In den Geburtstag schweigen

Letztes Jahr um ganz genau diese Zeit lag ich in einem anderen Bundesland, in einem ganz anderen Ort und Fleck meines Österreichs, unter viele Decken eingemauert, unter meinen von Schnee verdeckten Dachfenstern und weinte. Ich weinte mich in meinen 25. Geburtstag hinein. So richtig. So ganz furchtbar roh und tief schluchzend. Es fühlt sich damals nicht nach Weltuntergang an, am Ende der Welt. Aber auch das war falsch.

Heute, ein ganzes Jahr später, liege ich auch in einem Bett. In einem anderen Bundesland. An einem ganz anderen Ort, der sich nicht mehr nach Fleck anfühlt und…ich schweige. Schweige, weil ich wohl irgendwie mit staunen beschäftigt bin. Staunen darüber wie sehr sich in diesem einen Jahr alles verändert hat. Ein anderes Leben. Oder doch nur eine Parallelwelt?

Dort wo ich jetzt nicht mehr bin, am Ende der Welt, das für mich doch mehr ein Tor war, geht gerade wieder die Welt unter. Schneemassen. Eingeschneite Dörfer und umgestürzte Bäume. Ich sehe die Bilder. Schaue die Nachrichten. Aber ich bin nicht nur mehr nicht mittendrin, sondern auch einfach nicht mehr dort. Es fühlt sich nach einem anderen Leben an, weil ich es nicht mehr fühlen kann.

Vielleicht ergibt das ja für einige von euch relativ wenig Sinn was ich hier so in meinem Schweigen für mich vor mich hinschreibe. Aber das ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal. Ich habe schon zu lange nur mehr für andere und nicht mehr nur für mich geschrieben. Vielleicht hat mich auch das verstummen lassen.

In ein paar Stunden bin ich 26 Jahre. 26. Diese Zahl war für mich als Kind schon ganz magisch. Mit 26, war ich immer überzeugt, muss ich dann mein Leben im Griff haben. Das hieß damals schon so viel wie einen Job in der Tasche, einen Verlobungsring am Finger und das Eigenheim in Planung haben. Wäre ich heute noch dort wo ich vor einem Jahr war…dann wäre das vermutlich auch gar nicht so abwegig.

Bin ich aber nicht.

Vor den Sommerferien fragte mich eine Schülerin ob man denn wenigstens nach dem Studium wisse was man vom Leben will. Ich musste darüber ziemlich lachen. Letztlich aber war es eine ernst gemeinte existenzialistische Frage, die sie da an mich richtete. Eine Frage die ich seit einem Jahr auf den Kopf gestellt habe und mein Leben ihm gefolgt ist. Es dreht sich jetzt nämlich nicht mehr alles darum was ich vom Leben will, sondern was das Leben von mir will! Und seitdem ich dieser Frage nachgehe…sieht die Welt plötzlich ganz anders aus. Mehr nach Abenteuer und Möglichkeiten als je zuvor.

Nicht alles in meinem Leben ist gut. Gerade vermisse ich auch die Schneemassen über meinem Kopf und das ruhige Schnaufen des Hundes neben mir, das vor einem Jahr noch die Szenerie und den Soundtrack meines Lebens ausmachte. Genauso wie die Gesichter meiner SchülerInnen und die Weite vor meiner Haustüre. Aber nichts von dem was war lässt sich mit dem was gerade ist vergleichen. Und irgendwie beruhigt mich das.

Die Welt dreht sich weiter. Und ich mich mit dazu. Ich kenne keinen Stillstand und lass es einfach zu, mich aber doch nicht hetzen. Morgen bin ich 26 Jahre alt und ich habe weniger an der Liste meines Kindheits-Ichs gerade erfüllt als das noch letztes Jahr der Fall war. Aber es kümmert mich kaum. Weil ich sehn kann, dass ich neue Wege gehn kann und mich ein Zurück nicht am Nachvorn hindern kann.

Ich will mehr. Mehr hiervon. Vom Leben. Von  dem was war und dem was kommt. Das hier ist kein (Neu)Anfang, sondern nur die Fortsetzung. Von mir. Von allem was ich war und bin, was aus mir geworden ist und werden wird. Ich bin 26 und ich  hab vielleicht kein Haus, kein Äffchen und kein Pferd. Aber ich habe mich. Und irgendwie ist das schon verdammt viel.

 

 

Morgen feiere ich mit Menschen aus 16 verschiedenen Nationen in meinem Geburtstag, von deren Existenz ich vor einem Jahr, verheult in meinem zu großen Bett, noch überhaupt nichts geahnt habe. So wie nichts von dem hier planbar war, aber halt einfach machbar ist. Die Schatten auf meinem Leben sind nur von den Flammen der Geburtstagskerzen.

Rock on, bitch. Das Leben kann dir gar nichts!

 

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Alex sagt:

    Happy Birthday Kleines 🍀 das machst du alles genau richtig ( das darf ich sagen, bin nämlich doppelt so alt wie du 😃)

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    1. Haha^^ Danke, weiser alter Mann 😉

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      1. Alex sagt:

        nenene, weise Frau 🙂

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  2. Also Geburtstag – alles Gute. Du machst das schon.

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  3. Wolfgang R sagt:

    Alles Liebe und Gute zu Deinem ganz besonderen Tag! Let’s fetz!

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