Sexlos war gestern

Meine Brust hebt und senkt sich. Seine Brust hebt und senkt sich. Seine Finger ruhen auf meinem Hüftspeck, seine Hand ist zu warm auf meinem Bauch.

Wie er neben mir einfach schlafen kann ist mir ein Rätsel. Aber das ist es meistens. Ich glaube schon lange nicht mehr, dass meine Schlaflosigkeit in einem gemeinsamen Bett an den Männern liegt. Es liegt an mir, und wie wenig ich es gewohnt bin, dass jemand neben mir liegt. Dass das auch einmal anders war ist schon so lange her, dass ich es für eine Episode aus einem anderen Lebensfilm halte.

Ich rieche nach ihm. Nicht so sehr, dass ich mich gerne sofort duschen würde, aber doch sehr markant. Wann habe ich das letzte Mal nach jemand anderem gerochen?

In meinem Kopf ist mir schwindelig. In meinem Herz bin ich balancier-fähig und tanze über dem Abgrund melancholischer Überlegungen, die sich mir von alleine aufdrängen. Mögen sich auch die Männer ändern- mein after-sex-Muster tut es nicht. Hello overthinking me. Dabei denke ich nicht über ihn und mich nach. Nein, diesmal nicht. Diesmal geht es nur um mich. Um mich und was das hier mit mir macht. Zu was es mich macht.

Ziemlich lange habe ich es jetzt nämlich gar nicht gemacht. Kein Sex. Über ein Jahr. Je länger man abstinent ist desto einfacher fällt es einem. Auch das hier ist nicht das Ergebnis ausgehungerter Lenden. Im Gegenteil. Vielmehr war es eine Überwindung es zu tun, und ich glaube es war der Alkohol der meine Überlegungen und Abwägungen schließlich stoppte und mich nicht nur in den Knien weich werden ließ.

Er war vermutlich genauso überrascht wie ich, zu was ich mich habe hinreißen lassen. Und als ich immer wilder und fordernder und selbstsicherer wurde, da lachte er zwischen leidenschaftlichen Küssen und Bissen auf die Unterlippe, erstickt-heißer aus dem Hals, und flüsterte etwas vonwegen: „Stille Wasser sind also doch tief.“

Daran merkt man wie schlecht er mich kennt, und wie falsch seine Einschätzung von mir doch ist. Ja, ich mag viel Tiefgang haben, aber ich bin bestimmt nicht still. Nur vielleicht nicht präpotent. Ich lerne beim Zuhören, durch sortieren, was auch ich sagen will, und rede nicht nur um zu reden, und leere Meinungen zu äußern. Das unterscheidet mich von einigen hier. Auch von ihm.

Es gibt keinen wirklichen Grund warum er nun neben mir liegt. Da war eine Spannung zwischen uns, die sich jetzt in Sperma und Spucke und stöhnen entladen hat- und ob sie damit weg ist weiß ich noch nicht. Es fühlt sich nach nichts an. Und das ist okay. Nichts ist manchmal vollkommen okay.

Seine Faszination mit mir war hauptsächlich die, dass ich ihn zu Beginn nicht besonders mochte. Und ihn das wissen ließ. Aroganter Schnösel. Ob das ein kassischer Fall von ‚was sich liebt das neckt sich‘ ist? Lieben sicher nicht. Verliebt auch nicht. Was nach einander lüstet neckt sich. Vielleicht. Aber es war mehr als das. Ich fand ihn nervig unsympathisch durch seine Besserwisserei. Solche Leute zu bremsen befriedigt mich. Dass auch er sich daran versucht hat mich anderwertig zu befriedigen war nicht zwingend notwendig.

Und jetzt liege ich hier. Überlege mir was das Nichts in mir für eine Bedeutung hat, ob ich jetzt wieder in alte Muster verfalle, und wie unkompliziert das Leben gestern noch war. Gestern, als ich sexlos glücklich war und eindeutig besser schlafen konnte.

Die Sonne geht auf. Das Zimmer wird hell. Meine Erleuchtung fehlt noch.

 

 

 

13 Kommentare Gib deinen ab

  1. Der Text hätte, leicht abgewandelt, von mir sein können. Aber sorry, der Spruch „Stille Wasser sind tief“ ist doch nicht sein verdammter Ernst ey 🤦‍♀️🤦‍♀️ ich höre den ungefähr mein halbes Leben und ich hasse hasse hasse ihn!
    Ich kann auch nicht mehr nach dem Sex entspannt neben einem Mann einschlafen, bei mir greift da sofort der Fluchtreflex, weil mir das zu viel Nähe ist..

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    1. Ja er ist ein zmler Trottel 😉

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  2. Aus eigener Erfahrung: Ich hab schon Anpfiffe kassiert, weil ich ganze Nächte keine Ruhe gegeben habe. Nicht in der Form von „Aufsatteln, Cowgirl, nächster Ritt steht an!“ Sondern eher, dass ich mir bewusst war, dass es wahrscheinlich bei einer Nacht bleiben würde und mich in jeder Sekunde vergewissern wollte, dass „sie“ noch da ist. Jede Sekunde intensiv mit allen Sinnen erleben. Da kann ich nicht schlafen…

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    1. Ich glaube ich ziehe eine ruhige Nacht dann doch vor

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      1. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir uns je begegnen werden. Von daher: Sleep well and have no fear! 😅

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  3. Mega schön geschrieben 🙂 Wieso „Er“ immer einfach schlafen kann, habe ich mich auch schon ab und an gefragt….

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    1. Die Welt ist voller Rätsel 😂😉

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      1. L sagt:

        Das ist sie! hahaha!

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  4. m1ndfuckblog sagt:

    Wunderbar geschrieben, Chapeau

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  5. Also doch nicht so richtig Harmonisch. Erstick ihn mit deinen Brüsten! Los! 🙂

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