Berliner Luft im wiener Prater

Vorhin hat es gerade gewittert und geregnet als gäbe es kein morgen. Wir stehen im Prater zwischen Bäumen und knutschenden und kiffenden Pärchen. Jemand hat ein Frisbee in die Fresse bekommen. Einer hat sein Mischpult mitgebracht und spielt mir zu viele orientalische Melodien um in Stimmung zu kommen. Das Bier ist aus Tschechien, die Menschen von quasi überall her. Ich habe absolut keine Prüfungen mehr und weiß nicht wo hin mit mir und was tun mit all der ungewohnten Freiheit.

„Was ist das eig mit dir und ihm?“, fragt eine Kollegin die im Laufe des Jahres zur Freundin wurde. „Was ist was mit wem?“, frage ich unschuldig und versuche so lässig zu schunkeln wie sie, auch wenn ich nur am Gras stehe und es nicht geraucht habe. „Na da ist doch ein Vibe!“, sagt sie und ich sage nicht wirklich was, weil…ja da ist schon ein Vibe. Natürlich. Aber wir waren da sehr vorsichtig nicht irgendwelche Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen. Weil ja auch noch nicht wirklich klar ist ob es da sowas wie „uns“ gibt.

„Bist du noch nüchtern?!“, fragt die Freundin mich jetzt unglaublich und kommandiert dann: „Hohl dir ein Shot-Glas!“ Sie schenkt mir drei Stamperl Berliner Luft ein, dass ich die Prater Luft rund im mich herum gar nicht mehr schmecken kann. Bei so viel Mentos-Geschmack im Mund könnte ich jetzt glatt jemanden küssen. Die vielsagende Augenbraue meiner Freundin kommuniziert mit mir. Fuck ja da sind Vibes.

Er steht mit einer Gruppe nicht unweit von mir. Als würde er meine Blicke spüren trifft mich sein Blick. Seine Augenbrauen kommunizieren nicht mit mir. Ich sehe sie im Dunklen und seinem Dunkel nicht. Was er wohl davon halten würde nicht nur meine Blicke, sondern noch viel mehr von mir zu spüren?

Die mit Berliner Luft abgefüllte Basic-Bitch in mir leidet an Sauerstoffmangel und Herzrasen und will über den Rasen sprinten und in seine Arme springen, meine Beine über seine Hüften falten, seine Hände an meinem Arsch spüren und ihn schmecken lassen wie grauslich Alkohol ist der original nach Zahnpasta schmeckt ist. Dieses Wollen werde ich auch ziemlich lange nicht abschütteln können und keine frische Prater Luft der Welt kann mir da helfen.

Ob ichs gemacht habe? Nein. Nicht weil ich nicht bold as fuck sein kann, sondern weil er keine bsoffene Gschicht ist und er Küsse vor unseren Kommilitonen verdient die nicht vorab ein Mut-antrinken erfordert haben. Ich finds gut wie sehr er mich respektiert. Wie er mich Spielerin und nicht Zuschauerin sein lässt auf dem Schachbrett unserer Beziehung.

Ich habe ihn nicht geküsst. Er hat mich nicht geküsst. Aber ich wollte. Auch als es schon gar keinen Berliner Luft Effekt mehr gab. Und das war die eigentliche Antwort auf eine Frage die mir zu viele Menschen stellen.

„Was willst du?“

„Ihn. Küssen. Und vlt auch ein bisschen mehr.“

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Helen sagt:

    Ich mag deine Art zu erzählen so gerne. Schön, dass du vorerst eine Antwort für dich gefunden hast und alles Weitere wird sich schon irgendwie ergeben 🙂
    Ich habe deinen Blog hier https://helenschreibt.wordpress.com/2020/07/03/mystery-blogger-award-2/ für den Mystery Blogger Award nominiert, falls du teilnehmen möchtest. 🙂
    Liebe Grüße, Helen

    Gefällt 2 Personen

    1. Oh danke liebe Helen! Für die lieben Worte und die Nomination ❤ Das lässt mich gleich wieder viel enthusiastischer in die Tasten hauen 🙂

      Gefällt 1 Person

      1. Helen sagt:

        Das freut mich! 🙂

        Gefällt mir

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