Sonntags-Sorgen #25

Gestern habe ich mich noch gefragt über was ich heute in den Sonntags-Sorgen schreiben kann. Heute musste ich dann nicht lange auf die Sorgen warten.

Der Ex-Freund und ich teilen uns als unfreiwillige Patchwork-Familie meistens den Hund. Sonntag Morgen bringt er ihn, Mittwoch Abends wird er wieder abgeholt. Das funktioniert insofern furchtbar schlecht, weil mein Ex-Freund enorm unreif ist und sich die ‚I am 16 again and don’t give a fuck‘-Phase nach unserer Trennung nie wieder gelegt hat.

Er hält sich nicht an Vereinbarungen. Er strapaziert meine Geduld. Meldet sich nicht oder ist nicht erreichbar. Blockt mich nach Lust und Laune, obwohl ich ihn seit unserer Trennung nie auch nur einmal wegen irgendetwas kontaktiert hätte. Für mich war, als ich an meinem Geburtstag die fremde Frau in meinem Bett fand, sofort klar, dass ich diesen Mann auf gar keinen Fall zurück haben will. Auch als er mich dann wieder wollte (aber schon mit ihr zusammen war). In mir bleibt für ihn nichts als Verachtung über, die hoffentlich irgendwann in Gleichgültigkeit über geht.

Trotzdem schafft er es nach wie vor mich auf die Palme zu bringen, was ich vor ihm aber verstecke. Ich zeige hier sicherlich keine Blöße und muss mir selbst immer wieder sagen, dass ich keine Energie an ihn verschwenden darf. Absolut gar keine. Gut, dann bringt er den Hund wieder zu spät und ich muss alle meine Pläne umschmeißen- Gut, dann schreibt er eine doofe Nachricht- Gut, dann hält er sich nicht an Abmachungen und führt sich kindisch auf. Ich nehme das hin, aber ich weigere mich es anzunehmen bzw. in mir auf zu nehmen. Der Ex-Freund darf keinen Platz mehr in meinem Leben haben. Keine Kontrolle, auch wenn er das mit diesen immer-fortwährenden Aktionen sicherlich versucht.

Heute brachte er seine Freundin zur Übergabe mit. Das versetzte mich kurz in Schockstarre, weil das nicht angekündigt wurde und ich darauf auch nicht vorbereitet war. Das letzte Mal sah ich diese Frau nackt in meinem Bett, zu meinem Geburtstag und ich hatte seitdem nie das Bedürfnis sie wieder zu sehen. Dabei merke ich, dass mich eigentlich gar nicht so sehr störte, dass ich sie wieder sehen musste, sondern eher, dass mein Ex-Freund die Frechheit besaß sie zu mir mitzubringen. In mein zuhause. In mein Leben. In meine Privatsphäre. Es stört mich, dass sich diese Frau so aufdrängt und weiß wo ich wohne. Wo ich zuhause bin und lebe. Das will ich nicht. Das fühlt sich wie ein Übergriff an. Eine dreiste Aktion.

Wieso ich jetzt schon seit einigen Stunden ein schlechtes Bauchgefühl habe und mich mies fühle weiß ich eigentlich nicht. Ich fühle mich einfach hilflos ausgeliefert. Ich fühle mich auf eine Art und Weise ‚violated‘.  Sogar ein paar Tränen sind deswegen geflossen. Ich verstehe nicht wieso mich das, nach allem was er schon abgezogen hat, mich jetzt so fertig macht. Im Vergleich zu allem was war ist das ja quasi harmlos. Trotzdem nimmt es ich extrem mit. Gar nicht deswegen, weil ich sie wieder gesehen habe, sondern eben wo. Bei mir. In meinem Reich. In meinem sicheren Hafen. Der sich jetzt ganz anders anfühlt.

Ich sehe mich nicht gerne als Opfer, weil ich mich auch nicht so denken mag. Weil Opfer schwach sind und wehrlos, oder es zumindest mal waren. Langsam aber sicher muss ich über meinen Stolz springen und verstehen, dass ich hier Opfer war und mich vielleicht auch noch immer dazu machen lasse. Dass das zwar schon etwas mit Schwäche zu tun hat und mit meinem eigenen Versagen, weil ich mich zum Opfer machen ließ, aber dass es genau sowenig gut ist, wenn ich nicht lernen kann das zu akzeptieren. Ich bin ein Opfer und ich brauche Hilfe. Wird Zeit, dass ich sie mir hole. Deswegen fällt mir kein Zacken aus der Krone.

