Montags-Momente #10

„Wer in der Malerei nur will oder sucht, was er sich wünscht, wird niemals etwas finden, was seine Vorlieben überschreitet.“ – René Magritte (1898-1967)

Vor Magrittes Bild ‚Die Verwunschene Gegend‘, bin ich eine ganze Weile lang gestanden und habe mich gefragt warum es mich so an Tinder erinnert. Vielleicht wegen dem schönen Schein. Weil es viel zu sehen gibt. Auf den ersten Blick wirkt es positiv und bunt, schillernd vielleicht und aufregend neu- eigentlich aber es ist inhaltslos. Verwirrend. Maskenhaft. Irreführend. Anscheinend, ist Tinder für mich doch negativer behaftet, als ich es mir eingestehen will. Das was er über das Suchen und Finden in der Malerei sagt, finde ich, kann man auch so über Beziehungen sagen. Über Menschen generell.

albertina-sammlung-batliner_5
Die verwunschene Gegend

Ich mag so Tage, an denen ich mit mir alleine bin. Ich versuche davon jetzt noch einige zu ’sammeln‘ und ‚aufzutanken‘, bevor ich mit meinem Bruder und später auch mit meinen Eltern verreise. In Schottland, wo ich einen Freund besuche, kann ich mir dann zwar wieder Zeit für mich alleine schaffen, aber das wird frühestens Ende August so weit sein. Ich bin also ganz froh, dass ich meinem Bauchgefühl nach Wien in die Albertina gefolgt bin. Alleine. Mit einem Starbucks-Becher setzte ich mich danach in den Zug Richtung Heimat und in dem halte ich jetzt meine Montags-Momente fest. Momente voller Bilder. Hauptsächlich.

Wann ich meine Liebe zur Malerei und der Kunst im Allgemeinen entdeckte, vermag ich heute nicht mehr genau zu sagen. Nach meiner multilingualen-Schule, in der wir auf Englisch und Französisch unterrichtet wurden und Deutsch nur in den Deutsch-Stunden sprechen durften, besuchte ich ein weiteres Gymnasium mit Schwerpunkt Kunst. Ich war immer schon etwas eigenwillig 😉 Auch, wenn ich heute nicht mehr viel in die Richtung mache, so ist gerade die Malerei heute immer noch ein großer Bestandteil meines Lebens. Ich bin fasziniert von dieser Welt, die so tiefsinnig ist und so oberflächlich, wie in einem Schaukasten, betrieben wird. Aber das drum herum macht mir nicht viel aus, wenn ich in Wien vor den Meistern sitze. Das verschwindet, in ihrem Angesicht.

20170703_181534

Wie ich da so saß und von Picasso über Delvaux alles vor mir hatte, schwirrten mir hundert tausend Fakten aus der Schulzeit durch den Kopf. Wissen, das ich sonst nicht mehr anbringen kann und das auch nur noch so festgesessen in meinem Hinterstübchen hockt, weil ich meinen Vater früher damit versuchte zu beeindrucken. „Zeige mir ein Bild und ich nenne dir Epoche, Künstler und Schaffensperiode“ ist heute noch ein Spiel, das ich beherrsche. Mein Ehrgeiz versteigt sich manchmal in komische Geschichten hinein.

Komisch ist auch, dass man mich in letzter Zeit immer wieder versucht zu verkuppeln. Vorzugsweise mit irgendwelchen Mitbewohnern von irgendjemandem. „Du bist doch im Moment singel, oder?“, fragen sie und preisen dann, wie am Fischmarkt, die ‚guten Partien‘ an. „Komm doch mal vorbei! Du wärst was für meinen Mitbewohner.“, sagen sie und ich versuche mich nicht, an was auch immer ich gerade trinke, zu verschlucken. Dabei wäre doch eigentlich nichts dabei und mit dem ein oder anderen ‚ganz lieben‘-Typen, kann man es ja vielleicht versuchen. Auf die Nachricht von M mit einem weiteren Bild ihres WG-Kollegen antworte ich jetzt aber trotzdem nicht. Jetzt, wird erst Mal Zug-gefahren.

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s