Oh Shit

Ich telefoniere gerade mit einer Freundin in Frankreich und fische mir Reste des Currys aus dem Kühlschrank, als mein Handy am Ohr vibriert. Ich hasse das und lasse fast den Löffel aus meinem Mund fallen. So ein Scheiß.

Ein Studienkollege schreibt in unsere ehemalige Seminar-Gruppe ob hier irgendjemand jemanden kennt der in einer der Greenboxen der Stadt wohnt. Er bräuchte da mal ein bisschen Hilfe und Auskunft. Bevor ich das Geschriebene ignorieren kann, erreicht mich in meinem Kopf schon die Nachricht, dass ich jemanden kenne der in so einer Greenbox wohnt. Den Froschprinzen. Oh shit.

Ich warte einen Tag ab, aber es meldet sich niemand auf den Hilfeschrei des Kollegen. Währenddessen postet er es auch noch in zwei Facebook-Gruppen und ich lese seine Verzweiflung darin heraus. Okay, sage ich mir, anbieten kann ich es ja. „Hey Daniel! Hat dir schon jmd bezügl Greenbox helfen können?“ Nein. Natürlich nicht. „Also ich hab da einen Kollegen (haha eine interessante Bezeichnung!) der da schon seit ein paar Jahren wohnt und wenn du willst und es dir hilft, dann frag ich ihn ob ich dir seine Nummer geben kann.“ Daniel ist super glücklich. Ich nicht so.

Mit dem Froschprinzen habe ich jetzt schon seit gut einem halben Jahr keinen Kontakt mehr. Wie schreibt man jmd mit dem es so seltsam war und endete, einfach so aus dem Blauen heraus? Genau so, beschließe ich und schreibe eine klein bisschen umständliche Nachricht an ihn, in dem ich die Situation erkläre. Ich bin kurz davor Daniel einfach die Nummer des Froschprinzen zu geben, ohne zu fragen, um diese Situation zu umgehen. Aber umgekehrt würde ich das auch nicht wollen, dass irgendein Typ meine Nummer weiter gibt und mich der Fremde dann mit Fragen löchert. Nein, da muss ich im Namen der Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft durch.

Es ist auch ganz schmerzfrei. Die Nachricht ist schnell verfasst. Allerdings ende ich die Whatsapp-Message mit meinem Namen. Was ein bisschen doof ist, denn selbst wenn er meine Nummer nicht mehr hat, sieht er ja mein Profilbild. 🙈 Der Froschprinz antwortet in der selben Minute. Cool.

Er hat natürlich kein Problem und gibt sich hilfsbereit. Das ist nett und ich teile die freudige Nachricht mit Daniel. Durch Zeitzonensprünge und Verschiebungen bin ich aber anscheinend doch noch zu spät dran und Daniel schreibt mir schließlich, dass er jetzt in der Zwischenzeit schon jmd von den Greenboxen erreicht hat. Na super.

Sollte ich das dem Froschprinzen mitteilen? Sollte ich ihn fragen wie es ihm geht? Lust hätte ich schon. Neugierig wäre ich auch. Aber dumm genug bin ich nicht (mehr). Wenn er sich melden würde, wäre das was Anderes. Aber so? Besser nicht. Außerdem gibt es für ihn keinen Grund mich nach meinem Leben zu fragen. Den Blog kennt er ja und auch wenn das natürlich nicht mein Leben repräsentiert oder ablichtet, so kann erlaubt es ihm einen Einblick. Das reicht ihm vermutlich schon. Vielleicht aber traut er sich auch gar nicht auf meinen Blog, aus lauter Angst ich könnte dort über ihn schreiben. Aber das mache ich ja gar nicht (mehr). Eigentlich.

Das hier ist so ein typischer Mädchen-Moment, in dem ich mir viel zu viele Gedanken mache und ein bisschen rum spinne. Ich hab ihm geschrieben. Er hat geantwortet. Es ging dabei um nichts Persönliches. Er stellte keine Fragen. There’s no drama. Funkstille. Ohne Funkenflug. Passt doch. Der Froschprinz wird sich jetzt nicht magisch in meinen Prinzen verwandeln. Mein Mädchenhirn hat jetzt mal Pause. Für Immer. Bitte.

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