In den Geburtstag fallen

Schon vor einer Woche war mir akut bewusst, dass heute mein Geburtstag ist. Schon bevor der November heranbrach hatte ich Sorge davor wie es sein wird, wenn mein Geburtstag in diesem Monat über mich hereinbricht. Sorge hauptsächlich deswegen, weil es sich schon abzeichnete, dass er so ganz anders werden würde. Nicht anders weil Lockdown2, aber auch. Aber hauptsächlich weil er so ganz anders werden würde als ich ihn mir wünschte, abgesehen von der fucking Pandemie.

27. Keine magische Zahl, aber eine die unweigerlich innerlichen Stress in mir erzeugt. Mit 27 bin ich gefühlt gut in meinen 20igern angekommen, nur um beunruhigt zu sein, dass sie bald wieder vorbei sein werden. 27…kein Alter von dem ich jemals eine konkrete Vorstellung hatte. 26 war magisch, darauf hatte ich mich immer schon gefreut. 27 ist irgendwie…einfach nur die Zahl danach. Gleichzeitig ist es aber auch die Zahl mit der meine Eltern so richtig erwachsen wurden. Mein Vater war 27 als er meine Mutter heiratete. Im Jahr darauf wurde ich geboren. Irgendwie hat das erst jetzt eine in einer Zahl festgemachte Bedeutung für mich. Mein Vater war so alt wie ich als er heiratete.

Ich weiß nicht ob das anderen Leuten auch so geht, dass sie sich mit jedem Geburtstag ihren Eltern ein Stückchen annähern. Wenn nicht optisch, dann emotional. Meine Eltern waren für mich immer gefühlt „alt“ und damit immer gefühlt „anders“ als ich. Ich glaube mit diesem Geburtstag endet dieses Gefühl für mich. 27 und verheiratet. Erwachsen. Gesettled. Davon bin ich noch weit entfernt und trotzdem scheine ich sie langsam besser zu verstehen, anders zu sehen.

Meine Eltern schwirren mir nicht ohne Grund in meinem Kopf herum, schwirren sie doch auch Tag täglich tatsächlich um mich herum. Da ist es wohl nicht weit her damit, dass ich Vergleiche anstelle, die sich buchstäblich aufdrängen. Gerade am Geburtstag.

Dieses Jahr weine oder schweige ich nicht in meinen Geburtstag. Dieses Jahr falle ich irgendwie bloß hinein und ich hoffe es ist nicht equivalent mit einem großen schwarzen Loch.

Krampfhaft erinnere ich mich daran, dass nicht alles schlecht ist in meinem Leben, dass ich Glück habe in einem sicheren Beruf, in einem geschützten Umfeld, in einer akademischen Perspektive. Maybe. Aber von der Erkenntnis kommt halt noch nicht die Zufriedenheit und es ist weniger das ständige Maskentragen, als das verteufelte Fernweh das mich plagt. Ich will weg. Ich will hinaus. Ich will ein Aus gegen einen Start tauschen und hineinrauschen ins Leben und ins Abenteuer. Jedoch wird nichts davon so bald passieren. Aushalten ist die Devise und für mich fühlt es sich mehr nach Atem-halten. Ich weiß nicht wie lange ich noch kann. Aber zum Kerzen ausblasen reichts grad noch.

Achja und falls wer fragt: Natürlich bin ich mit 27 noch nicht zu alt für Zuckergussmäuse auf der Torte. Pfh.

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wolfgang R sagt:

    Dann wünsche ich Dir alles Liebe und Gute! Richtig krass wird es erst, wenn Du merkst, dass Du auf Photos älter ausschaust als im Spiegel. Und verschobene Träume sind nicht aufgehoben.

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  2. Happy Birthday❤ nachträglich!

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  3. Happy Birthday nachträglich 🙂
    Irgendwann Mitte 20 merkt man es: Das alt werden 😉
    Aber ganz ruhig es ist nicht schlimm 🙂 🙂

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