Wie schwer es ist keinen Sex zu haben

Eigentlich wollte ich im Titel nur schreiben „Wie es ist keinen Sex zu haben“, aber dann wurde mir bewusst, dass es eigentlich hauptsächlich eines ist: schwer. Es ist schwer keinen Sex zu haben, vor allem wenn man ihn haben könnte. Und haben will. Sooooo unbedingt will, dass sich einem die Zehen kräuseln und man in manchen Momenten die Beine fest übereinander schlagen muss und sich auf die Unterlippe beißt, weil…holy shit ich vermisse Sex!

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Hallo Internet! Mein Name tut hier nichts zu Sache, ich bin 24 Jahre alt, auch bei Tageslicht recht ansehnlich UND ich hatte schon fast ein Jahr lang keinen Sex mehr. Freiwillig. An der Waffel hab ich auch keinen, außer vielleicht dem üblichen Twentysomething-Wahnsinn. Meine Mutter hat mich zwar nie testen lassen, aber man sieht ja was bei Sheldon Cooper dabei raus kommt. Nehmen wir also an ich bin die normale Durchschnittsfrau.

Meine Enthaltsamkeit begann irgendwann und irgendwie und blieb mir vor allem aus einem Grund heraus erhalten: Weil ich mir nicht sicher bin, wie ich das mit der Sexualität tatsächlich leben will. Als ich mit 18 Jahren sexuell aktiv wurde, wurde ich das mit meinem Freund und blieb es auch fünf Jahre lang. Mit ihm. Nach der Trennung wollte ich mich ins single-Getümmel schmeißen und tat das auch recht erfolgreich. Das Gelbe vom Ei war das aber auch nicht. Entweder ich war gar nicht emotional davon berührt und da fühlte sich der Sex falsch an, oder ich war davon berührt oder wurde es über die Zeit und dann stand das dem eigentlich Sex im Weg.

Ich fand über mich heraus, dass ich gerne Sex habe und ein ziemlich körperlicher Typ bin. Ich fand aber auch heraus, dass ich keinen gefühlstoten und nur Lust-besessenen Sex mit Menschen mag, für die ich eigentlich nichts weiter empfinde. Weil ich sie dann nur benutzte und sich das nie gut anfühlt. Schon gar nicht hinterher. Ich will aber auch nicht einfach so mit Menschen schlafen für die ich etwas empfinde, weil es durch die körperliche Intimität für mich dann schnell in richtige Nähe und das Bedürfnis nach Nähe über geht und mir das bis jetzt immer mein Herz gebrochen hat.

Ich habe also, glaube ich, über mich herausgefunden, dass ich Sex nur in Beziehungen haben will. Und das ist doch schon mal eine Erkenntnis mit der man arbeiten könnte, richtig? Dachte ich auch! ABER da macht mir die moderne Twentysomething Dating-Welt einen ziemlichen Strich durch die Rechnung! In dieser ist man nämlich nicht mehr einfach plötzlich „zusammen“, auch wenn man sich mag und da auf jeden Fall mehr da ist als Freundschaft, sondern es können Wochen und Monate und fucking JAHRE des Herumprobierens ins Land ziehen, ohne dass man dem was da zwischen einem ‚heranwächst‘ oder ‚auflodert‘ ein „Label“ aufdrücken will. Denn Labels, liebe Kinder, sind uncool — sagt der Mainstream.

Heute verrate ich euch aber ein Geheimnis: Labels sind nicht uncool! Labels sind sogar notwendig. Das zeigt sich schon bei viel weniger komplexen Gebieten wie Beziehungen. Zum Beispiel bei Tupper-Boxen in der Küche. Da ist auch gut, wenn man ein Label mit einer Aufschrift draufklebt, damit der Mitbewohner weiß, was wo drin ist und was er nicht essen darf und was schon und was davon keine Bolognese-Sauce, sondern Hundefutter ist. Labels sind sinnvoll. Labels sind notwendig. Eigentlich sollte das jedem klar sein.

