Ich war noch nie mit einem Mann im Bett

Meinen ersten Sex hatte ich mit 18. Das galt damals und heute noch viel mehr, schenkt man den jungen Leuten ein Ohr, als ziemlich spät. Mir war das aber glücklicher Weise damals wie heute schon ziemlich egal. Dass man Sex hatte war gegeben, das hinterfragte ich im Mainstream Teenie-Hirn gar nicht, aber dass das wann und wie und mit wen etwas ist das ich mir gut überlegen und auch nur ich bestimmen kann, das hatte ich im Gefühl. Und zum Glück auch den Mut dazu, denn auch damit war ich allein auf weiter Flur. Mit dieser kleinen Info gehts jetzt aber mal los in den eigentlichen Text, in die Überlegung, hinein.

Ich kenne wahnsinnig viele Mädels, die mit sich selbst hadern. Und wenn ich hadern sage, dann meine ich oft hassen. Und wenn ich „sie selbst“ schreibe, dann meinen sie eigentlich immer ihren Körper. Da liegt das erste Problem. Frauen lassen sich zu oft und reduzieren sich selbst zu oft auf ihre Körper, der quasi retuschiert sein muss um perfekt zu sein und die Brüste einer ausgewachsenen Frau, aber den Cellulite -Stand einer Neugeborenen haben soll. Weiter will ich das Gruselkabinett an Erwartungen gar nicht beleuchten. Darüber schreiben andere sicher besser und tiefgründiger und nicht nur aus Beobachtung, sondern Erfahrung heraus.

Vieles an den Erwartungen, die zu Selbstzweifeln und Selbstwertminderung führen, kommt sicher aus den Medien. Aber immer öfter stelle ich fest, dass auch reale Erfahrungen zu diesen Erwartungen hinzukommen und sie maximal verschärfen. Und dann sind wir thematisch wieder bei meinem ersten Mal, oder bei den Malen danach.

Ich war noch nie mit einem Mann im Bett der mich nicht mochte. Und damit reduziere ich mich nicht auf meinen Körper. Ich war noch nie mit einem Mann im Bett bei dem ich mich unsicher oder auch nur tendenziös unwohl gefühlt hätte. Noch nie wurde mir von einem Mann oder Partner, mit dem ich geschlafen habe, vermittelt, dass etwas an mir nicht passt/reicht/sexy/sinnlich genug ist. Und nur so habe ich meine Sinnlichkeit entwickeln können. Aus der Sicherheit heraus.

Ich kenne aber so viele, die waren mit Männern im Bett die sie nicht mochten, die nicht wirklich nett zu ihnen waren (und nett ist ja ansich schon nah an scheiße). Die sie verunsichert haben, mit Worten oder Taten. Vor dem Sex, oder danach. Ich kenne so viele Frauen die vom ersten Mal angefangen schon in ihrer eigenen Sinnlichkeit untergraben wurden und mit Ende 20ig immer noch zu Pornos greifen um sich abzuschauen wie man „sexy“ ist und was Männer wollen und im Hamsterrad des Gebrauchtwagen-Datings ihre eigenen Artikelbeschreibungen werbetexten.

Sex ist in meinen Augen heilig. Mein Körper ist für mich heilig. Das heißt nicht, dass ich den absurden Anspruch habe, dass ich immer mit meinem Körper glücklich und zufrieden bin. Natürlich nicht. Das wäre ungesund. Genauso ungesund wie dem allem keine Bedeutung zuzuschreiben. Aber teilen will ich mich nur mit denen die es wert sind. Auch wenn man sich natürlich irren kann.

Es tut mir so leid, so weh, dass so viele Frauen sprichwörtlich in die Falschen Hände geraten sind und nun nichts anderes kennen, manche dann nur danach suchen und nichts anderes erwarten. Es tut mir so leid, dass mir andere Mädels sagen, dass ich eben „Glück hatte“ und nur deswegen nie mit Männern um Bett war die mich nicht mochten. Ich widerspreche.

Ich hatte kein Glück, sondern die Wahl. Und die haben wir übrigens alle. Wir haben die Wahl mit wem wir uns teilen, auch wenn es sicher eine kollektives und gesellschaftliches Problem ist und der Druck „es zu tun, weil er sonst zu einer anderen geht und wir übrig bleiben“ groß ist. Trotzdem war meine Haltung eigentlich immer: „Dann soll er gehen!“ Und geschadet hat das zumind mir nicht. Aber das ist natürlich recht subjektiv.

Vielleicht noch zum Abschluss: Es gibt hin und wieder auch Männer denen es so geht. Jetzt nicht das bodyshaming, aber der Wunsch, nicht auf seinen Körper reduziert zu werden, oder auf seine sexuelle Fähigkeit. Auch Männer wollen Verbindung und Nähe und Beziehung. Ganz sicher.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. amanita sagt:

    Ich stimme dir 100 Prozent zu!!! Endlich mal eine Frau mit gesundem Selbstvertrauen. Wenn man schon so viel Wind um seinen Körper macht wie die weibliche Menschheit, dann sollte man mehr darin sehen als eine Maschine oder bestenfalls ein Rennpferd. „Mein Körper dies, mein Körper das“, nie heißt es „mein Hirn dies, mein Hirn das“.

    Gefällt 1 Person

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