Dorf-Dating: Der Mann im weißen Lieferwagen

Dorf-Dating- (es lebe die Alliteration!) eine neue Serie auf diesem Blog, die ihn wieder mehr zu seinem Ursprung zurück führen soll. Oder zumindest daran erinnert. Liest und fühlt sich alles schon sehr weit weg an, was sich hier vor zwei Jahren so abgespielt und geschrieben hat. So weit weg, dass es stellenweise fast schon fremd ist. Aber das sind melancholische Gedanken, für einen anderen Tag und einen anderen Beitrag. Oder auch keinen Beitrag. Eigentlich bin ich gerade dabei der Melancholie in meinem Kopf Einhalt zu gebieten, bevor sie Einzug in mein Leben erhält. Also: Dorf-Dating! Das gibts nämlich. Echt! Hab ich auch lange nicht so ganz geglaubt.

Heute: Der Mann im weißen Lieferwagen

 

Es ist Dienstag oder Mittwoch. Nachmittag. Ich komme gerade aus der Schule und will weiter zum Reiten. Bin also dementsprechend gekleidet als ich auf dem Supermarktparkplatz aus meinem Auto springe um noch schnell ein paar überlebenswichtige Kleinigkeiten zu kaufen, bevor es zum Ausreiten mit den Freundinnen geht.

Ich überquere den ohnehin sehr kleinen Parkplatz und bemerke den weißen Lieferwagen, der an mir vorbeifährt. Darin sitzt ein Mann in ungefähr meinem Alter, er trägt eine Kappe und hat 3-Tagesbart. Erkenne ich alles auf diesen einen Blick, denn unsere Blicke kreuzen sich. Er scheint sich nach mir umzudrehen. Nicht weiter ungewöhnlich. Einfach ein „I see you“-Moment wie er manchmal im Alltag vorkommt und dann auch wieder vom nächsten Moment verdrängt wird. Ich betrete den Supermarkt und denke nur mehr an Brötchen und Almdudler-Saft.

10 Minuten später komme ich aus dem Supermarkt. Mit Brötchen und Almdudler und noch anderem Zeugs das ich nicht unbedingt geplant hatte zu kaufen, aber…naja ich bin ein Opfer meines hungrigen Bauchgefühls. Ich gehe zum Auto und suche auf dem Weg nach meinem Schlüssel und balanciere meine Einkäufe im Arm. Ich muss mich seltsam verrenken um meine Autotüre zu öffnen ohne alles auf den Boden zu schmeißen und bin vollkommen damit beschäftigt wie ein Depp auszusehen als jemand „Griaß di!“ zu mir sagt. Zu diesem Zeitpunkt hängt meine obere Körperhälfte im und mein Hintern aus dem Auto. Ich bin in allen Lebenslagen sehr elegant.

In dem Dorf in dem ich wohne grüßt sich jeder mit „Griaß di!“ Ich wurschtel mich also nicht sofort augenblicklich aus dem Auto um zurückzugrüßen, weil es sehr wahrscheinlich einfach nur ein Grüßen im Vorbeigehen war. Als ich mich aber umdrehe stellt sich herauß, dass das nicht der Fall ist. Einen Parkplatz-Platz weiter lehnt ein junger Mann mit Kappe und 3-Tagesbart an seinem weißen Lieferwagen. „Hey!“. sagt er und auch ich sage „Hey!“ „Hast du ein Handy?“ fragt er. Ich habe ein Handy. Irgendwo in meinem Hinterkopf weiß ich das noch, auch wenn ich gerade nicht mal mehr ganz sicher weiß wie ich heiße. Mich bringt praktisch alles aus dem Gleichgewicht. Nicht nur die Einkäufe.

Er fragt nicht ob ich taub bin als ich ihm nicht antworte und auch sonst keinerlei menschliche Reaktion zu zeigen scheine, als ich ihn einfach nur anstarre, sondern wiederholt einfach seine Frage. Und ja, ich habe ein Handy. Ich hole es auch aus meiner Hosenatsche hervor und halte es ihm hin. „Hast deines vergessen?“, frage ich. „Kannst gerne mit meinem telefonieren.“ Vielleicht hat er sich auch verfahren und kein Navi dabei. Alles mögliche schießt mir durch meinen seltsamen Kopf.

„Nein.“, sagt der Mann und grinst. „Ich würd gerne mit dir telefonieren. Oder schreiben. Aber eigentlich auch gerne telefonieren.“ Es braucht ein bisschen bis das was er da gesagt hat in meinem Kopf angekommen ist und auf dem Weg dorthin meine Wangen rosa-rot färbt. OH MEIN GOTT ICH WERDE GERADE AUF EINEM SUPERMARKT-PARKPLATZ IN DER KOMPLETTEN PAMPA AUFGEGABELT!! Ahahahaha!

Tja und jetzt habe ich die Nummer von dem weißen Lieferwagen-Typ, der tatsächlich extra nochmal zu dem Parkplatz zurückgekommen ist, nur um mich anzusprechen. Mich. Das kleine Locken-Kopf Geschöpf mit der dreckigen Reithose und den vermatschten Stiefeln. Und auch wenn ich immer noch hin und her schwanke ob ich die Aktion jetzt doch eher super creepy oder super süß finde, so kann ich doch mit sicherer Gewissheit sagen, dass der Typ eindeutig eher in Richtung süß ging. Unglaublich, dass er kein Bierbauch tragender Mit-40iger war. Sind normalerweise eher die Männer die mich untertags auf Supermarkparkplätzen anquatschen.

Zeichen und Wunder, Leute! Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Vielleicht will mir das Outback etwas sagen.

 

Titelbildquelle

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. ballblog sagt:

    Ja, so hat Mann (!) das mal gemacht, bevor gewischt und gematcht wurde.
    Du hast ja diesen Kulturschock überstanden, zum Glück. 🙂

    Gefällt 2 Personen

  2. Kim sagt:

    Griaß di. Almdudler is the shit!!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s