Des nächtens im The British Bulldog

Des nächtens in einer Bar oder von dem Versuch alleine zu trinken

Seit ein paar Tagen, die mitlerweile in ihrer Anzahl auch schon Wochen sein könnten, habe ich das Verlangen danach zu trinken. So richtig zu trinken. Ich bin ein Fan von Gin and Tonic, sämtlichen Cocktails und ganz besonders minzigen-süßen Gras Hoppers einer coolen Bar, zwei Straßen weiter. Freunde behaupten ich liebe diese Bar, weil sie einen englischen Namen und englische Möbel hat und ganz Irish-Pub an den Wänden Regale mit alkohoilischen Flaschen und alten vergilbten Bildern sind. Das stimmt auch. Trotzdem ist die kleine Bar mit dem britischen Charme so viel mehr als das, denn nur ganz wenige Orte kann man sich nicht nur schön trinken sondern auch beginnen zu lieben.

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Ich weiß nicht warum ich niemanden gefragt habe ob er oder sie mit mir trinken geht. Vielleicht weil meine zwei trink-Freundinnen mittlerweile verheiratet sind und es irgendwie früher anders war sich gemeinsam zu betrinken. Jedenfalls habe ich in Ermangelung meiner alten Freundinnen, die langsam alt werden und in Geist und Reifung den Twentysomething-Stand verlassen haben, mit ihren schicken Häusern, Ehemänner und geteilten Konten, sowieso Steuerberatern und Pensionsvorsorge, beschlossen einfach alleine trinken zu gehen. Wieso auch nicht?

Wieso nicht, kann ich euch sagen. Weil es traurig ist alleine trinken zu gehen. Zumindest war das meine Befürchtung. Aber alles in mir sehnte sich nach Grashopper und keinem Gespräch, also zog ich meinen warmen Mantel über die Schultern, eine Haube über den Kopf und lief durch den Herbst-Nieselregen dieses Sonntag-Abends los in Richtung Bar.

Die erste Person die mir dort auffiel war eine junge Frau, die später sicher einmal einen erfolgreichen Banker heiraten wird und die passende Perlenkette dazu schon um den Hals trug. Ihre blonden Haare waren glatt und glänzend und ihre Handtasche war eine die man am Arm und nicht schräg um den Körper hängen hat. Noch bevor man ihr etwas servierte wusste ich, dass sie die Art von Frau ist die in einer Bar Wein bestellt. vielleicht vorzugsweise Roten, aber auch Weißen, wenn es gar nicht anders geht. Die danach fragt ob er wohl schön trocken ist und sich nach dem Jahrgang bei einem vollkommen überfragten Aushilfskellner erkundigt. Ich sollte mit all meinen in Schubladen gedachten Vermutungen recht behalten.

Ich bestellte einen Grashopper, weil sich dieser schon den ganzen Gottesdienst über in meinem Kopf manifestiert hatte und versuchte beschäftigt zu wirken, weil ich noch ein bisschen unsicher war. So ganz alleine in einer Bar. Der Barkeeper ist freundlich, aber das wusste ich ja schon, denn immerhin mag ich diese Bar. Wie ich da nun alleine rum saß, ein bisschen Fußball und dem Mann hinter der Bar beim schütteln zuschaute, da tippte mich eine Hand von hinten an. „Määäädl!“, rief es hinter mir und ich drehte mich am, wie immer viel zu hohen Hocker für meine Person, um. Meine Freundin Lucy stand vor mir. Anscheinend war sie gerade vorbei geradelt und hatte mich im großen Fenster erkannt. Dass ich alleine trinke ging ja überhaupt nicht, fand sie und setzte sich zu mir.

Es wurde eine gemütliche gute Stunde mit viel Alkohol und noch mehr Gelächter. Wir regten uns über Jungs auf, ich bekam moralischen Beistand bezüglich des absolut bescheuerten und unmöglichen Ex-Freundes und am Ende waren wir zwar Männer-technisch ein bisschen ernüchtert, aber dafür um bindende Freundinnen-Gespräche bereichert. Ich lief durch den Regen nachhause, lief dann wieder -mit dem Hund- in den Regen hinaus und drehte die letzte Runde des Tages und jetzt…tja jetzt schreibe ich irgendwie noch diesen Text, aber gleich falle ich ins Bett und fühle mich müde, aber glücklich und ein bisschen traurig, aber auch beschwingt. Von allem etwas eben. Wäre das Leben ein Dönerladen würde ich „Einmal mit alles!“, bestellen. Einmal alles vom Emotionenspektrum. Ein sehr typischer Twentysomething Zustand 😉

 

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15 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wolfgang R sagt:

    „habe ich das Verlangen zu trinken“ – das liest sich nicht gut. Hoffentlich bleibt das eine kurze Phase.

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    1. Also ich kann dich beruhigen, das hatte ich zuvor noch nie und es war mehr ein Gelüste, denn ein tatsächlicher Drang. Außerdem bin ich ja jetzt nicht betrunken. Also alles gut 😉

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  2. Du verwendest oft den Begriff twentysometing und gehst davon aus dass manches typisch für dieses Alter sei. Ich wäre sehr gespannt auf Deine Evaluation in 10 Jahren, wenn Du dann ein thirtysomething bist ☺

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    1. Leg doch nicht immer alles so wahnsinnig auf die Goldwage 😂 Mir schon klar, dass man auch in den 30igern noch Gefühlsschwankungen hat 😉 aber das ist eben ein Blog der ein bisschen mit dem Begriff 20something (siehe Untertitel des Blogs) und den Klischees dazu spielt.

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    2. Aber P.S.: Generell glaub ich schon (auch außerhalb der Schublade ), dass es Dinge gibt die typisch für den Lebensabschnitt der 20iger ist, genauso wie es dann Dinge gibt die man allgemein eher in den 30igern erlebt. Zumindest hoffe ich das, auch wenn manche Menschen nie über die eine oder andere Phase hinauskommen. Entwicklung wäre aber die Hoffnung und sogesehen hoffe ich iwann diese Beiträge aus einem anderen Lebensabschnitt zu lesen und darüber zu schmunzeln ☺

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      1. Klar gibt es verschiedene Lebensphasen, die Entwicklung der Gefühlswelt verläuft aber nicht linear, insofern ist das was Du empfindest nicht altersabhängig sondern eher dem Singledasein zuzuschreiben (siehe Deine gleichaltrigen Freundinnen, die gesettlet sind und auf die das dann nicht passt). Aber gut, ich hör schon auf damit 😉

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      2. Ja, die sind alle ein bisschen frühreif und ich bin mir nicht so ganz sicher ob das nur an den Beziehungen/Ehen liegt 😂

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  3. ballblog sagt:

    So lange Du das Leben nicht versäumst, während Du es in Schubladen sortierst.. 😉
    Komm gut in den Montag!

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  4. CineWelt sagt:

    Es ist ein mutiger Schritt alleine in eine Bar zu gehen! Respekt 🙂
    Aber wie unerwartet schön, dass dich dort dann eine Freundin gefunden hat.

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  5. keloph sagt:

    Wo ist denn der Laden?

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      1. keloph sagt:

        Bin gerade da. Also wo? 🤓 😁 😇

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      2. Ich schreib dir eine Mail 🙂

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      3. Wenn ich nur wüsste wie?

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