Ein Spaziergang mit dem Froschprinzen

Schon lange hatten wir mal gemeint, dass wir uns wieder sehen. Ich weiß auch nicht warum es so lange gedauert hat bis ich Zeit hatte. Und Lust. Irgendwie finde ich das auch gut. Ich hatte auch früher Stress und nicht unbedingt mehr Zeit. Aber ich machte Zeit für ihn. Für ihn war Zeit. Immer. Aber das ist ein Jahr her. Heute sind meine Prioritäten andere. Der Froschprinz ist tatsächlich vollkommen entzaubert. Fast fällt es mir schwer das zu akzeptieren.

Wie sehr er entzaubert ist, wird mir bewusst als er mich zum Spaziergang abholt. Er ist immer noch sehr groß. Er hat immer noch, neben der Statur, einen tollen Körper und er kleidet sich gut. Die Jacke ist neu. Die Hose ist lässig und die Fischermütze weinrot. Locken wuscheln darunter hervor. Seine Augen verschwinden immer noch in seinem Lachen. Seine Stimme ist die eines Märchenerzählers. Aber unseres wollte er nie erzählen.

Es geht ihm gut. Das freut mich. Weihnachten hat ihm seine Schwester ein Brett geschenkt. Ich verkneife mir eine Assoziation der Position dieses Brettes mit seinem (Holz)Kopf. Ansonsten verkneife ich mir aber wenig. Ist nicht wirklich meine Art. Wir reden über alles und nichts und schauen einem Hund beim Pinkeln zu. Schnee färbt sich gelb. Meine Wangen rot. Es ist kalt.

Als mir der Froschprinz eine neue selbstgemachte Badekugel, mit Rosendurft in Muffin-Form und Glitzer schenkt, klatsche ich in die Hände und vergrabe meine Nase darin. „Du hast die schönste bekommen!“, verkündet er. „Ich hab sie extra für dich aufgehoben.“ Ja klar. „Ich wette das sagst du zu allen, die die anderen Badekugeln nicht gesehen haben und sich kein vergleichendes Urteil bilden können!“, lache ich und bin überhaupt nicht sauer, wenn es tatsächlich so ist. Er muss mir nicht die beste Badekugel aufheben. Er muss gar nichts. Da ist keine Erwartungshaltung. Keine Schwärmerei. Keine Träumerei.

Das tut gut.

Der Froschprinz verliert heute diesen Namen. Ab heute nennen wir ihn Gilbert. Gilbert der entzauberte Froschprinz. Gilbert. Einfach Gilbert.

Fühlt sich einfach gut an.

„Wann sehen wir uns denn wieder?“, fragt er. Weiß ich nicht.

Dobby is a free elf.

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. finde ich gut, das entzaubern in diesem falle.

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    1. noch was: vertraue deinen eingebungen und gedanken.

      Gefällt 2 Personen

  2. Honestlyps sagt:

    Interessant wie ein Mensch, der uns einmal so wichtig war und für den wir so vieles getan hätten, mit der Zeit seinen Zauber verlieren kann. Denn nichts ist selbstverständlich und die Zeit ist ein verrücktes Ding 🙂

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    1. Ja, wirklich erstaunlich. Gar nicht so sehr überraschend, aber eben doch erstaunlich ☺ gut so

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