vom versagen und weitersagen

„Was mach ich bloß??? Was mach ich bloß??“, schluchzte ich in den Schoß meiner Mutter, wie ich zuletzt als 4-Jährige bei ihr geweint habe. Aber ich weine nicht nur. Ich suche Trost bei ihr, Schutz, Zuspruch, Verständnis. Nähe. Nicht unbedingt naheliegend für mich und meine Mutter. Aber so ist es nun mal. Vielleicht ein Zeichen dafür wie schlecht es mir wirklich geht. Wie verzweifelt ich bin. So verzeifelt, dass ich bei meiner kalten Mutter nach Wärme suche.

Und sie dort finde.

Schon 25 Minuten lang hält sie meine kauernde und vor Trauer bebende Gestalt sanft in ihren immer streichelnden Armen, wie da so meine Welt über mir zusammenbricht. Gebebt hat sie schon länger. Die Welt. „Ich weiß.“, flüstert meine Mutter. „Ich weiß.“

Trotzdem frage ich klagend weiter was ich bloß mache. Mit mir. Meinem Leben. Wo soll ich bloß hin? Wie kam ich hierher? Warum fühlt sich alles so nach scheitern an? Ich bin so unzufrieden. So unglücklich. Alles läuft aus dem Ruder und dabei den Bach hinunter und ich habe sowohl Ruder als auch Boot schon lange verloren und schwimme ziellos umher. Treibe mehr. Antriebslos. Ich will nicht mehr. Ertrinken klingt nach Erlösung.

„Ich bin so alleine, Mama.“, zittert meine erstickte Stimme. „So alleine.“ Und es kostet mich viel das zu sagen. Ich die ja so selbstständig und selbstbewusst ist und gerne alleine ist. Die in die Welt geht und sie erobert und keine Angst kennt die sie nicht kennenlernen will. Was auch stimmt. Und dennoch sitze ich jetzt plötzlich hier, zurück an einem Ort und einem Punkt der nach Versagen schreit und mich es schreien lässt. Ich bin alleine. In so vielem. Auch in dem hier, wie ich scheiternd durchs Leben treibe und mich nach einem Wasserfall sehne. Allein.

Nach dieser ungeplanten und relativ uncharakteristischen Szene am Wohnzimmerboden werden einige Wochen ins Land ziehen und ich werde auch durch sie mehr treiben als schwimmen. Mein Leben wird sich weiter drehen, Wellen werden mich einmal nach vor und zurück werfen, nach links und rechts und es wird sich unnormal und surreal anfühlen und mich immer mehr abstumpfen lassen.

„I have made a failure of my life.“

„Things didn’t turn out how you hoped, but you reached for what you wanted. I am proud of you for that. Now it’s time to reach for something new.“

Ich werde diese Sätze in einem Buch lesen, das ich zur Rezension für Goodreads erhalten habe, und es wird das Erste sein das mich aus meiner Mutlosigkeit ein bisschen herausreißen wird. Das erste Mal, dass ich wieder die Kraft habe den Kopf aus dem Wasser zu haben und mich daran zu erinnern, dass ich noch nicht ertrunken bin und mir nochmal Gedanken darüber machen sollte ob ich das auch tatsächlich will.

Nach den Sternen zu greifen hat sich für mich immer natürlich angefühlt. Höhenflüge kannten keinen Fall. Meine Willenskraft war so stark wie mein Fokus und ich schmiss mich mit Leidenschaft gegen jeden Strom und alle Wellen- das war keine Frage. Aber auch keine Antwort.

Der Stern nach dem ich griff, irgendwie ist er weg und ich weiß nicht ob das an mir liegt, dass ich ihn aus den Augen gelassen habe…ganz weg ist er nicht. Aber zu weit? Eigentlich auch das nicht. Ich bewege mich nur nicht mehr auf ihn zu und…My life is a failure. So fühlt es sich plötzlich an.

Aber das Buch hat recht. Wenn es der eine Stern nicht ist, was ist mit den anderen? Ist der Himmel nicht voller Sterne? Ich habs versucht. Vielleicht nicht 1000%, aber bis zu einem unsichtbaren Punkt der mir selbst nicht bewusst war und jetzt…? Jetzt ist es vielleicht an der Zeit sich nach Neuem zu strecken. Weiter zu schwimmen. Einen anderen Stern anzusteuern. Und ich sage mir leise: You reached for what you wanted. And I am proud of you for that.

Das kann man ruhig mal weitersagen. Egal wer es hören muss.

Now it’s time to reach for something new.

8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Kim sagt:

    Alleine dass du das hier schreibst, dass du schreibst wie du schreibst, macht das Leben weniger failure. Ich liebe diesen Text.

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  2. Annas Welt sagt:

    Dein Text spricht mir aus der Seele dieses Gefühl des Versagens ist mir nur all zu bekannt aber dein Text macht mir Mut 💜

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    1. Das hebt mein Herz ein bisschen ❤

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  3. Kann mich nur anschließen, liebe den Text❤❤❤ eigentlich ist das Leben nur ein ständiges Wellenreiten, man plumpst mal kurz rein, und dann steigt man wieder aufs Surfbrett 🙂

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    1. Und manchmal wird man mal ne Zeit unter einen Felsbrocken gespült 😅🙈

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  4. elfeholly sagt:

    Danke. Einfach nur toll der Text.

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