Jonas und (k)ein(e) Wa(h)l

Seltsam konfuser Titel, oder? Der Grund warum ich ab und zu solche zweideutig/eindeutigen/mehrdeutigen Headings fabriziere ist, dass es für manche Stories und Beiträge einfach mehrere Varianten, Möglichkeiten und Wahrheiten gibt, die sich in ihrer Komplexität und Vielschichtigkeit nicht besser ausdrücken lassen als in eben so einem verschachtelten Titel. Ich schlüssle die möglichen Kombinationen mal für euch auf:

  1. Jonas und ein Wal.
  2. Jonas und kein Wal
  3. Jonas und eine Wahl
  4. Jonas und keine Wahl

Berechtigte Frage an dieser Stelle: Wer ist Jonas? Jonas ist ein (fülle Klischee-Schnösel-Studium deiner Wahl hier ein) studierender Typ aus meiner Stadt, der mich anfangs für eine graue prüde, verklemmte kleine Maus und weiß Gott was mehr gehalten hat. Gott ist hier ein gutes Stichwort, nicht nur weil er sich selbst für einen hält ;-), sondern weil er die meisten seiner Vorurteile auf mein Studium bezog. Darüber rege ich mich aber nicht auf, weil ich das ja ganz genauso mache und das auch bei ihm tat. Interessant ist aber, dass sich für ihn die meisten Vorurteile mir gegenüber wohl nicht bestätigt haben. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das Selbe von ihm behaupten kann.

Jonas wollte nicht in meinem Blog vorkommen. Das hat er von Anfang an, als das mit unseren Treffen losging, gleich klargestellt. Für mich natürlich überhaupt kein Problem. Ich schreibe nicht über alles was in meinem Leben passiert und selbst wenn etwas Schreib-würdiges mit ihm geschehen wäre, hätte ich seinen Wunsch klarer Weise respektiert. Warum ich jetzt trotzdem über ihn schreibe? Weil er mittlerweile doch ein wenig enttäuscht wirkt, dass ich mich im Internet nicht über ihn aus lasse. Dass er doch nicht sooo wichtig ist, dass ich einfach nicht anders kann als über ihn zu schreiben, weil er mich einfach so beschäftigt. Ihr merkt schon, Jonas hat ein ziemlich gut gepolstertes Ego.

Was Jonas auch hat ist die vermutlich effektivste Finger-Fertigkeit die ich jemals erlebt habe. Na gut, so wahnsinnig viel habe ich jetzt auch noch nicht erlebt, aber das kann man ihm schon einräumen: Jonas kann fingern. Mit Jonas kann man auch Gespräche führen und kleine (Wort)Gefechte anzetteln, wenn einem danach ist. Anscheinend kann man auch über Jonas schreiben, wenn man ihn Jonas nennt und dabei nur nette Sachen über ihn zu sagen hat. Ich war ein bisschen erstaunt, als er mir das offenbarte. Natürlich funktioniert das aber so nicht. Er bekommt trotzdem einen halben goldenen Mitleidsstern in sein Mitarbeitsheft, weil er es versucht hat.

Um zu meinem komplizierten Titel zurückzukehren: Jonas ist kein Wal (war nur irgendwie ein biblisches Muss für eine Theologin) und ich habe sehr wohl die Wahl ob ich mich weiterhin mit ihm treffe oder nicht. Es steht allerdings ein Wal zwischen uns im Raum, bei dessen Beseitigung ich anscheinend keine Wahl habe: Jonas grenzt mich ab bzw aus. Er lässt mich nicht an seinem Leben Teil haben. Prinzipiell wäre das ja jetzt für eine reine Sex-Geschichte auch überhaupt kein Problem und wenn ich mal ehrlich zu mir bin, dann weiß ich auch gar nicht in welcher Form oder zu welchem Ausmaß ich das überhaupt wollen würde, aber in der Art und Weise wie Jonas mich aus seinem ‚gesellschaftlichen Leben‘ raushält komme ich mir unwillkürlich schmutzig vor.

