Und ich weiß gar nicht mehr wie das ist

Herz-Voyeurismus. Ich glaube das betreibe ich gerade. Von meinem Fenster aus, draußen die verschneite Landschaft beobachtend. Und während draußen alles im Schneechaos versinkt, ertrinkt anderswo die Liebe. Oder auch nicht.

Zwei meiner Freundinnen sind aktuell verliebt. Das heißt eine ganz sicher und ganz unsterblich und auf eine fast schon genauso nervige wie absolut herzige Art und Weise. Und die andere Freundin, die beginnt gerade erst zu daten und scheint sich beim ersten Tinder-Date bereits den ziemlich untinderigsten (Ja, ich kreiere jetzt neue Wörter) Typen geangelt zu haben, den es gibt. Was natürlich nur positiv ist und mit dem sitzt sie dann stundenlang bis in die frühen Morgenstunden in einer Bar und redet über Gott und die Welt und seinen komischen Namen mit ihm, obwohl er am nächsten Tag früh raus muss und denkt nichtmal daran ihn beim dritten Date zu küssen. Aber das scheint ihn nicht zu stören. Im Gegenteil. Ich bin ein Fan von diesem Mann, der so lieb und so unvoreingenommen und so ‚anders‘- positiv anders- scheint. Ich freue mich für sie. Für beide Freundinnen. Wirklich. Ich grinse sogar, wenn ich daran denke.

Während sich also einerseits die Liebe gerade anbahnt, oder sich ihren Weg bereits gebahnt hat, gibt es andererseits aber auch Drama in meinem Freundeskreis. Drama-Drama-Lama. Liebeskummer, Herzschmerz, Verliebtheitssymptomatik mit Knicks bzw. Fehlentwicklung. Auch daran nehme ich Anteil. Höre mir Geschichten an, lasse mich in reine Spekulationen über Gefühlszustände verwickeln, die oft stundenlang andauern und erstelle nebenbei Schularbeiten und Test und Arbeitszettel. Oder sitze eben einfach nur am Fensterbrett und schaue dem Schneetreiben vor meiner Haustür zu.

Bei all dem Drama und bei all der Aufregung die ich da in fremden Leben mitbekomme, verstehe ich plötzlich, dass ich tatsächlich nur Zuschauerin bin und gar nicht mehr so wirklich weiß wie das ist…wie es sich anfühlt…diese blinde Verliebtheit. Dieses Verzehren, oder einfach nur Freuen auf jemanden. Dieses aufgeregt sein, weil man sich bald wiedersehen wird oder er einem schreibt. In meinem Herz ist es still. So still wie draußen. Alles unter einer Schneedecke zum Schlafen gelegt. Ob das schlimm ist? Ich weiß nicht. Vielleicht einfach nur schade. Ich glaube ich würde dann mal wieder gerne meine Beiträge hier mit Herz-Hirn-Häresien füllen können…aber, im Moment kann ich das einfach nicht. Schon länger nicht, wenn wir uns ehrlich sind und auch wenn ich eure Beiträge lese, die sich darum drehen, dann…geht es wir wie mit meinen Freundinnen und Freunden…Ich weiß schon gar nicht mehr wie das ist. Egal wie sehr ich mich bemühe diese Gefühle wieder in mein Leben einzuladen. Aber nicht mal zum Essen kommen sie tatsächlich. Letztens, als der falsche Jesus da war, war meine Nervosität eigentlich nur auf mich und meine Rolle in diesem Dorf zurückzuschließen. Mit ihm hatte das gar nichts zu tun, habe ich nun bemerkt. Leider.

Sogar meine Haare sind jetzt kurz. So Kinn-kurz. Nicht mal das hat mich bewegt. Innerlich. Äußerlich schon, aber es kommt innen nicht an. Dabei waren mir meine Haare früher mal eigene Beiträge wert. Vielleicht befinde ich mich emotional einfach im Winterschlaf. Vielleicht.

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. christophrox sagt:

    Irgendwie ist dein Nicht-Drama auch Drama 😀

    Entweder machst du jetzt die nächsten 1 oder 2 Jahre nichts, lässt dich „überraschen“, guckst dir weiter die Männer im Dorf an oder datest in der (nächst größeren) Stadt.

    Gefällt mir

      1. christophrox sagt:

        Du kannst natürlich auch einfach weiter sehnsuchtsvoll aus dem Fenster starren 😉

        Gefällt mir

  2. ballblog sagt:

    Bei Dir schneit’s? Super! Hätte ich auch gern statt zehn Grad plus und Dauerregen.

    Vorübergehend ist diese Rolle der Beobachterin ja vielleicht gar nicht mal schlecht. Es sollte halt nur nicht dauerhaft so sein. – Und daß Du da Deine Rolle in dem Dorf mitbetrachtest, ist doch nachvollziehbar. Ich empfand das so in meiner kurzen Referendariatszeit ganz ähnlich. War froh, daß mittags die Bahn in die Stadt ging. Erst recht als die Kids anfingen, sich von ihren großen Schwestern abholen zu lassen 🙂

    Gefällt 2 Personen

  3. Kim sagt:

    Sehr schöner Beitrag. Der mich bewegt 🙂

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s