hab die Frau noch nie gesehen!“, sagst du zu mir. Ich rolle mit den Augen. Fotos, Herzchen. Fotos. „Na hast du Glück, dass ich nicht so eine enge Beziehung zu meiner Mutter habe.“, sage ich trocken, aber nicht ohne leichtes Schmunzeln. Herst Burli, du bist manchmal schon ein Trottel! Was hast du dir denn nach der ganzen Zeit erwartet? Alles was ich sage ist: „Schaut nach Familienzusammenführung aus.“

Wir sitzen in deiner neuen Wohnung in deiner neuen Küche. Sie liegt schön und zentral und ich freue mich dich zu sehen. 3 Monate ist es jetzt her gewesen. Dieser Beziehungsversuch. Seitdem ist es anders. Keine Gefühle mehr die Verwirrung stiften. Keine Sehnsucht nach „mehr“. Freundschaft. Ich glaube wir können das.

Neu ist nichts an all dem. Nicht an dem, dass wir hier gemeinsam sitzen. Dass du Pizza für mich machst und am Abend davor zu einer anderen fährst, weil sie Tacos für dich hat. Nicht an dem, dass du und ich trotzdem zusammen lachen ist neu. Nichts an den flüchtigen, vertrauten Blicken die wir abwenden bevor sie zu intensiv werden, bevor wir damit nicht nur schauen, sondern sehen und später vielleicht irgendwann mal verstehen. Nein, neu ist nichts an all dem. Aber es ist ein Anfang.

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