„Du bist doch das Mädchen aus dem Artikel!“

„Hey!“, sagt der junge Mann zu mir, als er grinsend rüber kommt. Ich sitze mit einer Freundin auf einem Bar-Hocker und löffle die Suppe-des-Tages. Der großgewachsene Lockenschopf lehnt sich am Tresen ab. „Halloo…“, lächle ich ihn ein bisschen unschlüssig an. Kenne ich den von irgendwoher? Sollte ich den kennen? In meinem Kopf rattere ich sämtliche Seminare meiner Uni-Laufbahn ab, würde mir nicht zum ersten Mal passieren, dass ich jemanden verdrängt habe, aber…ich erinnere mich nicht an ihn. Sicherheitshalber frage ich aber doch noch nach. „Sorry, kennen wir uns?“

Mein neues Gegenüber lacht. „Nein, sorry. Ich bin Tom.“ Aha. Passiert mir ja äußerst selten (bis nie), dass mich einer am helllichten Tag einfach so anspricht. Noch dazu, wenn ich quasi im (mini)-Rudel unterwegs bin. Meine Freundin hat schon neugierige runde Teller-Augen. „Ja, ahm…hallo.“, stottere ich denkbar unbeholfen. „Ida.“ und strecke ihm die Hand hin. „Ha!“, ruft der mir noch sehr fremde Tom erfreut auf und erschreckt mich damit fast ein bisschen. „Wusste ichs doch!“ Verwirrung macht sich breit. Aber Tom klärt auf.“Du bist doch das Mädchen aus dem Artikel!“

„Öhm…ja.“, erwidere ich und laufe vermutlich ein bisschen rot an. Der Typ muss mich aber sehr genau angeschaut haben, weil meine Haare mittlerweile nicht mehr so blond sind wie sie es damals beim Foto-Shooting für den Artikel noch waren. „Wir haben den vorhin gelesen und fanden den so gut.“, sagt Tom und deutet auf einen Tisch hinter ihm an dem ein paar Leute sitzen. Oha. „Das ist gard so ein schöner Zufall! Du schreibst doch auch für die Libelle, oder?“, fragt er. Ich bin fast ein bisschen beunruhigt wie viel dieser fremde Tom über mich weiß. Aber meine Stadt ist halt auch eine gut vernetzte kleine Stadt und ich bin die offensivste (und vielleicht einzige junge) Theologin hier.

Meine Freundin und ich verlagern Suppe und Club-Sandwich an den Tisch der Leute die mich gut finden. Eine davon sagt sie kennt mich vom Theater. Ich habe keinerlei Erinnerung an sie, aber möglich ist alles. Die Runde ist nett und die Gespräche drehen sich viel um Gott (und die Welt) und wie es sich anfühlt eine Rarität zu sein. Bevor ich gehe lade ich sie zum Night Fever ein, weil der Artikel über mich anscheinend Interesse geweckt hat und einer der Burschen eigentlich eh wiedermal in die Kirche gehen wollte, aber hier noch nie den Anschluss gefunden hätte.

„Hihi! Du evangelisierst ja voll!“, kichert meine Freundin als wir zur Tür raus sind. Ich boxe ihr spielerisch in die Schulter. „Und dieser Tom war ja auch ganz süß…“ Ich boxe sie nochmal. „Ja, kann schon sein.“, verdrehe ich die Augen. Wir umarmen uns zum Abschied, weil jede in eine andere Richtung zur nächsten Vorlesung muss. „Du bist jetzt übrigens offiziell Hipster-famous!“, ruft sie mir noch zu und ich lache so laut, dass sich Passanten nach mir umdrehen. „Das erste Autogramm gehört MIR!“

 

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. ballblog sagt:

    Ist doch toll ! 🙂

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      1. ballblog sagt:

        Kann ich nachvollziehen. – Du wirst Dich dran gewöhnen, bestimmt! 🙂

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      2. Ach, das kühlt sicher bald wieder ab

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