Leben im Dauer-Konjunktiv

Man hat mir den Film „The English Teacher“ geschenkt. Julianne Moore verkörpert darin anscheinend eine Frau die auch ich eines Tages sein könnte. Gewisse Ähnlichkeiten in der Einstellung, Lebensführung und Erwartungshaltung, sowie Verhaltensweisen der Hauptfigur sind genaugenommen so derartig ähnlich, dass es beängstigend ist.

Am Ende dieses Films blieb ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Dieser Film war zwar so gekünstelt wie durchwachsen absurd, aber dennoch hatte er etwas Anrührendes und Echtes, dass mich wehmütig machte. Auf eine seltsame Art und Weise. Der Film, so kann man also sagen, ließ mich auch nachdenklich zurück und mit der immer noch unbeantworteten Frage warum eine so offensichtliche Katzen-Frau wie die Figure von Moore keine Katzen besaß.

Ich habe ein bisschen Angst. Angst, dass ich mein Leben im Dauer-Konjunktiv verschlafe. Mich in der Warteschleife meines Lebens verliere. Mein Leben zur Warteschleife mache. „Ich werde dann schon noch…“ und letztlich wie Moore als Katzenfrau ohne Katzen ende.

Es geht nicht immer alles und sofort. Ich weiß. Ich versuche das auch zu akzeptieren. Im Moment befinde ich mich nur in der Situation, dass eigentlich alles gehen würde (was ich will und mir von meinem Leben vorstelle) aber meine Eltern mir gewissermaßen einen Strich durch die Rechnung machen. Es ist schwer, wenn plötzlich nicht mehr nur das Universum angeklagt werden kann, sondern sehr konkret die eigenen Erzeuger.

Einerseits könnte ich natürlich sagen: „Was ist schon ein Jahr?“ Ein Jahr das ich jetzt in der Schule verbringe. Danach kann ich ja dann noch….Dann werde ich ….(alles machen was ich eigentlich mit meinem Leben machen will)…

Ich bin nicht ungern an der Schule. Als Lehrerin mache ich mich auch gar nicht so schlecht, denke ich. Aber…es gibt einfach Dinge die ich lieber tun würde. Lieber mit meinem Leben anfangen würde. Bevor ich dann an eine Schule gehe. Meine Eltern meinen, dass ich das nach dem einen Jahr voll unterrichten immer noch entscheiden kann. Besser entscheiden kann. Und sie wissen was das für mich an Verzicht bedeuten würde. Bedeutet.

Alternativ drängen sie mich aber auch in ein Doktorat in einer  Stadt und an eine liberale Uni, an die ich nicht will. Theoretisch habe ich in den Augen meiner Eltern schon eine Wahl. Zwischen Pest und Collera.

Seit dem Tod meiner Freundinnen lebe ich anders. Das wird mir jetzt erst so richtig bewusst und dieser Erkenntnis erleichtert mich aber auch. Es ist nicht mehr so leicht für andere mich in Ecken zu drängen, mir Pläne aufzuzwingen, mein Leben für mich zu leben. Ich bin mir sehr akut bewusst, dass mein Leben jederzeit vorbei sein kann. Das hilft mir dabei Entscheidungen zu treffen, weil ich mich frage: „Wäre ich bei dem was ich da tue ein glücklicher Mensch, wenn ich morgen sterben würde?“ Man könnte sie auch weniger dramatisch stellen: „Erfüllt mich das was ich tue? Nicht erst in 5 Jahren, sondern jetzt?“

8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wer sagt denn, dass Du tun musst, was Deine Eltern (oder wer auch immer) Dir sagen? Hast Du es Dir zur Lebensaufgabe gemacht anderen zu gefallen oder deren Erwartungen nicht zu enttäuschen? Glaubst Du sie würden Dich weniger lieben, wenn Du Deinen eigenen Weg gehen würdest oder hörst Du auf sie, weil Du glaubst das sie recht haben und Du eine falsche Entscheidung treffen könntest? Deine Eltern sagen Dir das, was sie sich für Dich wünschen würden und sie reden aus ihrem eigenen Leben heraus, ihren eigenen Sichtweisen und Werten und im Hintergrund stehen die ein oder anderen eigenen Erfahrungen. Aber das sind Ihre und nicht Deine. Du scheinst klare Vorstellungen zu haben, was Du tun möchtest und was eher nicht. Solange Du tust, was andere möchten, steckst Du tatsächlich in einer Art Warteschleife fest. Anklagen hilft da gar nichts. Es ist für jeden von uns sehr wichtig, dass wir uns von den Eltern abnabeln, auch wenn sie mit manchen Sachen nicht einverstanden sind oder manchmal auch gerade deshalb. Es ist Dein Leben, nicht ihres und ich bin mir sicher, wenn Du ihre Erwartungen nicht erfüllst, sondern das tust, was Du möchtest, wird auch nichts schlimmes passieren. Statt ihnen die Schuld zu geben, kannst Du die Verantwortung für Dich, Dein Denken und Dein Handeln übernehmen und schon ist einiges leichter. Denn dann gelingt es Dir viel besser, nur das zu tun, was Du wirklich möchtest…

    Liebe Grüße Nicole 🙂

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    1. Leider bin ich in meiner Entscheidung schon von meinen Eltern abhängig, weil es eine finanzielle Frage ist. Ansonsten würde ich ganz klar einfach meinen Weg einschlagen.

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  2. jongleurin sagt:

    Ich stimme Nicole zu – ich hatte halt vermutet, dass deine Eltern dich (noch) finanzieren und du auf diese Finanzierung angewiesen bist und deshalb nicht so ganz einfach von deren Wünschen frei machen kannst. Aber wie das so ist: ich rate nur 🙂

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    1. In der jetztigen Situation bin ich darauf nicht angewiesen, aber bei dem was ich so machen möchte wäre es dann, zumindest für den Anfang, so.

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  3. christophrox sagt:

    Ja ja der Fluch der reichen Eltern 😛

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  4. Wolfgang R sagt:

    Wie alt bist Du? 18? Wird es nicht Zeit, das zu tun was Dir vorschwebt? Ist anstrengender ohne finanzielle Zuwendung – aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert.

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    1. Halte dich ein bisschen zurück, mit so persönlichen urteilenden Kommentaren, wenn du nicht das ganze Bild hast

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