Ein kleines bisschen Zauberei

Wir sind drei Mädels, die Donnerstag Abend nach der Arbeit im englischsprachigen Kino in der neunten Reihe, auf den Plätzen 23, 22 und 21 sitzen und uns eine große Tüte Popcorn teilen. Taryn und Tina sitzen links und rechts von mir. Die beiden Amerikanerinnen haben mich nicht lange überreden müssen, als sie vorschlugen gemeinsam ins Kino zu gehen um die neue Disneyverfilmung von ‚Die Schöne und das Biest‘ anzusehen.

Beast: ‚I want to do something for her, but what?‘ 
Cogsworth: ‚Well, there’s the usual things: flowers… chocolates… promises you don’t intend to keep.‘

Am Ende des Films sitzen wir da. Drei junge Frauen im Altern von 23 bis 28 Jahren, schieben die 3D Brillengläser auf unsere Stirn und starren auf den musikalisch von Celine Dion schnulzig untermalten Abspann. „Gosh, this was truly magical!“, flüstert Taryn. Der Film ist zwar schon vorbei, aber so wirklich schafft es noch niemand im gut gefüllten Kinosaal sich von seinen Sitzen und damit irgendwie aus der von Disney gezeichneten Traumwelt zu lösen. Eine Welt in der das Gute über das Böse triumphiert. Eine Welt in der vermeintliche Andersartigkeit dein höchstes Attribut sein kann und sich Zauberei um jede kleine Ecke entdecken lässt.

Alles was ich mir wünsche, wie ich hier mit einem Bauch voller geplatztem Mais und einem Herz voller Emotionen zwischen meinem Freundinnen und den anderen Kinobesuchern sitze ist, ein kleines bisschen dieser Magie festhalten zu können. Sie wie die 3D Brillen, die wir eigentlich vermutlich zurückgeben müssten, in der Handtasche aus dem Kino herauszuschmuggeln und zu behalten. Und wenn ich sage, dass ich ein kleines bisschen Zauberei in meinem Leben haben will, dann meine ich damit Liebe. Denke ich. Denn im Endeffekt ist das einzige bisschen Magie in diesem Leben, das wir fassbar unfassbar erleben können, die uns transformiert und infiziert, die Magie der Liebe.

Ich will angeschaut werden ,als wäre ich der einzige Lichtblick auf dieser Welt. Die einzige Freude, der einzige Sinn. Als wäre ich unverzichtbar, von jemandem der auch für mich unverzichtbar ist. Aber nicht auf eine drängende, fordernde, erdrückende Art und Weise und nicht von irgendjemandem, sondern von ihm. Von meinem persönlichen Märchenprinzen. Mir egal, wenn er Strumpfhosen trägt wie der Typ bei Cinderella, oder Haare auf der Brust hat wie Belles‘ Biest-Prinz. Meiner wird perfekt sein. Nicht für dich. Aber für mich. Ich war schon so lange nicht mehr verliebt. Diese kurze Episode mit dem Froschprinzen, in den ich mich vermutlich doch irgendwie verguckt hatte, war zwar etwas in diese Richtung, hatte aber nichts von der Art von ‚Bestimmung‘ und ‚Selbstverständlichkeit‘ und ‚Natürlichkeit‘ die dem Anfang einen Zauber inne wohnen lässt.

Chip: ‚Are they gonna live happily ever after, Mama?‘ 
Mrs. Potts: ‚Of course, my dear.‘

Klingt vermutlich lächerlich und ein bisschen absurd, dass ich so von diesem Film, dieser Märchenwelt, mitgenommen wurde. Dass es mich so erfassen kann, dass ich mich dann doch tatsächlich dazu hinreißen lasse, meine ganze Daterei und Männer-Beziehung zu überdenken. Aber eigentlich ist mir das ziemlich egal, welchen Anschein das erweckt. Faktum ist, dass ich eigentlich nicht weniger und nicht mehr will, als ein bisschen Zauberei. Ein bisschen liebe. Nichts mehr, aber auch nichts weniger als das. Schluss mit den Froschprinzen und Gastons dieser Welt! Schluss mit dem anti-romantisieren der einzigen romantischen Sache auf dieser Welt, der Gefühle zwischen zwei Menschen, die sich aufbauen. Ich will wissen was ich will. Will wissen wen ich will. Nur dann ist es echt. Wenn es magisch ist. Und das liest sich jetzt vielleicht wie ein Widerspruch in sich, weil es so etwas wie Magie und Zauberei ja nun mal in echt nicht gibt, sagt der Miesepeter, aber das ist falsch. Nur wenn es magisch ist, ist es echt.

Belle: „Here’s where she meets Prince Charming, but she won’t discover that it’s him ’til chapter three!”

12 Kommentare Gib deinen ab

  1. christophrox sagt:

    Schubs die Fuckboys von der Klippe.

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  2. stefanini sagt:

    Aber vielleicht funktionieren Beziehungen auch so oft nicht, weil wir mit Disney-Erwartungen an sie herangehen.
    Die am wenigsten magische Beziehung kann zu der besten, die man hatte, werden.

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    1. Dieser Denkansatz ist mir gerade viel zu vernünftig, reif und erwachsen liebe Stefanini 😛 😉

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      1. stefanini sagt:

        Das mag sein. Du bist ja auch ca zehn Jahre jünger als ich.
        Ich schaue immer noch gerne Märchen, aber dieses Traumprinzengetue ertrage ich eher mit einem Lächeln 😉

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      2. Sei mit meinem träumenden-Disney-Ich halt ein bisschen nachsichtig 😉

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      3. stefanini sagt:

        Übertrage nur nicht unterbewusst zu viel von dem Schmalz in deine Hoffnungen auf den nächsten Typen. Aber naja, das sagt halt die alte Tante, die es auch alles schon durchgemacht hat 😉

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  3. Träumen ist gut und erlaubt! 😄

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    1. ❤ Find ich auch. Wo wären wir denn da, wenn wir keine Erwartungshaltung mehr hätten und uns das Träumen verbieten lassen würden 😉💋

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      1. Man muss ja auch nicht alles akzeptieren, was einem vorgesetzt wird!

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