Ein Abschluss

Ja, das Jahr bin ich auch im Begriff abzuschließen. Trotzdem werden diese Zeilen jetzt von etwas ganz anderem handeln.

Ich bin gerade wieder im Outback. Das ganz, ganz versteckte Ende der Welt, an dem ich letztes Jahr gelebt habe. Ich habe Freunde besucht, den Schnee und die Ruhe genossen, mir die Bauprojekte von Freundinnen mit ihrem jeweiligen Partner angeschaut und bestaunt, zu viel gegessen und defintiv zu viel getrunken. All das tat ich, weil ich weiß, dass man es eben so macht. Und weil es mir ein Bedürfnis war. Womit ich nicht gerechnet habe ist das, was es in mir ausgelöst hat.

Ich bin erst seit ein paar Monaten weg und der Gedanke an das Outback hat sich schon immer wieder, mitten in Wien, in meinem Steirerherz, breit gemacht. Es war aber nie ein krüppelndes Heimweh, oder eine unstillbare Sehnsucht die mich plagte. Es war etwas Anderes. Was genau vermochte ich aber nicht zu deuten. Es zog mich aber ganz deutlich wieder dorthin- zu den Menschen und Orten, zu einer Version meines Lebens und Daseins, die ich zurückgelassen habe.

Und jetzt bin ich hier. Sitze in mitten von Bier, selbstgemachten Weihnachtskeksen und Dialekfetzen, die dem Schriftdeutschen genauso fremd sind wie den Bewohnern hier die „Deitsch“, und weiß, dass ich etwas weiß. Nämlich: dass ich hier nicht hin gehöre. Auf Besuch ja vlt. Aber nicht mehr. Nicht für dauerhaft, für sesshaft, oder für immer. Das hier ist das Outback, und ich konzentriere mich nur auf den ersten Teil des Wortes.

Ich habe kein Gefühl von Heimeligkeit und Vertrautheit gesucht, denke ich. Bekommen aber habe ich Bestätigung. Bestätigung, dass es richtig war zu gehen. Richtig war das Weite zu suchen, dass es nur jenseits der Berge und des Outbacks gibt. Ich kann abschließen. Ohne schwerem Herzen oder Gedanken. Die Zeit hier ist einfach wirklich vorbei für mich. Das wars. Ein Abschluss.

Mit einer ehemaligen Kollegin jage ich mit den Pferden durch die verschneite Winterlandschaft und mein Herz steht weit offen, weil es leer ist. Auf eine ganz und gar gute Art und Weise. Das hier fühlt sich schön an, aber nicht vertraut. Nur nach etwas das ich kenne, und mag. Nichts aber das ich zum Atmen brauche. Es ist befreiend, diese Freiheit nach dem Loslassen, von dem ich gar nicht bemerkt habe, dass es abgeschlossen ist.

Ich werde wieder kommen. Immer wieder. Werde mit den Pferden durch die eine, und mit den Skiiern durch die andere Pampa stapfen, und die Szenerie und das Leben genießen. Und dann werde ich wieder in ein Auto oder einen Flieger einsteigen und wegfahren. Ohne schwerem Herzen. Ohne schwerem Abschiedsschmerz. Ohne Reue.

Das hier ist die schönste Erkenntnis, der schönste Abschluss für dieses Jahr 2019. Es war richtig mutig zu sein und zu gehen. Auch wenn ich noch nicht weiß wo genau mein Platz sein wird, ich weiß einen Ort mehr wo er (zumindest jetzt) nicht ist.

 

Guten Rutsch, liebe Leserschaft! Wir lesen uns 2020 🎉🎆🧨

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Annas Welt sagt:

    Das ist schön zu lesen ich wünschte ich hätte dieses Jahr auch so einen Ort gefunden aber was nicht ist kann ja noch werden

    Gefällt 1 Person

    1. Genau! Optimistisch bleiben!

      Gefällt mir

  2. Melancholisch und optimistisch zugleich…alles Gute für 2020!

    Gefällt 1 Person

  3. Auch wenn es kein Ort für die Dauer ist, ist es dich schön, einen solchen Platz gefunden zu haben.

    Ich wünsche dir ein tolles neues Jahr

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s