Wuschig sollten nur Katzen sein oder Pussy geht immer

Ich hüpfe aus dem Flieger und es ist warm. Ich bin in Berlin, aber ich bin noch nicht so ganz da. Das liegt nicht daran, dass es hier so warm ist, sondern mehr daran, dass die letzten paar Tage und Stunden so wahnsinnig intensiv waren. Voll waren. Mit Menschen und Gefühlen und Orten und Essen und Erwartungen. Ich komme mir in 3 Tagen um 3 Wochen gealtert vor. Kennt ihr das, wenn man so intensiv lebt, dass man denkt für 3 zu leben? Gerade fühle ich mich so. Und ich merke, dass 1 Mensch nicht dafür gemacht ist für 3 zu Leben. Das geht nicht. Das ist anstrengend. 3 Leben sind 2 zu viel. Für den Menschen. Vielleicht auch für alle. Vermutlich aber nicht für Katzen. Aber ich bin auch kein Katzen-Typ.

„Ich bin kein Katzentyp“, ist einer der ersten Sätze die ich zu Til sage. Til den ich nicht kenne, den aber eine Freundin kennt und die den in Berlin wohnhaften Til beauftragt hat mich an meinem ersten Abend in der großen Stadt nicht alleine zu lassen. Ich bin Til dankbar dafür, dass er da ist und sich gegenüber meiner Freundin verpflichtet (oder verbunden genug) gefühlt hat sich für mich Zeit zu nehmen, aber gerade wäre ich auch gerne alleine. Ich bin müde. Müde für 3.

Aber Til ist nun mal da und auch ich bin da und als der basic-Smalltalk zweier Menschen die sich nicht kennen und vermutlich auch nur für ein paar Stunden kennen werden vorüber ist, geht es in den deep-Smalltalk, wo man eben so essentielle Informationen über einander austauscht wie dass man kein Katzen-Typ ist. So, jetzt weiß Til also über mich Bescheid. Sehr schön.

Til fragt mich ein bisschen über mein Leben aus, aber seines finde ich eigentlich viel spannender. Das gemeinsame Interesse am Theater lässt uns dann auch tatsächlich näher aneinander wachsen und der Schauspielstudent Til führt mich zu den, seiner Meinung nach, unterschätztesten Plätzen Berlins. Er trägt viel schwarz und eine enge Hose und man sieht ihm sofort an, dass er Künstler-Typ ist. Und Katzen-Typ. Wir verstehen uns trotzdem ganz gut.

Er erzählt mir wie gerne er doch eine Katze halten würde, aber dass das in der WG doch ziemlich blöd ist und bei seinem zukünftigen Beruf wohl auch und dass Katzen ja so lange leben, weil sie so viele Leben haben und er nicht weiß ob er das mit der Katze hinbekommen würde. Und außerdem fragt er sich ob er sie dann kastrieren müsste, weil Katzen ja auch so wuschig werden und dann überall ihren erregten und penetranten Duft auf die Möbel und Wände spritzen würden. Zumindest war das bei der Katze einer Freundin so und das war ganz furchtbar. Und dann philosophiert er darüber nach ob der Mensch den Sexualtrieb eines Tieres aber aus Eigennutz heraus stoppen und unterbinden dürfte, nur damit die Möbel in einer Wohnung, in der man die Katze entgegen ihrer Natur einsperrt, nicht mit Katzen-Fotzen-Saft angesprüht werden.

Um ehrlich zu sein höre ich Til nicht sehr aufmerksam zu. Nicht, dass ich das nicht grundsätzlich für keine Überlegung wert halten würde, aber…ich bin gerade selber ziemlich wuschig. Und mit ziemlich wuschig meine ich, dass ich, wenn ich mich zu lange in meinem Kopf und zu bewusst in meinem Körper aufhalte, anfange schwer zu atmen. So Sex-schwer. Und ich die Augen schließen muss und mir auf die Unterlippe beiße. Mein Rücken drückt sich dann ganz von alleine durch und der Kopf wandert in den Nacken. Als Til von der Katze spricht, die ihren Saft verteilt, sympathisiere ich kurzzeitig mit dem armen Tier. Lust zu haben und sie nicht befriedigt zu bekommen ist GRAUSAM.

Es ist kurz still und ich glaube das ist der Moment in dem ich etwas zu Tils Gesagtem sagen sollte. Also sage ich „All power to the pussy!“ und hebe meine Faust in die Höhe. Til lacht und scheint nicht bemerkt zu haben, dass ich gerade kurz vor einem Gedanken-Orgasmus mit einem anderen Mann gestanden habe. Anscheinend ist meine Antwort akzeptabel. Tja, Pussy geht halt immer.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jule sagt:

    Und wann gibt’s Urlaub für 3? 😉

    Gefällt mir

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