Eine Woche voller Tinder-Dates: Alex (aber eigentlich doch Tim)

Es ist Sonntag 15 Uhr und der ohnehin zu blonde und irgendwann mal Technik-Student Alex fragt ob wir unser Treffen verschieben können. Er würde es schon irgendwie schaffen, aber er fährt morgen auf Dienstreise und hat den Kopf irgendwo….blablabla. Ich bin ihm eh nicht böse, oder? Die Entscheidung ob wir uns trotzdem treffen liegt voll bei mir. Er ist eigentlich nicht so einer. –okay. Natürlich prügel-zwing ich ihn nicht zu dem Date. Wenn er viel zu tun hat, dann ist das eben so. Vielleicht gebe ich ihm nächsten Sonntag noch eine Chance. Vielleicht aber auch eher nicht. Auch wenn er gesagt hat, dass er ein liebevoller Chaot ist und mich damit praktisch schon ein bisschen vorgewarnt hat, irgendwie geht er mir jetzt schon auf die Nerven.

Dafür meldet sich Date 4 für Dienstag und fragt ob das eh noch passt und macht konkrete Vorschläge für das zu erwartende Wetter. Er schreibt er freut sich schon sehr so eine sympathisch wirkende und wunderhübsche Frau kennenzulernen. Ich finde das ist ein bisschen dick aufgetragen, aber lieber so als das was Alex macht.

Ich treffe mich mit Tim. Alex kommt nicht und Tim hat mich am Morgen schon gefragt ob ich mich mit ihm treffen will. Ja, das könnte needy wirken, aber irgendwie tut es das nicht. Wir mögen uns anscheinend, da ist es okay sich sehen zu wollen. Ich schreibe ihm also, dass ich dann und dann heute Abend doch spontan Zeit habe und er kommt. Und wir haben an Tag2 meiner Marathon-Date Woche unser zweites Date und ich hasse es nicht. Ich hasse es gar nicht. Überhaupt nicht. Ich grinse die ganze Zeit wie ein Trottel, aber er macht das auch und von daher passt das auch irgendwie.

Tim ist heute besser gekleidet als gestern. Ganz offensichtlich hat er sich heute noch ein bisschen mehr Mühe gegeben. Und er hat anscheinend einen Kleidungsstil. Sein Blaues casual Sakko passt zu seinen Augen. Sowas fällt mir anscheinend auf.

Wir treffen uns wieder bei der Oper. Er ist wieder vor mir da. Anschließend sitzen wir vor dem Springbrunnen der Oper auf den Stiegen und es hat fast einen Hauch Italien-feeling in dieser lauen Herbstnacht die noch ein bisschen nach Sommer riecht. Irgendwann meint er sein Hintern wird kalt und wir schlendern fünf Schritte weiter zu einer netten Bar/Tanzlokal mit einer großen Terrasse und guten Cocktails.

Als er mich wieder mal verdächtig lange amüsiert anschaut, während ich mich um Kopf und Kragen rede, frage ich ihn warum er so schaut. „Weil ichs irgendwie schwer fassen kann, dass du nicht nur hübscher als die Fotos von dir bist, sondern auch in persona immer schöner zu werden scheinst.“ Oh mein Gott. „Das macht der Alkohol.“, sage ich, weil ich schlecht darin bin ein Kompliment anzunehmen und nicht weiß was ich gleich mit mehreren davon anfangen soll. Socially Awkward? Ich?! Auf jeden Fall.

Das Problem mit Tim ist, dass er 3 Jahre jünger ist als ich. Also fast 3 Jahre. Aber trotzdem. Er teilt sich ein Geburtsjahr mit meinem Bruder!!!! Es weirded mich out! Ich kann das gar nicht gut verarbeiten. Tim wirkt nicht wie mein Bruder, aber woher weiß ich denn schon wie mein Bruder auf andere Frauen wirkt? Tinder hat mich jedenfalls betrogen. Das sollte mir nur Männer ab 25 Jahren anzeigen. Arrg!!

Tim selbst findet das nicht so schlimm. Er kann zwar nicht glauben, dass ich bald 27 werde, aber er versichert mir, dass er damit überhaupt kein Problem hat. Er mag „ältere Frauen“ und überhaupt schau ich ja aus wie 16. Nunja.