Wenn wir uns verabreden, dann immer bei mir. In seine WG (wo auch immer sie sich in dieser Stadt befindet, das ist nämlich ein streng gehütetes Geheimnis) nimmt er mich nicht mit, weil er dann ja vielleicht vor seinen Mitbewohnern zugeben müsste, dass er doch kein enthaltsames Leben führt und sich nur seinem alles-erfüllenden-Studium widmet. Ich frage mich wer da jetzt genau prüde ist? Abgesehen davon, dass der gute Jonas sich wohl sicherlich nicht für mich genieren müsste. Ich bin zwar kein Wal, aber trotzdem ein guter Fang. Mindestens ein Koi-Karpfen! In welchen Dümpeln Jonas sonst wohl so fischt?

Anfangs fiel mir dieses seltsame Verhalten noch gar nicht so auf, aber irgendwann fragt man natürlich nach wo und wie der Andere so wohnt, gerade wenn das ‚eine längere Geschichte‘ werden soll. Anstatt einer ganz normalen Antwort auf eine ganz normale Frage bekam ich aber einfach nur unbefriedigende Ausflüchte zu hören. Schon seltsam. Ist ja nicht so, dass ich mich zu ihm eingeladen hätte. Das Thema wäre auch nie zu einem Thema für mich geworden, wenn er es nicht durch sein auffällig schräges Verhalten zu einem Thema gemacht hätte. Das Ganze lässt mich jedenfalls irgendwie mit dem Gefühl zurück mich gewissermaßen prostituiert zu haben und dabei nicht einmal etwas verdient zu haben. Weder diese Behandlung habe ich verdient, noch Geld. Schon traurig. Ich bin ja kein Stundenhotel in das er hin und wieder absteigen kann um dann in seine ach-so-geheime kleine Welt zurückzukehren.

Ich merke an dieser Geschichte mit Jonas, dass ich eben für Sex doch mehr brauche. Nicht unbedingt Schmetterlinge, wenn es nur darum geht mich auszutoben oder dergleichen, aber einfach ‚mehr‘. Auf persönlicher Ebene. Wenn ich mit anderen Männern geschlafen habe mit denen ich nicht zusammen war, aber dann halt doch horizontal zusammen war, war das nie so „abgetrennt“. Ich will keine ‚Frau im Hintergrund‘ sein, will mich nicht fühlen wie eine Mätresse die man im Dunklen lässt und man nicht für ‚gesellschaftsfähig‘ hält. Dafür bin ich mir zu gut. Dafür bin ich zu gut. Dafür sollte sich jeder zu gut sein.

Wieso sollte ich mich mit jemandem treffen, jemanden in mein zuhause und meine Welt lassen, wenn sich dieser umgekehrt dann irgendwie für mich zu schämen scheint oder zumindest nicht einmal privat dazu stehen kann? Ist das alles Teil einer Image-Kampagne die ich nicht durchblicke?

Für mich ist die Vorstellung, dass er sich für mich schämen könnte so verletzend und lächerlich empörend, dass es schon wieder absurd ist. Im Grund kann es drei Gründe geben warum er sich so verhält: seinetwegen, meinetwegen oder ihretwegen. Ja richtig gelesen, ihretwegen. Der grauenvollste Gedanke der mir gestern nämlich durch den Kopf schoss als er gegangen war, war, dass er sich vielleicht deswegen so verhält, weil er gar nicht solo ist. Das würde ziemlich viel erklären. Aber für so durchtrieben und hinterhältig halte ich ihn eigentlich nicht. Das wäre schon wirklich ganz schön krass.

Es ist nicht so, dass ich gar nichts von Jonas weiß. Ich mag Jonas auch, obwohl er irgendwie sehr ‚anders‘ und in vielerlei Art ‚eigen‘ ist. Aber das finde ich auch ganz gut. Er ist zwar furchtbar schnöselig, ohne es vielleicht wirklich zu merken, welch wandelndes Klischee er darstellt, definiert sich hauptsächlich über sein Studium und ist (aufgrund dessen) definitiv sehr von sich selbst überzeugt, aber alles nicht ganz frei von Selbstironie. Das finde ich gut. Außerdem ist er recht wortgewandt und sein Humor dem meinen nicht so fern, weswegen unsere allgemeine Kommunikation und der Umgang miteinander immer etwas Spielerisches hat. Wir können auf eine beißende, neckische Weise ganz gut miteinander und das ist erfrischend.

