BauchGEFÜHL ist auch Gefühl. Ist aufgewühlt.

Bin ich nun in dich verliebt, oder

Eben doch

Nicht

?

 

Komisch. Ich höre deine Stimme und keine Schmetterline fliegen. Du kommst auf mich zu, groß und stattlich und mit Bart. Der ist neu. Ich mag Bart. Bart steht jedem. Bart steht dir aber besonders gut. Finde ich. Empfinde dabei aber nichts. Hä? Was ist denn los mit mir?

„Ich freu mich, dass du da bist.“, sagst du und es klingt ehrlich. Warum nochmal versetzt mich das nicht in Mädchen-Schwärmerei und Schwächeanfälle? Ich spüre, dass es das tun sollte. Irgendwie sagt mir mein Kopf das. Und irgendwie passiert nichts davon. Ich bin leicht nervös. Aber einfach nur, weil ich weiß, dass ich das jetzt sein sollte.

Meine Welt sollte sich gerade drehen. Jetzt gerade sollte ich um Luft ringend glücklich sein und mir nervös durch die Haare streichen. Jetzt gerade ist worauf ich zu diesem Zeitpunkt schon Monate-lang hin warte. Jetzt gerade fühlt sich aber so anders an. Weil es so leer von Gefühlen ist.

Dieses Mal sind wir nicht alleine. Alle deine Brüder sind da und ganz viele andere Frauen und Männer unterschiedlichen Alters. Aber vor allem deine Brüder und die Ehefrau des einen. Familien-Stimmung im Wohnzimmer beim gemeinsamen Karten-spielen und Familien-Stimmung beim Essen. Ich kenne mich mit Familienstimmung (in diesen Dimensionen nicht aus). Ich darf beiwohnen. Aber ich bin kein Teil davon. Will es irgendwie auch nicht sein. Jetzt gerade. Aber du sprichst mich immer wieder an. Bindest mich immer wieder mit ein.

Ich stelle mir das vor. Du und ich und diese Menschen hier für den Rest meines Lebens, das dann unseres sein würde. Könnte. Es vermutlich nicht sein wird. Ich weiß nicht ob ich so nüchtern bin, weil ich das immer klarer sehen kann. Weil du mich, glaube ich, einfach nicht so siehst und es vermutlich auch nicht lernen willst.

Und ich? Was will ich? In den letzten Monaten nichts anderes als das. Glaube ich zumindest gedacht zu haben. Gehofft zu habe. Und nun sitzte ich dir gegenüber an einem Tisch und fühle mich nicht mehr so träumen wie noch vor ein paar Tagen. Mein Gott, wie gestern noch! Shit. Irgendwie verwirrt mich das. Sehr.

Du redest mehr. Diskutierst mit mir. Bist nicht so schüchtern und unsicher wie das letzte Mal. Das erste Mal als wir uns tatsächlich ‚kennenlernten‘. Und du dich irgendwie in meinen Kopf und meine Herz-Bauchregion gelächelt hast. Oder war das doch nur einfach der Wunsch sich verdammt nochmal zu verlieben und du warst einfach…da…? Und irgendwie passend?

Wir streiten über deine Diplomarbeit. Die starke 30 Seiten umfasst. Ich halte mich nicht zurück, über deine ‚wissenschaftlichen Statements‘, die im besten Fall philosophische Behauptungen sind. Aber ich bin gemein. Teste dich ein bisschen. Reize Grenzen aus, die du nicht aufzeigst. Ich rolle meine Augen. Du rollst deine. Irgendwann lachen wir dann über das hitzige theologische Wortgefecht. Aber es ist anders. Anders als ich es mir vorgestellt habe. Und dabei habe ich es nicht mal gewagt mir überhaupt irgendetwas vorzustellen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass du mir auch noch weiter in meinem Kopf herumspuken wirst, nach diesem Tag. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Herz das auch irgendwie zulassen würde. Ganz egal wie verwirrend der Zustand auch wäre. Aber jetzt muss mal mein Kopf eingeschaltet werden und den Dingen, dir, in die Augen blicken. Und dort ist ziemlich klar, dass du nicht so intensiv an mich gedacht hast wie ich an dich. Dass du dich wohl fühlst wie es gerade für dich läuft und nicht auf der Suche bist. Mich vor allem nicht zufällig gefunden hast. In dieser Art und Weise.

Es ist ein ganz komischer Zustand. Dieser Zustand in dem ich mich gerade befinde. So alleine. Irgendwie schwer, aber irgendwie befreit. Hoffnung auf etwas das gerade für mich erloschen ist und aus dem trotzdem zaghaft neue erwächst. Ich weiß nicht was ich von dir halten soll.

Bei der Verabschiedung halte ich dich im Arm. Kurz. Du fragst wir wir das jetzt machen sollen. Du meinst die Umarmung. Ob wir uns küssen sollen? Natürlich auf die Wange. „Nein.“, sage ich und mutiere dabei zum Bauchredner. Weil ich gerade aus dem BauchGEFÜHL heraus spreche. „Küsse tauscht man nur mit Leuten die man richtig gut kennt. Denen man nahe ist.“

Und im Moment sieht es nicht so aus als ob wir uns jemals näher kommen werden. Das ist jetzt erstmal eine Erkenntnis. Eine die mich nicht so sehr in die Verzweiflung stürtzt wie gedacht.

Interessant. Verwirrend. Aber interessant.

 

 

Titelbildquelle

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