Was das Herz nicht will. Ein Ende und zwei Erkenntnisse.

Wie war deine Prüfung?, schreibt er und im ersten Moment freue ich mich. Zwischen Jonas und mir läuft schon seit ewigen Zeiten nichts mehr. Aber er ist immer noch irgendwie ‚da‘. Einer dieser Geister. Ein sehr hartnäckiger Verehrer. Meine Freundinnen sind schon ganz genervt von ihm. Oder von mir. Nie ghostet mich jemand. Immer krieg ich die Typen die mich nicht mehr loslassen können. Irgendwie ist das aber auch okay. Die Fronten habe ich geklärt und ein bisschen umgarnen kann er mich ja trotzdem. Wenn es ER schon nicht auf die Reihe bekommt….aber dazu ein andermal mehr.

Jonas erkundigt sich also nach meiner Prüfung. Hat er gestern auch schon. Braver Jonas. Diese Woche ist ein einziger Prüfungsmarathon. Ich bin immer wieder überrascht wie aufmerksam der schnöselige Typ ist, der von mir den Spitznamen ‚kleiner Lord‘ bekam. Oft wirkt er so kalt und berechnend und oberflächlich, aber eigentlich ist er dann doch ein Softie mit weichem Kern. Davon lasse mich mich trotzdem nicht umstimmen.

Ich schicke ihm ein Foto von meinen Lernunterlage die ich gerade wegräume und schreibe dazu, dass es geschafft ist und ichs hinter mir hab. Er antwortet mit Anerkennung und meint er freut sich, dass alles so gut gelaufen ist und dann…macht er den typischen Mediziner-Move. Er schreibt: Ganz schön dünn, deine Literatur. Was für ein Arsch! Mal ganz ehrlich, das waren sechs Bücher + Aufsätze und Mitschrift und das ist nicht wenig. In keinem Universum. Vor allem wenn es ein Fachgebiet ist das sich in 3 Prüfungen aufteilt und ich heute nur eine davon hatte.

Hörbar blase ich Luft durch die Nase und ärgere mich. Wie überheblich ist das denn? Und selbst wenn er für eine Med-Prüfung noch mehr Bücher zu lesen hat, so ist das nicht vergleichbar (abgesehen davon lernen die doch eh nur Altfragen-Skripten!!). Die Denkarbeit und das Lernen an sich sind bei Theologie und Medizin einfach andere. Viel hätte ich ihm in diesem Moment gerne zurück geschrieben, aber stattdessen schreibe ich einfach nichts. Jonas ist dann halt doch ein Klischee-Mediziner, der den Götter-Komplex vermutlich schon vor Studienbeginn gespritzt bekommen hat. Anstrengend ist sowas. Und nervig und es regt mich mehr auf als ich zugeben will.

Natürlich lässt er nicht locker. Ich schreibe einfach nur: Du bist ein Arsch. Damit ist die Sache für mich auch erledigt. Bist du jetzt sauer?, fragt er. No shit Sherlock!- denke ich mir und irgendwie bekommt die ganze Sache ab dann eine andere Richtung. Es endet damit, dass Jonas vor meiner Tür steht, außer Atem und mir seine Liebe gesteht. Oder Zuneigung. Oder wie oder was auch immer er genau fühlt. Aber jedenfalls fühlt er. Für mich. –nicht, dass ich das jetzt noch nicht kapiert hätte. Und an dem Punkt waren wir auch schon mal.

Aber ich bin nicht in Jonas verliebt oder angezogen. Freundschaftlich vielleicht, aber nicht mehr. Und es ist kein angenehmes Gefühl jemandem weh zu tun. Ihn zurückzuweisen. Mein Herz will ihn nicht. Auch wenn er mich will und auch wenn er ein netter und aufmerksamer Mann ist und eigentlich alle ‚Rahmenbedingungen‘ passen und ich ein bisschen einsam bin bzw. mich nach einer Beziehung sehne. Aber ich kann doch nicht einfach nur mit jemandem zusammen zu sein, weil ich nicht alleine sein will und es ‚irgendwie doch passen würde‘, oder sich zumindest anbietet.

„Es tut mir leid.“, sage ich. Weil es mir wirklich leid tut. Es wäre so praktisch, wenn ich auch in ihn verliebt wäre. Aber ich bin es nicht. „Gibt es jemand anderen?“, fragt er und zuerst möchte ich mit „Nein!“, antworten. Aber das stimmt nicht. Klar, es gibt da jemanden. Auch wenn er noch nicht direkt Einzug in mein Leben gehalten hat. Aber es gibt ihn. Und ich will ihn. Und ich weiß, würde er jetzt vor meiner Tür stehen, dann wäre das alles was mein Herz wollen würde. Was mache ich mir denn da eigentlich vor? Ich sage also: „Ja. Es gibt da jemanden.“ Es wird Zeit für die Ida-Initiative.

 

 

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. ballblog sagt:

    Wird wirklich Zeit dafür. Wie sieht Dein Plan aus? 🙂

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  2. Leute abzuweisen ist nie schön, aber so läuft es halt im Leben und ich hoffe, der Typ hat das nun verstanden.
    Viel Erfolg mit dem, den du so magst 🙂

    Gefällt 1 Person

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