Das zweite Problem an Tim ist sein Beruf. Landwirt. Das passt so gar nicht in meinem Lebensplanung bzw in meinen Lebensrhytmus. Fragt man ihn nach seinen Hobbys, dann ist das eig sein Beruf. Und das ist nicht schlecht! Es ist wunderbar! Es ist nur…gar nicht das was ich suche, denke ich. Es ist…nunja.

Wie sage ich das jetzt ohne dass ich nach Ober-Bitch klinge?! Ich formuliers mal einfach so:

Tim ist einfach. Einfach lieb und einfach schön und einfach herzlich. Aber er ist auch tatsächlich einfach. Keine komplizierten Gedanken, keine großen Ambitionen- Tim ist sehr glücklich und zufrieden mit allem und verspürt nicht mal den Drang 1x im Jahr nach Italien an den Strand zu fahren. Das hört und fühlt sich für mich ganz falsch an. Ich bin 10000% anders.

Es ist ein bisschen so wie bei diesen Rosamunde Pilcher Filmen: ambitionierte Karriere-Frau trifft alleinstehenden, gutaussehenden Mann vom Land mit Holzfäller-Charme und den dazu passenden Armen. Im Film ist das schon absurd. Im echten Leben?! Hard pass.

Aber so einfach ist es nicht. Was sich gut anfühlt ist seine Hand über meiner und meine Hand in seiner. Es ist das zweite Date, aber ich mag ihn schon und lache überdurchschnittlich viel. Das fällt mir auf. Und er ist offen und direkt und im Wesentlichen unverblümt. Auch das mag ich. Das ist die gute Seite der „einfachen Art“.

Trotzdem bin ich dann am Heimweg heute nicht so geflashed von ihm wie am gestrigen Heimweg. Irgendwie sind da jetzt schon zu viele schwerwiegende Differenzen. Und ich möchte, auch wenn das versnobbed klingt, mich doch mit jemandem treffen der gerne denkt. Der weiß wer Martin Luther war, der sich zumindest ein bisschen für Politik interessiert und in seiner Freizeit nicht nur gerne schläft. Jemand der zwar direkt ist, aber nicht weil er nicht anders kann. Und jemand der nicht damit prahlt einen Alkoholiker irgendwann mal mit Freunden unter den Tisch getrunken zu haben, oder schon auch zum Frühstück ab und zu das erste Bier trinkt.

Als ich Zuhause ankomme schreibt er mir und wünscht mir eine gute Nacht. Ich wünsche sie ihm auch, weiß aber schon, dass ich heute Nacht wieder viel mehr grübeln als träumen werde.

Es ist nicht einfach.

Beitragsbild: https://instagram.com/marius_visualarts?igshid=mvvuipgd9s64

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. RiesenGremlin sagt:

    Daten tut man mit dem Herzen, nicht mit dem Kopf! Also hör auf, dir Gründe auszudenken warum irgendwas nicht geht/nicht passt… Geniesse doch einfach den Moment, hier und jetzt… 😉

    P.S.: Hast du schon mal was von „Mindfulness“-Meditation gehört? Das könnte was für dich sein…

    Gefällt 1 Person

    1. Meinen Kopf bei sowas ausschalten möchte ich eigentlich nicht. Ich glaub schon, dass es wichtig ist auch an die äußeren Umstände zu denken. Klar, wenns der Traummann is für den man dann gern sein Leben „aufgibt“, dann ist das sicherlich was Andres. Aber im Moment ist noch gar kein Herz dabei, ich lerne diesen Tim ja gerade erst kennen.
      Dennoch: ich werd mir deine Worte „zu Herzen“ nehmen, und ein bisserl drüber nachdenken.
      Danke für den Tipp!

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      1. RiesenGremlin sagt:

        Das war auch gar nicht als Anstiftung zur Fahrlässigkeit gemeint. Gerade in so einer frühen Kennenlern-Phase fällt es dem Kopf aber immer unheimlich schwer, wirklich zwischen „unerwünscht“ und „unerwartet“ zu unterscheiden!
        Ich drücke dir die Daumen, dass bald etwas „passt“ 😉

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