Meine Seite des Bettes. Deine Seite des Bettes. Und der Platz dazwischen.

„Was machen wir denn jetzt?“, fragt er, nach dem Sex. „Ich werde wohl nachhause gehen.“, sage ich. Hier gibt es ja auch nicht mehr wirklich etwas für mich zu tun und darauf hoffen, dass in 30 Minuten wieder was geht, will ich auch nicht. Muss ich auch nicht. Bei ihm geht’s schneller.

„Was machen wir denn jetzt?“, fragt er, nach dem erneuten Sex. „Ich werde wohl nachhause gehen.“, sage ich. Hier gibt es ja auch nicht mehr wirklich etwas für mich zu holen. „Du musst aber nicht gehen.“, meint er und zieht meinen kleinen Körper an sich heran. Ich bekomme zärtliche Küsse aufgedrückt. „Deine Haare riechen gut.“, sagt er. Ich nehme das so hin.

„Vielleicht sollte ich jetzt wirklich besser gehen.“, sage ich. „Sonst werde ich noch müde.“ „Ich bin schon müde.“, sagt er. „Bleib doch einfach da, wenn du magst. Mich stört das nicht.“ Sein nackter Körper wirkt in dem schwachen Licht einladend auf mich. Er ist schön. Dieser Mann. Findet etwas in mir, das nicht mit den Augen sieht. „Es gibt auch Frühstück.“, lockt er mich. Ich bleibe.

Seine Arme sind zuerst um mich gewickelt. Er ist der große Löffel, ich der kleine. Er ist warm. Mein Kopf liegt auf seinem Oberarm. Wie selbstverständlich hat er ihn unter mich geschoben. Nach einem „Gute Nacht“, ist er eingeschlafen. Wie diese Männer immer so unbekümmert schlafen können. Rätselhaft! Ein Vogel singt, ein Kühlschrank summt, der Nachbar betätigt die Klospülung. Dieses Haus schreit so laut, dass ich nicht schlafen kann.

Ich robbe von ihm weg und er dreht sich in die andere Richtung. Er schnarcht nicht. Irgendwie stört mich das. Würde er die Hausgeräusche mit seinem gleichmäßigen Schnarchen überdecken, würde ich vielleicht schon im Schlummerland von Sägewerken träumen. Stattdessen liege ich hellwach in seinem Bett und warte darauf, dass es hell wird. Da fällt mir auf, dass er die Jalousien unten hat. In diesem Zimmer wird es nie hell, wenn er es nicht will. Ich ahne Schlimmes.

Er hat mich die Seite des Bettes aussuchen lassen. Ich nahm die bei der Tür. Nicht, damit ich besser vor ihm flüchten oder den überraschenden Einbrecher als Erste mit der Bratpfanne eine überziehen kann, sondern einfach…weil auf der anderen Seite sein Laptop am Nachttisch stand und ich einfach annahm, dass das eigentlich seine Seite ist. Natürlich hat er eine Seite des Bettes. Und die andere Seite gehört heute mir. Aber ich denke nicht, dass ich mich mit dieser Seite, mit diesem Bett, anfreunden kann.

Der Abstand zwischen uns, in diesem Bett, wird größer. Ich sinniere darüber nach, dass der nicht okkupierte Platz zwischen uns eigentlich einen interessanten Raum darstellt. Darüber könnte man Texte schreiben, denke ich mir und fische vorsichtig mein Handy aus meiner Tasche am Boden. Deine Seite des Bettes. Meine Seite des Bettes. Und der Platz dazwischen.

Immer wieder sucht er mich im (halb)Schlaf. Sucht nach meiner Hand, stößt auf Bettdecke, fährt unter sie und findet…meinen Arsch. Ich drehe mich um und reiche ihm meine Hand. Er schläft zufrieden weiter. Der Platz zwischen uns ist wieder besetzt. Überwunden. Trotzdem ist da viel Abstand, auch wenn er nach einer Zeit versucht mich zum großen Löffel zu machen. Das funktioniert nur leider Größentechnisch irgendwie überhaupt nicht. Für ein paar Minuten mache ich es mit und trolle mich dann wieder auf  meine Seite des Bettes.

Das Spiel wiederholt sich ein paar Mal. Irgendwann springt die Katze zu uns ins Bett. Ich erschrecke mich ein wenig. Ich bin es nicht gewohnt mit Viechern, außer Männern, im selben Bett zu schlafen und die Katze scheint von mir nicht wirklich begeistert. Ich verstehe. Ich liege auf ihrer Seite des Bettes.

Mutzi versucht, nachdem sie mich beschnuppert und nicht amüsiert auf meiner Seite des Bettes und auf mir herumgelaufen ist, einen geeigneten Platz für sich zu finden. Ich bin im Weg. Alles an dieser Katze sagt mir, dass ich im Weg bin und hier nicht hingehöre. Ich bin kein großer Katzenfan, glaube ich.

Als sie auf mir sitzt, direkt auf meiner Brust und mich anstarrt, glaube ich McGonagalls Stimme zu hören: „I am merely requesting that when it comes to my students you conform to the prescribed disciplinary practices.“ Keine Ahnung wie lange sie so auf mir sitzt, mich mustert und ich mich kaum zu atmen wage, aber es ist eine ganze Weile. Die Rangordnung wäre dann wohl klar.

Irgendwann steigt sie dann von mir herunter, streckt sich, wirft mir noch einen misstrauischen und vernichtenden Blick zu und…legt sich zwischen seiner Seite und meiner Seite des Bettes, in den Raum dazwischen. Sie rollt sich sein, ihr Kopf in meiner Nähe und ich wette, sie schläft mit einem Auge offen. Trauen, tut sie mir nicht. Kluges Kätzchen.

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