Fünf Fucking Jahre

Es ist mittlerweile fünf Jahre her, dass ich an meinem 23. Geburtstag nachhause kam und meinen Freund im Bett mit einer anderen antraf. Es ist mittlerweile fünf Jahre her, dass meine Welt von jetzt auf gleich zusammenbrach, ich in Autos saß und gegen Bäume fahren wollte, so laut weinte, dass es sich wie schreien anhörte und erst sehr langsam begann zu verstehen, was in den fünf Jahren Beziehung zu meinem allerersten Freund, von 18 bis 23, eigentlich alles schief lief.

Das was mir damals passiert ist, das was mit mir und aus mir gemacht wurde, in dieser toxischen Beziehung, die mich beinahe gebrochen hätte…all das wird immer ein Teil meiner persönlichen Geschichte bleiben, ganz egal wie gerne ich auch aus ihr ausbrechen würde. Nachwievor. Es gibt Momente, auch fünf fucking Jahre danach, in denen ich Flashbacks habe. Nicht nur von meinem Geburtstag damals, sondern vor allem von Dingen davor. Von dem Umstand, dass ich langsam untergraben wurde, bis ich drohte unterzugehen. Von dem Umstand, dass ich in anderen Umständen war und er plötzlich nichts mehr davon wissen wollte. Von dem Umstand, dass er mich nur in absoluter Abhängigkeit zu ihm „lieben“ konnte und keine freiere Version von mir akzeptieren wollte.

Ich habe nie über all das Elend, all den Schmerz, die Verwirrung und Vernichtung geschrieben, aber Teile davon habe ich am Anfang meines Bloglebens mit euch geteilt. Fragmente, während ich damit beschäftigt war meine Fragmente wieder zu mir zusammenzusetzen. Über einiges kann man schreiben- und über anderes weint man einfach nur, bis man seine alte Stimme verloren hat und mit neuer zu sprechen beginnt.

Heute spreche ich aus, was ich mich damals nie getraut hätte. Ich spreche an wen und was ich will und ich erhebe meine Stimme, wie es mir gefällt. Ich bin in diesen fünf Jahren die vergangen sind nicht gewachsen, sondern erwachsen. Entwachsen, nachdem ich der Hölle entflohen bin.

Diesen Sommer hat er geheiratet und das habe ich so zufällig erfahren wie es auch absurd ist. Es war seltsam. Seltsam zu sehen, dass auch seine Welt sich weiter dreht. Es hat mich überrascht, dass jemand der so grausam war, heute doch noch lachen kann. Egal wie naiv das klingen mag. Aber im selben Moment in dem ich so geschockt überrascht war, war ich dann auch wieder gelassen. Auch ich kann heute wieder lachen. Freier und selbstbestimmter und selbstbewusster als je zuvor. Ich bin frei und das hätte ich mit ihm so nie erfahren können.

Die Frau die er geheiratet hat ist die Frau die an meinem Geburtstag in meinem Bett mit ihm lag. Die Frau die mich über die Schulter hinweg kalt angeschaut hat und deren Schulter ansich kalt zu sein scheint. Keine würde besser zu ihm passen und in diesem Sinne bin ich irgendwo auch lachend über diese Information hinweggegangen: diese beiden haben sich absolut verdient. Ich bin mir sicher, „jetzt geht es für die beiden endlich bergauf“, nicht erst seitdem sie mich als Ballast losgeworden sind.

Fünf fucking Jahre. Fünf fucking Jahre Beziehung. Fünf fucking Jahre getrennt. Ein anniversary der anderen Art, definitiv einen Drink wert. 🍷 oder 🍸🍹 auch auf diesen Blog können wir anstoßen. Ohne meine Selbstentdeckung durch die Trennung vom Ex-Freund, hätte es die Selbstbestimmung und Selbstfindung nie gegeben.

Ich habe gelernt: Broken hearts are presents baby. You just gotta unpack them and smash them.

9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Solche Dinge hängen einem ewig an.
    Leider.

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    1. In irgendeiner Form sicherlich

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  2. Wolfgang R sagt:

    Ist doch toll dass er Dir die Augen göffnet hat und Du zu der Frau geworden bist die Du heute bist!

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  3. Wow 😥 Fühl dich gedrückt und sei stolz auf dich das du diese Zeit so gut gemeistert hast und zu der geworden bist die du bist 💕🤗

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  4. I feel you und du machst das großartig!
    Ich trauere auch so oft noch über meine toxischen fünf Jahre (was hat es nur mit der Zahl auf sich?) Aber meistens bin ich total froh darüber, weil ich sonst sicher nicht so reflektiert und selbstfürsorglich wäre, wie ich es jetzt bin.
    Schön, dass du das für dich auch erkannt hast!

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    1. Ja, aber manchmal würde ich mir schon wünschen ich wäre das auf einem anderen Weg auch geworden.

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      1. True…aber solchen Gedanken nachzuhängen, vergeudet nur schöne Zeit, die man besser nutzen könnte. 😉 Ändern tun sie es ohnehin nicht.

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