„Ich werde dich jetzt küssen.“

Man kann ihm nicht vorwerfen, dass er mich nicht gewarnt hätte. Oder gefragt. Oder…wie auch immer man das und alles was das vielleicht sonst noch so war oder ist bewerten, interpretieren und betiteln soll.

„Ich werde dich jetzt küssen“ hat er auf den Stiegen zu seinem Wohnhaus verkündet. Beim Verabschieden. Und irgendwie hatte ich es schon kommen sehen. Gespürt. Und irgendwie dann auch wieder überhaupt nicht.

Ich bin überfordert.

Sehr.

Innerhalb der letzten Tage bin ich überdurchschnittlich häufig geküsst worden. Und immer habe ich mitgemacht. Irgendwie halt. Und jetzt er….

Interessanter Weise stresst mich das jetzt aber gar nicht. Es war schön. Und ich habe keine Ahnung was das bedeutet. Was das für mich bedeutet und was das für ihn bedeutet.

Warum er mich geküsst hat? Ich habe nicht gefragt. Im schlimmsten Fall einfach, weil er wissen wollte ob er konnte. Und wenn dem so ist, dann will ich das gar nicht wissen.

Ich will nicht wissen was das jetzt ist. Das heißt: Ich will es schon wissen. Ich will nur nicht darüber reden.

Reden wird überbewertet. (Ich weiß, dass das eine Lüge ist.)

Aber er hat da eigentlich noch das Gspusi laufen. Und das geht jetzt auch schon ein halbes Jahr. Exklusiv. Andere würden es ja Beziehung nennen. Einfach nur zu ihr fahren um bei ihr zu pennen und zu kuscheln und dann gemeinsam zu frühstücken. Macht man eigentlich nicht unbedingt mit einem Gspusi. Aber der Froschprinz hat seine eigenen Regeln. Oder eben keine. Was weiß ich schon.

Ich weiß, dass ich ihn mag. Soft spot und so. Das bleibt vielleicht auch immer so. Und das ist okay. Das ist vielleicht sogar ganz schön. Aber er muss mal sein Leben ordnen. Sich entscheiden. Ob er mich kennenlernen will. So richtig. Oder ob er das eben nicht will. Und für mich gilt dasselbe.

In meinem Kopf habe ich ihn überhaupt nicht mehr so gesehen. Weil es ja auch absurd war. Nach allem was war. Nochmal würde ich mir nicht erlauben da irgendetwas zu (mis)interpretieren und dabei mein Herz zu verlieren.

Vielleicht sollte ich jetzt aber darüber nachdenken.

Wer dann den ersten Schritt macht? Keine Ahnung.

Heute klang es so als würden wir uns nicht wiedersehen. Ich bin dann in den nächsten Tagen wieder weg und er auch. Naja und dann verlasse ich die Stadt und ziehe weg. Vorerstmal für ein Jahr, aber…wer weiß.

Ich bin nicht aus der Welt. Überhaupt nicht. Und ich muss auch immer wieder in meine Uni-Stadt zurück in der er arbeiten wird. Es wäre schon machbar sich zu sehen. Aber ob er das will?

„Ich werde dich jetzt küssen.“ — „Mhm.“

Manchmal bin ich blöd. Andererseits hatte ich bei ihm schon so oft den Eindruck, dass da ‚mehr‘ ist und er mich ‚mag‘. Und dann lag ich doch immer falsch. Oder er lag falsch, aber verstand das selbst nicht.

Ich erlaube mir nicht zu hoffen. Ehrlich gesagt weiß ich auch nicht worauf und ob hoffen das richtige Wort dafür ist.

Warten? Ist warten das richtige Wort? Soll ich auf ihn warten? Aber wenn ich auf ihn warte, worauf warte ich dann? Und was wenn…

Nein. Ich werde mir meinen entspannten Zustand jetzt nicht versauen. Gerade geht es mir nämlich gut und wenn das was das jetzt zwischen uns war einfach nur so zwischen Wohnheimtür und Herz zwischen uns stehen bleibt, dann ist das okay. Und an verregneten Tagen meines Lebens erinnere ich mich dann daran, dass ich für ein paar Momente lang, ein ganz schön turbulentes Liebesleben hatte.

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