Is mir sogar betrunken egal

Fasching is! Im Outback eine große Sache. Deswegen bin ich da auch für dieses Wochenende hingefahren. Und ich bereue es nicht. Zu Besuch ins Outback scheint mir die richtige Strategie und Balance zu sein. Zum Leben..hm..nö. Eine homöopathische Prise heile Ösi Welt von Zeit zu Zeit reicht.

Es wird viel getrunken. Natürlich. Und eine Freundin hat uns in eine Eisstock-Gruppe zum Faschings-Schießen hineingebracht. Turnier beginnt um 12 Uhr mit feierlich feuchter Versammlung vor dem roten Eisbahnverein der mini-Stadt mit Dorfcharakter inmitten der Alpen und ich ziehe mich so an, dass man gleich merkt, dass ich fix nicht hier dazugehöre. I own my difference now. Eine neue Strategie. Wobei sich unsre Gruppe als … verkleidet…ähm…ja, und das so ganz und gar nicht politisch korrekt. Bisschen problematisch. Aber ich hoffe durch die ganze Farbe zumindest getarnt zu sein.

Es wird logeschossen. Auf Asphalt, weil es nicht genug Eisbahnen gibt, und der Frühling früher dran ist. Ich habe noch nie auf Asphalt geschossen und bereite meinen kompetitiven MitspielerInnen Sorgen. Abseits wird mit mir vorab noch geübt. Ich möchte meinen mich gesteigert zu haben. Der Stock rollte zumindest nicht mehr aus der Bahn, sondern schlitterte dahin. Bin jetzt also ganz klar Vollprofi.

Es war lustig. Es ist immer lustig. Die Leute aus den umliegenden Dörfern und Vereinen tun sich wirklich immer viel mit ihren Kostümen an, und es war a richtige Gaudi. Aber nach ein zwei Stunden waren einige schon wirklich sehr betrunken. Nichts Ungewöhnliches bei solchen dörflichen Veranstaltungen, aber manchmal halt ichs besser aus und manchmal eben nicht. Hängt auch vom eigenen Alkoholspiegel ab. Ich war an diesem Tag aber mehr mit schießen und weniger mit trinken beschäftigt. Obwohl man mir sagte es würde vlt durch den Alkohol besser werden. Vom Schwung aus dem Handgelenk her. Oder so.

Einmal schoss ich auf eine falsche Bahn. Ziemlich peinlich. Sogar mir. Ein Typ aus dem Team das sich als Poppeys verkleidet hatte brachte mir meinen Stock zurück. Jedes Team hatte mindestens 10 Stöcke und Teilnehmer. Insgesamt spielten 21 Teams. Es war Rummelstimmung. Aber der Poppey war mir zuvor schon aufgefallen. Irgendwie süß. Er brachte mir also meinen Stock zurück und meinte hilfreich: „Geh a Stickl weida viare, des deafts Weibaleit eh.“ was so viel heißt wie, dass ich mich ruhig einige Schritte weiter nach vorne an der Bahn stellen dürfe, weil Frauen im Regelwerk von weiter vorne schießen dürfen. Ich lehnte ab. Kraft hab ich genug um von hinten zu schießen. Sogar zu viel. Ziel hab ich nur keins. Und generell wenig Ahnung vom Asphaltstockschießen. Poppeys Rat ignorierend verschoss ich den nächsten Stock. Ich machte mir langsam einen Namen.

„Schiaßt lieba mi, host mehra Freit!“, lachte der Poppey, und meinte ich solle mir lieber ihn schießen=aufreißen, weil mir das wohl mehr Freude=Erfolg bringen würde, als mein Versuch die Taube zu treffen. Ich fragte ihn ob er denn einfacher für mich zu treffen wäre. War er. Da musste ich ihm gar nicht erst aus versehen meinen schweren Stock auf den Zehen werfen. Unabsichtlich natürlich.

Der Poppey hieß Flo. Und war gar nicht scheu. Niemand da. Ich liebe das Outback! Es ist so glasklar ob dich einer mag und will, und es gibt keine Kommunikationsprobleme, oder ewig lange Spielchen umeinander. „Du bist a schoafe Kotz“, ist quasi das zweite was dir bei der Vorstellung vom männlichen Gegenüber gesagt wird, wenns passt. Flo und ich schäkerten erfolgreich hin und her. Er war aus meinem Nachbardorf, so wie seine ganz Truppe. Ich hatte keine Ahnung wie viele Menschen es in diesem mini-Nest gab. Ein Tag voller Überraschungen!

Poppey und ich verloren uns dann auf verschiedenen Bahnen, aufgrund unserer sportlichen Verpflichtungen aus den Augen. Ein als Lebkuchen verkleideter Herzbube, auf dessen Kostüm in großen Zuckergussbuchstaben die Worte „I mog mi“ gestickt waren, löste ihn aber ab. „I warat nur amoi umma kema um’zschaun obs bei eink a por fesche Kotzn gabat.“, sagte er zu einem Fußballfeld gegen das wir gerade spielten. „Oba ma siacht jo bei dera gonzn Foab goar nix!“ Da hatte er nicht unrecht. Konnte ich natürlich aber so auch nicht stehen lassen, und so forderte ich ihn auf näher zu treten und mich zu begutachten. Zu dem Zeitpunkt wars schon dunkel und er nahm mich an der Hand und führte mich in ein Scheinwerferlicht. Er befand, dass ich eig eh ganz ansehnlich war. Ich attestierte ihm selbiges. Wir fanden heraus, dass wir über Ecken verwandt sind. Klassisch. Ungenießbarer Lebkuchen also.

Mit Flo allerdings war ich nicht verwandt und eigentlich gefiel mir der schon wirklich gut. Er suchte mich auch wieder auf, und im Saal wo die Siegerehrung abgehalten wurde, schnappte er mich zum Tanz. „Wonn i di jetzt bussl, nocha segns oba olle, mit wem i gschmust hob.“, meinte er im Bezug auf mein beschmiertes Gesicht. „Wer sogt leicht, doss i mi vo dir bussln loss?“, erwiderte ich keck. Und in diesem neckenden Ton ging es dann einen guten Teil der Nacht hin und her. Wobei vollkommen klar war, dass die Farbe scheiß egal war und wir uns umbedingt dringend bussln wollten. Taten wir dann auch und…kann am Spinat liegen…aber er war ein starker Küsser.

Irgendwann, als die Nacht dann schon nicht mehr so viel von Nacht hatte, ging ich mit ihm heim. Weil ich einfach sooooo Lust hatte. Es war allerdings nicht so super easy mit den Utensilien eines Männerhaushalts die Schminke aus dem Gesicht zu bekommen. Die Perücke hatte ich schon Stunden davor absichtlich verloren, weil sie juckte und nach Bier stank. Ich war nicht sonderlich betrunken, aber es war uns beiden ziemlich egal ob seine Bettwäsche eingefärbt werden würde. Nach dem ganzen Vorspiel hatten wirs relativ eilig. Ich zumindest.

Und es hat sich ausgezahlt. Poppey Flo hatte es voll drauf. Und alles war so herrlich unkompliziert, und straight forward. Im Bus auf dem Weg nach Wien, schreibt er mir jetzt gerade. Und ich finde das gut. Das Leben kann ja doch ganz einfach sein. Es braucht einfach die richtigen Leit! Und zumindest die für mich richtigen Männer scheint es doch eher im Outback zu geben.

 

 

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wo ist dieses Outback???? Da will ich hin 😉

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    1. Zwischen den Schluchten, hinter den sieben Bergen

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      1. Grüß mir Schnee(wittchen)

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