Kurztrip in den Himmel

Der Ex-Freund bringt den Hund früher, weil…Pläne ja da sind sie über den Haufen zu schmeißen und Regeln und Abmachungen im Moment eher nicht so sein Ding sind. Aber okay, ich habe den Hund schon ganze zwei Tage nicht mehr gesehen und vermisse ihn ohnehin ganz schrecklich. Als Merlin Samstag Morgen aus dem Auto hüpft, springen wir uns gegenseitig in die Arme bzw. Pfoten und sind ganz aus dem Häuschen. Haben alle Hundebesitzer so eine ganz eigene Dynamik mit ihrem Vierbeiner? Mein dicker Hund und ich jedenfalls groooooven ziemlich…

Freitag Abend war ich im Theater und danach noch mit einer Schauspielerin was Trinken (einfach weil ich cool bin) und dementsprechend müde bin ich an meinem einzigen freien Tag der Woche, an dem ich nicht lernen muss. Da nun aber der dicke Hund da ist und es ausnahmsweise mal nicht regnet, beschließe ich kurzerhand mein Auto Richtung Heimat zu lenken. Kaum bin ich durch zwei Tunnel durch begrüßen mich auch schon die angeschneiten Berge meiner allerliebsten Landschaft und ich drehe die Musik lauter um aus voller Kehle und voller Glück mitsingen zu können.

Meine Uni-Stadt ist eine schöne Stadt. Ich behaupte sogar, dass sie zum Studieren ideal ist und ich bereue es nicht, dass ich mich für sie entschieden habe, auch wenn es damals mehr der Ex-Freund und weniger die Stadt an sich war für die ich mich entschieden habe, aber da wollen wir mal jetzt nicht so genau sein 😉 Ich fühle mich in meiner Uni-Stadt wohl, so fern man sich eben als Berg-Mensch in einer Stadt wohl fühlen kann und zelebriere und genieße dort die Dinge und Vorteile die ich bei mir zuhause, inmitten der steinernen Riesen, Gämsen und Skipisten, Klettersteige und Almenhütten, nicht habe. Und trotzdem wird mir schon beim ersten Blick aus dem Tunnel klar, was ich vermisse– auch wenn mir eigentlich nichts ‚fehlt‘.

David zeigt euch meine Uni-Stadt fast so wie ich sie euch auch gezeigt hätte 😉 und an 80% der gezeigten Orten gehe ich nicht nur täglich vorbei, sondern habe dort auch schon gearbeitet/Theater gespielt oder dergleichen^^ Ich hatte übrigens schon eine Tagwerktasche BEVOR es hipster war!

Es dauert mehr als eine ganze Weile bis ich in dem kleinen Dorf/Tal/Berg-Nest angekommen bin in dem ich zuhause bin, bzw. in dem meine Großeltern zuhause sind. Ich fühle mich hauptsächlich in den Bergen, in dieser Landschaft und der Gegend beheimatet und verhaftet. Zugehörig und verwurzelt wären vielleicht auch ganz treffende Worte für das was ich dann fühle. Noch bevor ich im Ziel-Dorf einfahre, bin ich angekommen und das ist ein unglaubliches Geschenk. Ich erspähe die Spitze des Lieblingsberges meiner Mutter und versuche mich durch die Form des Berges an seinen ganz eigenen Namen zu erinnern (wobei ich kläglich scheitere).

Auf den Bergen liegt Schnee. Einige Skilifte sind schon in Betrieb. Das ist eigentlich schade, weil es bei uns eine alte Bauernweisheit ist, dass es zu Weihnachten keinen Schnee geben wird, wenn es vor Nikolo schneit. Aber gerade ist mir das ziemlich egal. Bis ins Tal ist der Schnee ohnehin noch nicht liegen geblieben und Merlin und ich maschieren zu aller erst mal quer durch das ganze Dorf, den anderen Berner Sennenhund begrüßen, bevor wir unsere gewohnte Strecke, gut 1 1/2 Stunden lang unterwegs sind. 20171111_143157.jpgDie Luft ist frisch und der Wind ist rau. Ich verstehe nicht wie sich Menschen von Bergen umringt eingeengt fühlen können und behaupte, dass es vor allem Menschen so geht die im Flachland aufgewachsen sind. Die Berge sind für Bergmenschen nämlich nicht beengend sondern befreiend, Schutz-bietend und erhebend. Klar stehe ich auch lieber auf einem Berg als ihn von unten zu betrachten, aber eigentlich ist er von allen Seiten einzigartig.

Dass hier soll jetzt kein Text über Berge werden und die besondere Beziehung zwischen Mensch und Berg oder Berg und Mensch und dergleichen. Um ehrlich zu sein weiß ich nicht so ganz was für eine Art von Text das hier überhaupt werden soll. Gerade war mir einfach danach irgendetwas von diesem Tag festzuhalten, jetzt wo er sich langsam dem Ende zuneigt und vieles daraus in meinem Schlaf verschwinden wird. Ich will festhalten, dass dieser Tag ein guter Tag war. Dass es gut war einfach nachhause zu fahren und dass ich das vielleicht öfter mal machen sollte, wenn mir schwer um die Brust wird. Zuhause atmet es sich ganz anders. Hier atmet es sich ganz anders. Ich bin froh über meine kurzentschlossene Entscheidung, gerade jetzt wo ich doch nächste Woche nach Dänemark abhaue.

Es tut unglaublich gut zu wissen wo man hingehört. So stark aus seinem Inneren heraus signalisiert zu bekommen wo man hingehört ist vielleicht ein Glücksfall. Unmissverständlich zu spüren wo, in welcher Landschaft, es einem gut geht. –in meinem Fall ist es dort wo man dem Himmel ein Stück näher ist. Zumindest ist das der Werbeslogan meiner home base 😉 Meinen kleinen Ausbruch kann man also getrost als einen Kurztrip in den Himmel bezeichnen.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. paulalinchen sagt:

    Interessant. Eine andere Sichtweise. Ich komme aus dem Flachland (nur wenige km bis Dänemark) und muss gestehen, dass mich Berge tatsächlich abengen. Die ersten Tage finde ich es toll dort – und dann, plötzlich, habe ich keine Luft mehr zum Atmen und die Berge kommen näher und näher… absolut erdrückend gruselig! Ich musste dann ganz schnell hinauf, damit ich wieder gucken konnte und frei war.

    Ich habe mich immer gefragt, wie Menschen es ertragen können irgendwo im Tal zu leben. Es als beschützend zu empfinden, darauf wäre ich nie gekommen.

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    1. Berge sind das Größte 🙂 Im sehr eigentlichen Sinn des Wortes 😉 Ich glaube es macht einen Unterschied ob man mit ihnen aufwächst oder nicht. Wächst man in und rund um die Berge auf, dann lebt man mit ihnen. Man lebt in ihnen, auf ihnen, oder zumindest am Fuße eines Berges und lernt sich anzupassen, auf die Gefahren acht zu geben und sie für sich zu nutzen. Dabei ist meine Beziehung zu den Bergen sicher schon nicht mehr so intensiv wie die meiner Großeltern zu den Bergen, nicht nur weil sie schon ihr ganzes Leben immer dort verbracht haben, sondern auch weil sie den Krieg miterlebt haben und gerade da die Berge eine entscheidende Rolle gespielt haben, zum Schutz und zur Verteidigung der Einheimischen. Aber das würde jetzt wohl zu weit führen 😉 Danke jedenfalls für deinen Kommentar! Ich habe schon darauf gewartet, dass sich ein Flachland-liebender Mensch zu Wort meldet ❤

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