Es ist zwei Uhr nachts

Es ist zwei Uhr nachts und mein Mitbewohner duscht. Der Hund schnarcht. Und ich liege wach. Ich frage mich, ob alle großen Texte so beginnen. Nicht unbedingt mit einem duschenden Mitbewohner, der noch verzweifelt an einer Arbeit schreibt deren Abgabetermin eigentlich schon zwei Tage her ist und der vermutlich in der Wanne ornaniert, oder einem schlafenden schnarchenden Hund, aber…vielleicht mit der Schlaflosigkeit. Vielleicht beginnen große Texte mit der Schlaflosigkeit. Rede ich mir zumindest gerade ein. Irgendeinen Sinn muss das hier wohl haben. Außer, dass es mich nervt.

Heute schrieb ich eine Prüfung die nicht so gut lief. Es gab zwei Gruppen und wie das halt immer so ist, ist eine davon scheiße. Ich bekam die scheiß Gruppe. Mein Prüfungsmarathon hat sich damit aber erst mal erledigt. Und er lief bis auf heute auch sehr gut. Ende Jänner gibt es noch drei Prüfungen und dann hat sich das Studium. Also das eine…von den 3 Master-Studien. Hoffe ich.

Die Prüfung war um 17 Uhr vorbei. Ich ging danach mit dem Hund spazieren. Der freute sich. Gerade fällt und liegt in meiner Stadt unfassbar viel Schnee. Für städtische Verhältnisse. Der Hund liebt Schnee. Ich liebe Schnee auch. Und ich liebe den Hund. Und ich liebe den Hund fast noch mehr, wenn er etwas liebt. Merlin liebt ungestüm und leidenschaftlich unentschuldigend. Am liebsten setzt er sich einfach in den Schnee und liebt ihn. Freut sich. Es kann so einfach sein und irgendwo zwischen Teich und Wald und Studentenheim habe ich vergessen mir Sorgen zu machen. Wegen der Prüfung. Wegen der Zukunft. Wegen allem möglichen.

Heute habe ich auch einen Anruf bekommen. Ich werde wieder Theater spielen. Eine Hauptrolle. Eine süße, kleine, unschuldige britische Puppenmacherin und Touristin, die in Euripides Kriegsszenarien gezogen wird. Eine ungewöhnliche Rolle für mich. Normalerweise wird nicht viel experimentiert und beim Type-Cast lande ich meist die bösen, gebrochenen, verruchten, verfluchten Rollen, mit so unendlich viel Tiefgang, dass ich darin fast zu ertrinken drohe. Hecuba. Lotte wird anders. Lotte wird nur gegen Ende ihre selbstgewählte Naivität, ihren Schutzmantel, ablegen. Aber nicht zu viel. Nicht so, dass es weh tut. Ganz so wie unsere verdrängende Gesellschaft.

Das Titelbild ist beim Lernen entstanden. Ich sollte mir meine Lern-Freunde überlegter aussuchen. Und ich sollte meinem Gesicht dringend beibringen nicht ganz so zu schauen als ob ich kleine Kinderköpfe zum Frühstück fresse.

Am Freitag werde ich den Märchenprinzen widersehen. Vielleicht liege ich auch deshalb wach. Irgendwie glaube ich das aber nicht.

 

 

15 Kommentare Gib deinen ab

  1. haerzenswort sagt:

    Ja, vielleicht fangen tatsächlich alle grossen Geschichten mit Schlaflosigkeit an, wer weiss? Ich lese deinen Blog sehr gerne und finde deine Art zu erzählen total erfrischend, selbst morgens um 2 🙂 Viel Spass wünsche ich dir mit Lotte. Ich selbst wurde oft für eben diese braven Rollen getypecastet und hätte mir so gerne mal eine Bösewichtin gewünscht … So kann’s gehen!

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    1. OooOOhh^^ Danke! Das ist aber ein sehr schönes Kompliment 🙂 Ich freu mich total über ‚Lotte‘ und dass man mir explizit die Chance gibt und das zutraut, obwohl es eben auch Rollen wie Hecuba oder Helen gegeben hätte. Und cool, dass man hier nicht nur Anglisten-Kollegen findet, sondern auch Schauspielern 😉 Sehr cool.

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      1. haerzenswort sagt:

        Gerne 🙂 Vielleicht haben es Anglisten so an sich auch zu schauspielern? Bei mir war’s jedenfalls englischsprachiges Laientheater, aber nun bin ich ja kein twenty-something Mädchen mehr 😉

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      2. Bei mir ist es im Moment auch englischsprachig 😉 bzw immer wieder mal. Aber Theater spiele ich seitdem ich 12 bin

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      3. haerzenswort sagt:

        Ah, ok! Ich stand schon länger nicht mehr auf der Bühne, leider …

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      4. Na dann wirds wieder Zeit! 😉

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      5. haerzenswort sagt:

        Das ist wahr, nur gestaltet es sich zur Zeit eher schwierig mit Familie und so 😉 Vielleicht später wieder!

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  2. Carina sagt:

    Oh wie herrlich geschrieben! „…ich sollte meinem Gesicht dringend beibringen nicht ganz so zu schauen als ob ich kleine Kinderköpfe zum Frühstück fresse“, tee hee hee. 😀 Meine Großeltern hatten früher übrigens auch einen Hund, der Merlin hieß.

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    1. Haha^^ Danke. 😉 Ich finde auch, dass Merlin ein guter Hundename ist.

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  3. fxhakan sagt:

    Ich habe Gesichter gesehen, die um 2 Uhr weit schlechter performt haben 😛 Irgendwie amüsant, ich dachte, nur mir ginge es mit meinem Gesicht so. Ich sehe auf Fotos häufig so aus, als hätte sich eine Horde wütender Affen wild durch mein Gesicht geprügelt. Ich bin also eine reale Schönheit und keine Fotoschönheit, höchstens eine Photoshopschönheit 😉

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    1. Haha^^ Mein aufrichtiges Mitgefühl 😉 Geteiltes Leid und so…

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  4. ballblog sagt:

    Weiß nicht, was Dich an dem Foto stört…

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    1. Es ist der böse, vernichtende Blick. Der nicht mal beabsichtigt war. Anscheinend schau ich „einfach so“ so

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      1. ballblog sagt:

        Du übertreibst 🙂 Skeptisch bestenfalls – und die Brille vermittelt „schlau“.

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