Trotzdem hätte das mit Jonas ein lockeres Ding werden sollen und ist jetzt irgendwie alles andere als das, einfach weil es so verkrampft ist. In irgendeiner Ecke meines Daseins finde ich es auch unglaublich unfair, dass er es sich herausnimmt in meine Wohnung, also mein Leben zu treten, das umgekehrt aber für absolut unmöglich hält und unergründbar geheimnksvoll herum tut. Ich frage mich, ob ich mich selbst kompromittiere und das will ich mich eigentlich nicht fragen, weil ich gar nicht in die Situation kommen sollte mir diese Frage stellen zu müssen.

Jonas hat jetzt also doch noch einen eigenen Artikel bekommen. Ich hoffe er ist zufrieden. Vermutlich eher nicht so, aber im Grunde ist das auch okay. Mir gab es die Gelegenheit meine Gedanken ein bisschen zu sortieren und in meiner Kirchenrechtsvorlesung alles andere zu tun als mitzuschreiben. Aber Hauptsache der Professor sieht, dass man schreibt 😉 Dass es sich dabei um den nicht ganz so biblischen Jonas handelt, weißt er ja nicht. Es wird jetzt Zeit weiter zu schwimmen. Jonas kann sich ja entscheiden ob er das im Bauch eines Wals tut oder lieber doch nicht. Die Wahl hat er. Ich auch.

 

 

18 Kommentare Gib deinen ab

  1. Super geschrieben.
    Das wird dem Jonas hoffentlich zu denken geben. Nicht nur der Pseudoname sondern auch sein Verhalten erinnern mich an ein Kind, dass sich schämt wenn man etwas negatives über ihn erzählt.
    Aber immerhin……geschickte Finger! 😊
    Mich wundert nur, dass Du ihm nicht persönlich gesagt hast, wie Du Dich fühlst.

    PS: Ich tippe darauf, dass es eine andere Frau in seinem Leben gibt, die von Dir nichts wissen darf.

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    1. Klar hab ich ihm gesagt, dass ich das schon seltsam finde. Aber mein Hirn begann dann eigentlich erst zu rattern als er wieder weg war…davor war ich nicht ganz so viel mit denken und mehr mit anderen Dingen beschäftigt 😉
      Ich hoffe mal nicht, dass es wirklich eine Freundin gibt. Das wäre schon ziemlich furchtbar

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  2. Wissen die Typen alle, dass du über sie hier schreibst?

    Und ja, ich tippe auch auf eine andere Frau. Das kommt mir bekannt vor. Und der Kerl wirkte nach außen hin so lieb und perfekt und man hätte es ihm nie zugetraut, hat mich aber böse verarscht.

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    1. Nein, nein wissen sie natürlich nicht! Haha^^

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      1. Haha ich habe mich schon ein wenig gewundert

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      2. Oh Gott nein, eigentlich bin ich ganz anonym. Zwei Jungs allerdings wissen es. Jonas und der Froschprinz. Stört mich eigentlich auch nicht 😉

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  3. Steffis Schreibwerkstatt sagt:

    Ich tippe leider auch mit auf die andere Frau, ich hatte auch schon so einen (zwei, drei) ‚Jonas der sich genau so verhalten hat…. leider Gottes gibt es diese undurchschaubaren Schauspieler…. über deren Talent man sich irgendwann, wenn es zu spät ist, richtig wundert.

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    1. Ohje ohje 🙊🙉Eig war das nur so ein absurdes Gehirngespenst von mir…

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  4. Steffis Schreibwerkstatt sagt:

    So richtig schlimm wird es erst wenn die andere Frau an sein Handy geht oder dich persönlich anruft 😄😉

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    1. Whaaaaaat??!! Ich werd gleich mal stalken gehen, ob du darüber in deinem Blog schon geschrieben hast 😂💪❤

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      1. Steffis Schreibwerkstatt sagt:

        Nee, also das Thema ist mir einfach zu dunkel…. darüber wird nicht geschrieben… 😂

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  5. Starks7 sagt:

    Wenn er jetzt infolge eines Internetartikels einknickt, würde das ganze spannende Mysterium Jonas vielleicht noch uninteressant werden. 😉

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    1. Haha^^ Vielleicht der böseste beste Kommentar den ich hier je gelesen habe 😉

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  6. Jonas studiert bestimmt irgendwas mit Wirtschaft/BWL oder?? 😀 😀

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      1. Eher mehr 😝🖓

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