Überall Liebe. Fast.

You pierce my soul. I am half agony, half hope. Tell me not that I am too late, that such precious feelings are gone for ever. I offer myself to you again with a heart even more your own…I have loved none but you.”  -Jane Austen, Persuasion

Rund um mich herum Liebe. Ich kann sie sehen, in Berührungen und Blicken. Ich kann sie hören, wie sie in der Luft knistert und sich in kicherndem und glücklichem Lachen zwischen den Verliebten äußert. Ich kann sie spüren, wie sie sich neben mir in der Wiese rekelt und ihre Arme nach mir ausstreckt. Überall Liebe. Fast. Ich bleibe Zuschauer, Zuhörer, Zaungast.

Ich weiß nicht, wann genau ich aufgehört habe britische Literaturverfilmungen anzuschauen. Früher, noch bevor Roland, als unschuldiges, romantisches, ungeküsstes Mädchen voller Hoffnungen, Träume und Vorstellungen, habe ich nichts anderes gekannt. Nichts anderes geliebt und gewollt, als die Romantik dieser Welt. An manchen Tagen, fanden Mr. Darcy und Elisabeth Bennett sogar mehrmals Worte um ihren Stolz zu überkommen und Mr. Collins zu vergraulen. Ich lebte fast in dieser wunderbaren, wunderschönen Welt der Bronte-Schwestern und Jane Austens und ich weiß nicht mehr, wann ich sie verlassen habe.

“Anne hoped she had outlived the age of blushing; but the age of emotion she certainly had not.” -Jane Austen, Persuasion

Gerade komme ich von einer Bibel-Party heim (jaaaaa das klingt sicher zml doof, für die meisten von euch^^), auf der ich Leon getroffen habe. Wir sehen uns im Moment nicht sehr häufig. Er sucht meine Nähe, bringt mir ein Weinglas und setzt sich neben mich. Wir reden. Er erzählt mir von der Frau, die jetzt mit ihm ausgeht. Dass sie viel spazieren gehen und dabei wenig reden. Dass man mit ihr einfach nur ’sein‘ kann. Dass er glücklich ist und sich das gut anfühlt. Ein kleines bisschen verletzt mich das, vollkommen ungerechtfertigt und ich nehme einen großen Schluck aus meinem Glas. Wie furchtbar von mir, dass ich hier traurig bin. Als hätte ich irgendwelche Ansprüche auf seine Zuneigung.

“We certainly do not forget you, so soon as you forget us. It is, perhaps, our fate rather than our merit. We cannot help ourselves.”
― Jane Austen, Persuasion

Steve begleitet mich nachhause. Ich bin schweigsam. Das fällt ihm auf. Ich habe einfach Angst etwas zu sagen. Vielleicht sollte ich einfach mal schweigen. In meiner Wohnung angekommen, ziehe ich meine Schuhe aus und gehe ins Wohnzimmer, wo ich mich auf die Couch lege und einfach nur nachdenke. Über mein Leben. Über mich. Über alles. Was sich zwischen Himmel und Erde so bewegt. Was sich in mir bewegt.

“An interval of meditation, serious and grateful, was the best corrective of everything dangerous.”
― Jane Austen, Persuasion

Mein Blick fällt auf ein Bild von meinem Vater und mir. Die Aufnahme stammt von einem England-Aufenthalt. Wir planten damals einen England-Trip nur für mich. Ich schleppte ihn in Museen und Galerien, nur um ein mini-Portrait, das noch dazu vielleicht nicht mal wirklich sie zeigt, von Jane Austen zu sehen. Einen Tag fuhren wir sogar nach Chawton. Von dort, stammt eben dieses Bild. Es war ein magischer Tag. Ich war so unglaublich glücklich.

“…joy, senseless joy!”
― Jane Austen, Persuasion

Irgendetwas bewegt mich dazu Persuasion anzuschauen. Es ist eine meiner Lieblingsgeschichten von Austen. Vielleicht, weil die Protagonisten so viel falsch machen. Weil sie nicht mehr jung sind und trotzdem ‚true to one-another‘ sind. Against all odds. Against all hope. Die Stimmung der Verfilmung mochte ich früher schon sehr. Nicht alle von diesen Adaptionen sind gut. Dabei kann man bei Austens Dialogen, ihren Figuren und Szenen die sie so zeitlos kreierte, kaum etwas wirklich verhauen kann. Der Schauspieler, der Captain Wentworth spielt, sieht aus wie Leon. Nur, dass Leon Bart trägt. Das hilft mir gerade nicht wirklich. Wie er sie ansieht, gegen Ende des Films. Mein Herz zieht sich zusammen.

“Yet there it was not love. It was a little fever of admiration; but it might, probably must, end in love with some”
― Jane Austen, Persuasion

P.S. Dass sie sich küssen, ist übrigens absolut falsch. In Austens Büchern küsst sich niemand. It’s all part of the magic.

–> Hier geht’s zur SoundCloud

9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Emily J. sagt:

    Lieblingspost der Woche! Danke für all die schönen Jane Austen Referenzen!

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    1. ❤ Happy to hear it 🙂 Jane Austen for the win!

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  2. Johanna sagt:

    Du hörst dich gerade so verloren an…
    Irgendwie hat man fast das Bedürftnis, dich mal in den Arm zu nehmen und sagen dass alles gut wird.
    Das wird es auch wieder, wirklich!

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    1. Ich glaube das bin ich im Moment auch ein bisschen. Vielleicht finde ich mich ja zwischen den Buchseiten und den Film-Szenen meiner Vergangenheit wieder.

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  3. Ich hab diese Filme so GELIEBT! Und alle Bücher gelesen. Stehen noch bei mir im Regal. Vielleicht wird es ja mal wieder Zeit. Und natürlich küsst sich keiner, dann wäre die Spannung ja weg! 😀 Auch wenn sich Elisabeth und Mr. Darcy im Film dann doch irgendwann küssen..

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    1. In der Knighlty Verfilmung küssen sie sich nur im alternativen Ende. (Wie doof ist denn übrigens die Morgentau-Feld-Szene? 😂🤣 Ich schmeiß mich da jedes Mal fast weg)

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      1. Morgentau ist doch super. Trifft man sich halt mal zufällig aufm Feld. 😁

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  4. Vani sagt:

    Es ist auch meine Lieblingsgeschichte von Austen aus denselben Gründen 🙂

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