(K)Ein Liebesbrief

Lieber Angeschriebene,

Nein, denke ich mir. Vielleicht sollte ich doch lieber ‚Lieber Angesprochene‘ schreiben. Aber eigentlich spreche ich ja nicht. Streng genommen schreibe ich ja ‚nur‘. Aber ist schreiben nicht auch eigentlich wie sprechen und fühlt sich der Angeschriebene der diesen Text jetzt liest nicht auch gleichzeitig angesprochen? Ich meine…fühlt er sich nicht auch durch einen geschriebenen Text angesprochen? Also, ich meine…Nein, unterbreche ich mich. Eigentlich weiß ich nicht was ich meine. In meinem Hirnkastl geht es aufgrund der schier unbegrenzten Formulierungsmöglichkeiten schon wieder rund. Zu viele Möglichkeiten. Zu viel Aufregung für mich. ‚Das Leben ist voller Möglichkeiten‘, sagt Mama immer. Regt mich nur auf. Diese ganzen Möglichkeiten. Und doch sind sie begrenzt. Zum Glück. Sonst würde ich ja durchdrehen. Wenn alles möglich ist, dann ist doch irgendwie nichts mehr möglich. Dann blockiert man sich ja durch das ganze Wählen bzw. die Möglichkeit dazu selbst. Okay. Schluss jetzt. Weiter im Text. Also mit dem eigentlichen Text. Nicht mit meinem nun verschriftlichen inneren Überlegungen. Oder ist es nicht vielleicht doch ein Monolog, jetzt wo ich es so vor mir sehe. Wobei…nein! Schluss jetzt. Weiter jetzt.

 

Lieber Angeschriebene,

 

Es ist nicht leicht zu sagen, wie es ist. Denn es ist auf seine Art, was es ist.

Habe ich Dich schon verloren?

Nochmal.

Diesmal langsamer.

Nimm Dir Zeit, bewege ruhig die Lippen mit beim Lesen, wenn du das brauchst:

Es ist nicht leicht zu sagen, wie es ist. Denn es ist auf seine Art, was es ist.

 

Keine Sorge mein Schatz,

das hier wird ein kurzer und schmerzloser Text.

So ganz anders als das Leben.

 

Das hier ist (k)ein Liebesbrief.

Ambivalent, nicht?

Ich versuche es dir zu erklären.

 

Es ist kein Liebesbrief.

Es ist ein Liebesbrief.

Dieser Brief hier feiert nichts.

Er existiert nur.

 

Es ist ein Liebesbrief an Dich

-an den Tagen an denen du nicht aufstehen willst und es trotzdem tust

Es ist ein Liebesbrief

-an den ewig Träumenden, der sich nicht verliert

-an den hoffnungslos Hoffnungsvollen,

in einer Welt in der die Simpsons Zukunft und Realität gestalten.

Es ist ein Liebesbrief,

-an das Glas kühles Wasser am Morgen, das die Kehle benetzt.

-An die Wörter anderer Menschen in denen ich mich wieder finde,

eine Verbindung (zu mir selbst, in anderen) entdecke.

Es ist ein Liebesbrief an die Dinge die schief gehen im Leben,

-an das sanfte Gefühl von Einsam- und Traurigkeit,

das uns wachsen lässt.

 

 

Es ist ein Liebesbrief

-an die Freiheit.

Die ich beim Verlieren gewonnen habe und die ich ohne verlieren nie kennengelernt hätte.

So macht verlieren Spaß.

Wenn alle Gewinner sind.

Es ist ein Liebesbrief

-an das Leben.

Mit all seinen Facetten. Den dunklen und den hellen.

Auch den Hautfarben.

Es ist ein Liebesbrief

-an alles das kommen wird.

-an den Weg, der vielleicht geändert und weitergegangen wird

-an die Entwicklung.

 

 

Es ist kein Liebesbrief

-der Liebe wegen.

-an Dich.

Es ist kein Liebesbrief

-an Uns. Ein Uns das es nicht mehr gibt.

Es ist kein Liebesbrief

Und doch mit ganz viel Liebe.

Ein (k)ein Liebesbrief eben.

 

 

 

 

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