Für mich

Es ist dunkel geworden. Wir liegen nebeneinander auf seinem Holzboden. Zwischen uns keine Worte. Nur ganz viel erfülltes Schweigen. Dahin treiben. Sich ineinander nebeneinander fallen lassen. In meinem Kopf frage ich mich wann es im laufe des Tages so tief zwischen uns wurde. So intensiv. In meinem restlichen Inneren ist mir die Antwort darauf aber relativ egal. Irgendwo zwischen Tee und Wein und den Weintrauben wusste ich, auf deiner Terasse in die Decke gehüllt sitztend, dass ich nicht zu viele Fragen stellen würde.

Hin und wieder knarzt der Boden. Hin und wieder fühle ich, dass mein Herz es ihm gleich tut. Deine Hand sucht nach meiner. Darauf habe ich gewartet. Deine Hand ist rau. Nicht rissig, oder spröde, sondern einfach nur rau. Meine Finger verfangen sich in deinen und freunden sich mit dieser rauen Haut an. Alles an dir ist so unglaublich interessant. Immer einen zweiten, dritten, vierten Blick wert. Fast so als würde mich alles an dir rufen. Entdeckt und erkundet werden wollen.

Dein Kopf dreht sich zu meinem. Ich aber bleibe mit dem Blick auf der Wand verhaftet. Nicht zu viele Eindrücke, jetzt. Sonst geht mein Herz über. Und mein Kopf wird ihm folgen. Und dann befinden wir uns im Twentysomething-Gefühls-und-Hirnchaos der aller feinsten und gerade deswegen gar nicht feinsten Sorte und…ich weiß das hört sich jetzt vielleicht komisch an, aber ich möchte nicht, dass das zwischen uns- dieser Augenblick und alles was noch folgen wird- zu sehr von unkontrollierbaren und beinahe schon so intensiven und deswegen unspürbaren Gefühlen- überrant wird. Mit dir möchte ich nicht rennen. Nicht hetzten. Mit dir möchte ich jede Sekunde so leben als wäre sie ein Jahr.

Was ich an dir mag ist, dass du trotzdem deinen Kopf nicht wieder von mir weg drehst. Du bleibst neben mir am Boden liegen und schaust mich an. Trinkst mich, saugst mich auf. Weil du das gerade brauchst. Und das finde ich schön. Dass du dir nehmen kannst, geben kannst was du gerade brauchst, auch wenn es mit mir zu tun hat und mich trotzdem niemals überforderst. Bedrängst. Benützt. Objektifizierst. Du bist so in touch mit dir und gleichzeitig so in Verbindung mit allem rund um dich herum. Ich bewundere dich. Ganz egal wie pathetisch das hier klingen mag.

„Für Elise“ klingt aus der Decke über uns. Leise. Aber bestimmt. Zaghaft. Aber mit Nachklang. Nicht für Elise, sondern für mich. Du drückst meine Hand und ich drücke zurück.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. dieasena sagt:

    sehr schön geschrieben,- was für ein wundervoller Moment , – Wie intensiv ein Augenblick sein kann.. das fällt mir was zu ein
    Was für einen winzig kleinen Teil machen im Leben eines Menschen seine Taten und Worte aus! Sein wahres Leben spielt sich im Kopf ab und ist niemandem bekannt außer ihm selbst.
    Die Mühle des Gehirns mahlt den ganzen Tag, und seine Gedanken, nicht das andere, sind seine Geschichte.
    Sie bilden sein Leben, und man kann sie nicht aufschreiben.
    Jeder Tag würde ein ganzes Buch mit 80 000 Wörtern füllen – 365 Bände im Jahr.
    Biographien sind nichts als die Kleider und Knöpfe eines Menschen – seine vollständige Biographie kann gar nicht geschrieben werden.
    Mark Twain

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