Prinzessin

ER nennt mich immer Prinzessin. Ich weiß noch nicht ob das wegen meiner überheblichen, arroganten, unnahbaren Art, mein Spitzname wurde, oder ob er mich einfach hoch stilisiert zu einer Art Märchenfigur-Prinzessin. Jedenfalls nennt er mich so. Prinzessin. Und ich lasse ihn gewähren. Weil ich gnädig bin. Und mir in dieser Rolle viel zu gut gefalle.

Spaß bei Seite. Machen wir ein Loch rein. Weil ihr Deutschen doch gerne davon sprecht, dass der „Spaß aber dann ein Loch hat“. Klingt für meine österreichischen Ohren ein bisschen seltsam. Aber nun gut. Auch das lasse ich gewähren. Weil ich gnädig bin. Und nicht ganz so arrogant und ignorant bin wie ich vielleicht manchmal wirken mag. Jetzt aber wirklich Schluss mit lustig. Ich habe etwas zu erzählen.

In diesem Supervisions-Seminar gibt es diesen Typen. Nennen wir ihn Fridolin, weil das ein so absurd seltener Name ist, der mich irgendwie an Drachen erinnert und ich ihn (vielleicht deswegen) unheimlich cool finde. Der nächste Hund wird Fridolin heißen. So viel ist klar. Was nicht klar ist, ist ob ich auf das Date mit dem menschlichen Fridolin gehen soll. Aber erstmal die Events der Reihe nach, für euch.

Ich bin also in diesem Seminar und da versammeln sich ganz viele Junglehrer alle paar Wochen und sprechen über ihre Erfahrungen im Klassenraum und versuchen darüber akademisch wertvoll zu reflektieren. Dank der engagierten ungarischen Professorin, die für dieses Seminar extra immer anreist, ist das auch gar keine sinnfreie Veranstaltung. Fridolin ist einer dieser Junglehrer in diesem Kurs. Deutsch und Geschichte. Eigentlich eine Fächerkombination zum arbeitslos werden, weil so gut wie jeder zweite Student diese Fächerkombination gewählt hat, aber okay.

Bei der ersten Einheit, Anfang März, kam ich zu spät. Alle waren schon da und die Vorstellungsrunde in vollem Gange, als ich abgehetzt, aber gut gelaunt in den Raum unterm Dach hereinplatze. Ich hatte vorher schon Bescheid gegeben, dass ich mich verspäten würde. Um den ganzen Betrieb nicht aufzuhalten, versuchte ich mich danach möglichst unauffällig in die Gruppe einzufügen. Ich quetschte mich neben Fridolin und fragte ihn raunend was denn gerade passieren würde. „Du hast nichts verpasst. Vorstellungsrunde.“, raunte er zurück und grinst mich an. Ich grinste zurück. Sogleich war ich auch mit vorstellen dran.

„Hi! My name is Ida. I am teaching English- obviously- and Religious Instruction at xy school and yx school….“ Ich brabbelte beschwingt und in einem Affenzahn drauf los, wie es eben meine Art ist. Sofort hatte ich ein paar Freunde gefunden. Fridolin war einer davon. Er konnte gar nicht mehr aufhören mich anzulächeln. „Wenn du jetzt auch noch rauchst“, sagte er zu mir in der Pause. „Dann muss ich mich von dir weg-setzten und um Versetzung in einen anderen Kurs ansuchen.“, scherzt er. „Weil sonst die akute Gefahr besteht, dass ich dich vom Fleck-weg heiraten muss.“ Ich lachte. Er lachte auch. Ich beschloss, dass ich Fridolin mochte. Nach der Supervision begleitete er mich nachhause.

Heute war wieder Supervision. Ich kam wieder zu spät, weil ich zuvor schon an der Schule unterrichten musste. War aber kein Problem. Ich kam herein und alle freuten sich. Alle freuten sich wirklich. Sie saßen gerade in einem Sesselkreis. „Schön, dass du da bist!“, rief ein Kollege und eine Kollegin holte mir sofort einen Sessel und stellte ihn für mich dazu. „Endlich!“, strahlte Fridolin und fügte hinzu: „Ich habe dich schon vermisst!“ „Ja, du hast gefehlt!“, sagte jemand anderer. Ich war ja total gerührt und fasste mir theatralisch ans Herz. Auch die Professorin lachte. Wir sind einfach eine coole Truppe.

Fridolin und ich wurden vom Schicksal bei der Gruppenaufgabe zusammengewürfelt. „Ich soll dir liebe Grüße von meiner Mutter ausrichten.“, sagte er und ich guckte wohl recht irritiert. Hä? Seine Mutter? „Sie fand deine Handschrift super schön.“, sagte er. Anscheinend war er über die Osterferien zuhause und hatte den Block, in den ich das letzte Mal bei unserer Gruppenarbeit geschrieben hatte, offen liegen lassen und….seine Mutter hatte sich nach der schönen Handschrift erkundigt (die er das letzte Mal kritisiert hatte) und ihre Bewunderung Kund getan. Alles irgendwie schräg. Aber naja.

Er begleitete mich wieder. Wir unterhielten uns über irgendwas, da rief ich plötzlich: „Uh, schau! Ein türkises Auto!“ Einfach, weil da plötzlich ein türkises Auto war. Und ich das cool fand. Und dann fuhr im nächsten Moment ein richtig beeindruckend schöner Old-Timer an uns vorbei und ich habe eine Schwäche für Old-Timer, als rief ich: „Wow! Oh mein Gott, schau was für ein toller Old-Timer! Ist das cool!“ Es war sehr cool.

Squirrel

Fridolin lachte. „Ich finde es so herrlich, wie dein Brain tickt!“, rief er. „Und ich weiß, das klingt jetzt vielleicht nach einem back-handed compliment, aber ich meine das total ernst: deine Art ist so super erfrischend!“ „Dann muss ich mich ja jetzt wohl bedanken.“, grinste ich ihn von der Seite an. „Gar nicht!“, meinte er und grinste auch. „Ich war heute ehrlich total erfreut, wie du dann doch noch endlich gekommen bist. Die ganze Gruppe hat erst so richtig zu leben begonnen, als du ankamst.“ Das war ein ziemlich schönes Kompliment. Ich blieb stumm.

Fridolin und ich werden uns wiedersehen. Außerhalb des Seminar-Raums, den wir uns nur noch einmal teilen werden. Ich finde das gut. Allerdings weiß ich nicht wann ich dafür Zeit aufbringen soll. Heute war ich von 7 Uhr bis jetzt eben, 22 Uhr, aus dem Haus und ausschließlich immer beschäftigt und unter Strom. Alles ist im Moment sehr intensiv und anstrengend.

Fridolin nennt mich übrigens nicht Prinzessin. Jonas nennt mich Prinzessin. Ja, Jonas ist noch in meinem Leben. Und begleitet mich heute von meinem letzten Termin heim. Ritterlich wie er ist und weil es einfach wirklich keine andere Möglichkeit gibt, mich vielbeschäftigte Frau, zu sehen. Ich mag, dass Fridolin mich nicht Prinzessin nennt.

 

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. christophrox sagt:

    „Da hat der Spaß ein Loch“ klingt auch für meine deutschen Ohren seltsam 🤣

    Gefällt 1 Person

    1. TeenagerHipsterKind sagt:

      Ich habe es auch noch nie gehört 😌😂

      Gefällt 2 Personen

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