 

 

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16 Kommentare Gib deinen ab

  1. Du musst Grenzen setzen. Sein Verhalten ist nicht akzeptabel. Wenn er sich nicht an Vereinbarungen hält, bist Du außerhalb dieser nicht verfügbar. Heißt, er kriegt den Hund nicht, wenn er zu spät kommt oder Du bist nicht da. Punkt. So ein Idiot! Sei froh dass es „nur“ um einen Hund geht und nicht um ein Kind. Könnt ihr das nicht anders lösen?

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    1. Nein, ich bin dieses Jahr wegen der Uni noch sehr abhängig von ihm. Deswegen kann ich da schlecht auf den Tisch hauen und das weiß er.

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      1. Kann Dir nicht jemand anderes helfen? Kannst Du Dich aus dieser Abhängigkeit nicht befreien und ihm den Stinkefinger zeigen? Warum tust Du Dir das an?

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      2. Im Moment ist das wirklich meine einzige Lösung. Merlin ist ein sehr schüchterner und sensibler Hund und in einer ‚Tagesbetreung‘ bleibt er mir einfach nicht. Das stresst und belastet mich dann noch mehr als dieser Deal mit dem Ex-Freund. Abgesehen davon, dass ihn eben die Familie meines Ex-Freundes, bei denen er ja aufgewachsen ist, weil wir alle zusammen am Hof gewohnt haben, sehr liebt und ihn auch nicht verlieren will. Und das gilt umgekehrt auch für den Hund. Nach zwei Wochen bei mir in der Stadt will er ganz klar wieder zurück.

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      3. Verstehe. Gibt es dann nicht die Möglichkeit dass Du das mit seiner Familie direkt klärst? Oder er ganz dort bleibt? Auch wenn Dir das weh tun würde, scheint es für den Hund die beste Lösung. Überlege nur, was es für Möglichkeiten gäbe, denn so wie sich Dein Ex benimmt, ist es nicht tragbar.

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      4. Umgekehrt ist es auch so, dass er Futter verweigert und überall nach mir sucht. Es ist wirklich eine blöde Situation. Da geht es noch eher ohne die Familie meines Ex als ohne mich. Aber zum Rudel gehören sie halt. Bis zum Sommer muss ichs jz noch aushalten, dann geh ich sowieso aus dieser Stadt weg und nehme den Hund mit.

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      5. Blöde Situation 😦

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      6. Ja, deswegen auch Teil der Sonntags-Sorgen 🙈 aber danke trotzdem für den hilfreichen Denkansätze!

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  2. TeenagerHipsterKind sagt:

    Ich sehe mein Zuhause auch sehr als einen sicheren Ort. Treffe mich auch mit Freunden viel lieber in der “Kenenlern- Phase“ bei ihnen. Falls das doch nicht passt. Schließlich bleiben Erinnerungen besonders dann wach, wenn man immer daran erinnert wird. Und sich den Ort der Verletzung immer wieder vor Augen führen muss.

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  3. Kim sagt:

    Sei froh, dass ihr kein gemeinsames Kind habt!

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  4. ballblog sagt:

    Sehe da weder Schwäche noch Versagen bei Dir. – Ist doch nachvollziehbar, daß Du Dich in Deinem Bereich da massiv gestört fühlst. Mal abgesehen davon, daß Dein Ex kein Taktgefühl besitzt. So ein A…. – Hoffe, die wie auch immer geartete Abhängigkeit hat bald ein Ende.

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  5. Wolfgang R sagt:

    Sie kann doch nichts dafür dass er ein Arsch ist. Projektierst Du Deine Gefühle auf sie und meinst eigentlich ihn?

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    1. Nein. Die ganze Geschichte ist deutlich hässlicher und komplexer als das was ich hier schreibe. Ich teile hier ja nur Aspekte und nicht mein ganzes Leben, also kannst du das wohl eher schlecht nachvollziehen.

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