Ich bin anders

Es ist einer dieser Abende. Ich bin in meiner alten Uni-Stadt und versuche so viel von ihr und meinen Leuten dort aufzunehmen und aufzusaugen wie nur geht. Ich trinke und esse und lache und tu all die Dinge die ich im Outback nicht so machen kann. Zumindest nicht so. Ich trage zum Beispiel auch nur eine Jeans-Jacke über dem olive-farbenen Kleid und einfache schwarze Sneaker, die zu meinem Rucksack passen. Alles sehr 2010. Alles fürs Outback zu kalt. Aber wen kümmert das schon? Mich nicht so unbedingt.

Der Typ der mich schon die ganze Zeit über die Terrasse hinweg anschaut scheint damit auch kein Problem zu haben. Ich lächle ihn an. Halte kurz Augenkontakt. Ich kann das jetzt, das Flirten in der Öffentlichkeit. Mein innerer Flirt-Muffel will es darauf anlegen. Heute, unter dem Sternenhimmel dieser Studentenhochburg, bei zucker-süßen Cocktails von denen ich schon zu viele und doch immer noch zu wenig hatte, will ich es wissen. Auch wenn ich nicht ganz genau weiß wie weit ich was genau wissen will. Aber ich bin bereit dem auf den Grund zu gehen und siehe da, ich habe Glück. Irgendwann kennt irgendjemand von meinem Tisch einen von seinem Tisch und wir kommen uns näher. Nah näher. Er riecht gut. Ich mag wie er riecht.

Wir unterhalten uns. Fast ist es ein bisschen so als würden uns die Anderen beim Unterhalten zuschauen. Aber auch das kümmert mich wenig. Er kümmert sich um meinen nächsten Drink und ich wippe auf dem viel zu hohen Barhocker der mir als Sessel dient zufrieden mit meinen kurzen Beinchen hin und her. Er lächelt mich an und sagt irgendwann: „Du bist anders, oder?“ So wie er das sagt, klingt das nicht schlecht. Nicht irgendwie seltsam. Nicht anstrengend. Nicht so als wäre ich in meinem Anders-sein zu viel für ihn und diese Welt. Komisch anders, weil ich an einem Gott glaube und heute Nacht nicht mit ihm im Bett landen werde. Mein anders klingt in seinem Mund nach mehr. Nach Bewunderung. Ich lache ihn also an und nicke. „Ja.“, sage ich. „Ja, ich bin anders.“ Im Grunde sind wir das ja alle. Anders. Das macht es ja interessant. „Anders gut.“, sage ich. „Absolut.“, sagt er.

Ich glaube, das wollte ich wissen.

nye-dribble

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