Um ehrlich zu sein glaube ich auch, dass die meisten unter uns den ‚don’t lable love‘ shit eh nicht glauben. Weil sie ja in ihrem echten Leben merken, dass das mehr Probleme verursacht als löst. Weil so viele genau deswegen unglücklich sind.  Weil es komplizierter ist alle Deckel aufzureißen, zuerst irgendwo hinein zu riechen und es danach schlecht zu verschließen. Am Ende entscheidet man sich dann sowieso für das Essen von Mama oder das das dem am nächsten kommt 😉 Warum also nicht den Apfelstrudel als Apfelstrudel deklarieren und sinnlos hoffen, dass man als Würstchen im Schlafrock durchgeht?

Ich habe keine Antwort auf diese Frage, denn letztlich muss die jeder für sich selbst beantworten. Zurückweisung scheint aber in den meisten Fällen viel mit dem ‚lack of labels‘ Bullshit zu tun zu haben. Zurückweisung ist nie angenehm und indem man sich nicht klar positioniert und immer in der Grauzone herum stolpert, ist man technisch gesehen noch nicht zurückgewiesen und verschmäht worden. Rein praktisch aber befindet man sich im vollkommenen Out, wie ich finde. Und verhungert dort. Oder wird schlecht.

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Damit will ich nicht sagen, dass diese Form des Datings nicht auch für irgendjemanden funktionieren kann. Ich selbst habe Freundinnen die das Glück hatten bei der ganzen unverbindlichen Herumprobiererei Männer von sich selbst überzeugen zu können, die sie sonst nicht bekommen hätten. Oder auch umgekehrt. Manchmal probiert man nämlich etwas vollkommen Neues auf der Speisekarte und erkennt dann, dass der Apfelstrudel von Mama zwar super ist, aber man ohne die in Honig gebackenen Bananen eigentlich nicht mehr leben will. Na und das ist doch prima! Well done! Ich frage mich nur, ob man nicht auch einfach mutig genug sein kann ganz bewusst etwas Neuem eine Chance zu geben, anstatt in voll Suff darüber zu stolpern, weil gerade nichts anderes da ist…

Ich bin keine gebackene Banane. Ich bin vielleicht mehr so der Wassermelonen-Typ (oder wie meine Freundin Mitzi meinte: Mousse au Chocolat. Mit Chili.) und ich gehe ruhiger und besser durchs Leben, wenn die Leute das von mir wissen. Ich sage nicht, dass das leicht ist, weil das ist es verdammt nochmal überhaupt nicht und bis jetzt habe ich dadurch auch noch nichts geerntet außer meiner eigenen Selbstachtung. Aber an manchen Tagen frage ich mich in meinem Notstand auch, ob das mit der Selbstachtung nicht vielleicht auch überschätzt wird…

Mir fällt gerade auf, dass es jetzt in diesem Text über Sex, eigentlich recht viel über Essen ging. Eigentlich hauptsächlich, wenn ich mir das hier so durchlese. Vielleicht passt das aber auch ganz gut, denn Essen und Sex liegen schon recht nah beieinander. Zumindest in meiner Welt. Und was ich damit sagen will ist: Ich habe mich entschieden weiter zu warten. Auf den richtigen Zeitpunkt. Auf den richtigen Mann. Auf die Bedingungen in denen ich mich wirklich wohl und wirklich frei fühlen kann, nicht nur in einem erhitzten Moment der Lust, sondern in der Gesamtheit des Liebesspiels.

Ich will meinen Kopf in eine Schüssel Curry tauchen und mir keine Gedanken machen wer da zuvor oder immer noch mit seinen Fingern hinein langt. Ich will zubeißen und runter schlucken und mir Nachschlag holen bis der Arzt kommt. Ich will Curry! Also…Sex! Und ich will es reichlich! Und bis dahin, werde ich nicht an einer Scheibe Toast herum nuckeln und mir den Appetit verderben. Der Hauptgang kommt noch, davon bin ich überzeugt und dafür will ich mir Platz lassen. ❤

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. ballblog sagt:

    Du solltest endlich ein Buch über Dich schreiben. 🙂 Tupperwaren gehören in den gelben Sack – das macht Labels überflüssig.
    Schön, daß Du einfach Du selber bist – wozu noch labeln?

    Gefällt 1 Person

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