Das Ende meiner Lyrik

Heute. Heute, an diesem Tag im Juli 2019, habe ich den letzten Punkt meiner Bucket-List abgehakt. Nicht irgendeine Millenial-Travel-Liste, à la: Halo. I bims 1 travelerin. Nein. Das hier war die Bucket-List zu dir.

Aus San Francisco bekam ich die vorletzte Ansichtskarte von dir. Natürlich mit der Brücke. Jahrelang hing sie mit hundert anderen Urlaubskarten an meiner Zimmertüre. Bevor du gingst. Herausgerissen wurdest. Aber auch danach.

Heute war ich also dort. In SF. Bin auf und unter der Brücke gefahren und habe deine Karte mit mir herumgetragen. Einfach damit du nochmal mehr mit mir hier bist. Das war zumindest der Gedanke. Immerhin bin ich in den letzten Jahren all jene Orte abgefahren zu denen wir gemeinsam reisen wollten, die wir besucht haben, oder die dir viel bedeutet haben. SF war der für dich schönste Urlaub damals, nach dem Abitur.

Eigentlich hätte ich sie nicht gebraucht. Die Ansichtskarte von dir. Ich hätte sie auch zuhause in meiner Erinnerungsbox an dich liegen lassen können. Weil du heute da warst. Du warst DA. Hier habe ich deine Präsenz und damit gleichzeitig den Verlust so intensiv gespürt wie seit dem Tag deines Begräbnises nicht mehr.

Du fehlst so unbeschreiblich.

Am Schiff kamen die ersten Tränen. Ich tat als wäre es der Fahrtwind. Beim Aussichtspunkt vor der Brücke war das schon schwieriger. Aber irgendwann habe ich mich einfach weinen lassen. Und es war wieder so wie es im Sommer vor vier Jahren war.

Ich weiß nicht wie ich das mit der Trauer sonst mache. Aber heute hat sie mich in Wellen überrollt. Die Pelikane flogen wie unsere gemeinsame Zeit an mir vorbei und ich fühlte mich so von dir begleitet wie nie zuvor, seitdem du weg bist.

Ganz oft habe ich das Gefühl, wenn ich an dich denke, dass ich nicht zu sentimental sein darf. Dass ich mich zusammenreißen muss, weil das immer dein Mantra war. Aber heute war anders. Heute hatte ich das Gefühl du weinst mit mir, so wie damals im Kinderzimmer. Nimmst mich in den Arm. Schaust mich mitleidig an und bist so traurig wie ich, dass deine Welt nicht mehr die meine ist.

Diese Gefühle sind verrückt. Alles ist so roh, wie es nur ganz selten echt ist. Eigentlich reichen meine Worte nicht für das was ich heute fühle, weil es sich so schlecht nachvollziehen und erklären lässt. Du warst einfach da heute. Egal wie absurd das auch klingen mag. Heute warst du da und diese unglaubliche Nähe hat mein Herz so sehr gefüllt, dass es sich zu zerreißen droht.

Du fehlst mir so unbeschreiblich.

Selten weinen meine Augen so wie es mein Herz tut. Dich zu verlieren ist nachwievor so absurd brutal, dass kein Herzschmerz der Welt herankommt um…und er lässt sich nicht in Posie von der Seele schreiben, weil er tiefer sitzt. Der Schmerz. Tiefer als ich ihn herauszuschreiben vermag. Meine Lyrik hat ein Ende. Genau da. Da wo es mehr als nur weh tut.

 

 

 

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