Über den Wolken

  1. TAG Ich sitze mit einer Freundin über den Dächern von Prag auf einem fragwürdigen Holzlatten-Boden, der uns als roof top bar verkauft wurde, aber weder top ist noch Bar hat. Trotzdem ist es schön und wir schlürfen selbst mitgebrachten süßen Radler, Cola-Rum aus der Dose als wären wir nochmal 18 und lachen über die Vergangenheit, die alten Gschichtln und die Wege des Lebens.

2. TAG Ich sitze mit einer Freundin über den Dächern von Prag auf klapprigen Stühlen, neben einem Maschendrahtzaun der die Sicht enorm stört und genieße die ruhigen und stillen Momente, die sich im Lachen ganz von selbst ergeben. Ich spiele gedankenverloren an meinem Ehering und denke an meinen Mann und wie schön es wäre, wenn er jetzt auch hier wäre. Ich denke daran wie viel Glück ich habe, wie gesegnet ich bin. Nicht nur jetzt in diesem Moment.

3. TAG Ich sitze mit einer Freundin über den Dächern von Prag, umringt von Schönheit und Architektur und dem Ausgang der Klimaanlagen des unterirdischen Design Metropol Hotels in dem wir abgestiegen sind. Wir witzeln über das winzige Zimmer, den roten Teppich und die roten Vorhänge und Decken. Prag ist bekannt für seinen Sex, aber muss jedes Zimmer wie ein billiger Puff ausschaun? „Heute dachte ich da sind Haare in der Dusche.“, sagt meine Freundin. „Aber es waren dann zum Glück doch nur Risse.“ Und wir kichern.

4. TAG Ich sitze mit meiner Freundin über den Dächern von Prag und sehe die hügelige Ziegellandschaft gar nicht. Mein Kopf ist in den Nacken gefallen, meine Auge gen Himmel gerichtet. Über den Wolken…mag die Freiheit da wirklich grenzenlos sein? Wir sind heute an der John Lennon Wall vorbeigekommen und vor ihr sind lauter Leinen mit Gedichten gespannt. Gedichte die mich tief berührt haben. Gedichte über den Krieg. Das Sterben. Die Angst. Das Verbrechen.

Über und unter den Dächern…werden wir jemals lernen? Jemals lieben und lassen und uns nicht hassen? Nicht töten? Nicht nach Macht streben und mit Macht machen was nur die Gewalt erreichen kann?

Ich habe Angst, dass über den Wolken… die Welt hier unten wohl auch hässlich aussieht. Weil wir es sind.

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