Sucht denn eigentlich keiner nach mir?

Machmal…aber auch nur ganz manchmal…da schaue ich Pärchen beim Pärchen sein zu. Gerade jetzt im Sommer kann man auch gefühlt nirgendwo in der Öffentlichkeit gehen und stehen und atmen ohne das nicht zu tun. Sie sind ja überall. Und das ist auch gut so.

Neulich erst saß ich mit Freunden in einem Biergarten und hatte einen wirklich netten Abend mit Blick über den lauschigen Gastgarten. Da kam eine junge Frau herein, blieb im Eingangsbereich stehen und…schaute. Hielt Ausschau. Nach jemandem bestimmten. Und der junge Mann, den sie suchte, bemerkte sie, weil er auch nach ihr Ausschau gehalten hatte, sprang auf und was ich auf ihrer beider Gesichter sich entfalten sehen konnte war…Freude. Mehr als das: Glück.

Dieses Szenario wiederholte sich den ganzen Abend über, mit anderen Personen. Alle suchten sie und fanden. Schön war das. Wirklich schön. Und irgendwann fand ich mich in einem Gastgarten wieder, der mehr einer Kuschelzone für Gefundene glich. Auch an meinem Tisch hielten sie sich in den Armen, schauten sich tief in die Augen und grinsten sich vielsagend über ihre Bierkrüge und Weisweingläser hinweg an. Wenn sich jemand zu lange küsste, dann machte ich Kotz-Geräusche. Wie eine 14 Jährige. Und schämte mich kein bisschen.

Aber auch wenn mir allgemein wohlig warm ums Herz war, so stellte ich am Ende des Abends, in meinem Bett daheim, schon fest, dass ich auch gerne so gesucht werden würde. Zumindest ab und zu. Und dass auch ich jemanden so suchen und glücklich darüber sein will, wenn ich ihn dann finde.

Natürlich erinnere ich mich dann aber wieder warum die Dinge so sind wie sie sind und ich gerade nicht finde, oder gefunden werde. Weil ich nicht suche. Nicht aktiv. Nicht im Gastgarten, aber auch abseits des selbigen nicht. Und ich lasse mich auch nicht suchen. Zumindest nicht so, dass mich dabei auch irgendjemand tatsächlich finden würde. Finden und suchen sind nämlich auch nochmal ganz unterschiedliche Stadien. Oder etwa nicht?

Gerade scheint irgendwie die Zeit in meinem Leben zu sein in der ich im Biergarten sitze und Leute beobachte und Augen für alle, anstatt nur für eine Person zu haben scheine. Und das finde ich letztendlich doch ganz gut. Warum? Weil ich gerne noch möglichst viel von der Welt und aller Menschen auf ihr und in ihr sehen und erleben will. Nicht, dass eine Beziehung jetzt bedeutet, dass man das alles nicht mehr tun kann. Aber eben anders. Zu zweit. Und vermutlich auch begrenzter. Würde ich mal meinen.

Niemand in meinem Leben fordert meine Aufmerksamkeit exklusiv und hätte eine Anrecht darauf. Oder ich eine Verpflichtung dem nachzukommen. Ich kann in Biergärten Bier trinken und Menschen beobachten wie eine alte Oma und Kotz-Geräusche machen, wenn zu Verliebte sich in meiner Nähe zu verliebt besabbern. Eigentlich ein ganz fabelhaftes Leben!

Wäre da nicht immer der kleine Restzweifel, ob es denn langsam nicht bedenklich ist, dass ich „immer noch nicht wieder“ in einer Beziehung bin. Dass mein Herz und mein Hintern auch keinerlei Anstalten machen diesbezüglich in die Gänge zu kommen. Dass meine beruflichen Entscheidungen auch meine privaten nun ziemlich beeinflussen und es für mich immer schwieriger, bis vlt sogar ungmöglich, wird…einen geeigneten Partner zu finden. Der nicht nur mich mitmacht, in all meinen Höhen und Tiefen, sondern auch die Herausforderungen meiner Logistik annimmt.

Die Frage bleibt also ein bisschen in der Sommer-schweren Luft zwischen den Gelsen und Teelichtern hängen: Sucht denn eigentlich keiner nach mir? Mache ich es den Suchenden zu schwer?

Die Antwort auf die Frage ob ich denn für den Rest meines Lebens damit okay wäre alleine im Biergarten Leuten beim sich finden zuzuschauen lautet nämlich ganz eindeutig NEIN! Nein, verdammt, das will ich ganz sicher nicht. Aber ich will halt auch nicht vorab schon Kompromisse eingehen und meine Träume klein träumen und den Möglichkeiten des Lebens einen Korb geben…nur weil damit evtl sehr wahrschenlich die Wahrscheinlichkeit wächst, dass der Biergarten eher vorher zusperrt, bevor ich dort auf jemanden warte.

 

So long, my friends!

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. ballblog sagt:

    Suchen? Finden? Oder Finden-lassen-wollen?
    Das mit den Kotzgeräuschen finde ich so….. individuell…. Da würde ich Dir sofort ’ne Tüte anbieten 🙂

    Gefällt mir

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