Warum ich keine starke Frau sein will

Kennt ihr das? Man macht gerade eine schlechte Phase durch, vielleicht eine Trennung, vielleicht eine ärztliche Diagnose die schockt, vielleicht wurde man gefeuert, vielleicht hat man eine total wichtige Prüfung verkackt und zweifelt jetzt an sich selbst…vielleicht, vielleicht, vielleicht! Eigentlich ist es egal was genau passiert ist. Fakt ist: dir geht es nicht gut. Das Leben fühlt sich gerade richtig, richtig scheiße an. Du bist überfordert und mehr ‚down down‘ als ‚down to earth‘. Schon klar, das Leben ist kein Ponyhof und so ein Kack, aber hin und wieder haut einem das Universum dann doch mehr Zeugs um die Ohren als man an irgendeiner Jacke Taschen zum Wegstecken hat. Und das nervt. So richtig.

5185051809_d4c6fe3a0fWas ich dann am meisten hasse sind die „Aber du bist doch eine starke Frau“-Aussagen, die immer mit einem halbherzigen „Du schaffst das schon“-Anhängsel gepaart sind. WTF?! Ich finde das ‚starke Frau‘-Argument warum man nicht traurig oder verzweifelt sein darf genauso bestechend wie die ‚Jungs sind Jungs, die weinen nicht‘-schlagmichtot-Pädagogik. Woher kommt das? Und merken diese Menschen nicht wie derbst asozial und begrenzt sie in solchen Momenten, in denen sie solche Ansagen bringen, sind?

Ich darf nicht trauern, weil ich eine starke Frau bin? Ich darf nicht zusammenbrechen und einfach mal einen ganzen Tag nicht aus dem Bett aufstehen, wenn sich alles außerhalb meines Zimmers bedrohlich und feindlich präsentiert, oder es sich zumindest so anfühlt? Ich darf nicht schwach sein, weil ich stark zu sein habe? Wieso?!

Ich hab‘ da eine Theorie warum manche Leute dann immer mit diesem falschen ‚Empowering‘ um die Ecke kommen, wenns dir gerade mal schlecht geht und du vielleicht auch eine Schulter zum Anlehnen suchst/brauchst. Sie sind überfordert. „Du stehst das schon durch. Du bist eine starke Frau!“- ist die Art von ‚Unterstützung‘ und seelischer Beistand, die keine ist. Es ist die feige Art sich aus der Affäre zu ziehen und nicht da sein zu müssen, wenn du gerade mal die Arschkarte gezogen hast. „Du schaffst das schon.“, ist in dieser Kombination gleichzusetzen mit: You’re on your own bitch! Aber du schaffst das schon, weil du ja ‚stark‘ bist….

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Verdammt ja, ich bin eine starke Frau! Und ich behaupte mal wir sind hier alle Löwinnen im Dschungel des Wirr-Warr-Lebens deren Fahrkarte man ungefragt zugesteckt bekam als sich Mami und Papi damals ein bisschen zu sehr und unüberlegt geliebt haben. Wohin die Reise geht? Keine Ahnung. Stand nicht auf dem Fahrschein. Macht die ganze Sache aber natürlich auch noch ein bisschen spannender. Klar ist, dass alle die noch nicht die (Not)Bremse in ihrem Leben gezogen haben, stark sind. Sehr sogar. Weil es hier auf Erden ganz schön hart zugeht, wenn wir mal ehrlich sind.

Es wird immer Auf-und Abs geben, ganz egal wir ‚stark‘ man ist. Aber spätestens beim nächsten unfreiwilligen Downhill-Race deiner Geschichte solltest du dir vielleicht überlegen ob du die Menschen, die dann die ‚starke-Frau‘-Karte ausspielen auch wirklich in deinem Leben brauchst. Ich konzentrier mich ja lieber auf die, die dann mit mir ein bisschen heulen und schreien, mir einen Fahrradhelm aufsetzen, Schokolade vorbeibringen, im Wohnzimmer bis spät in die Nacht Wein trinken und zu schlechter Musik tanzen und singen, bis wir irgendwann erschöpft in unbequemen Haltungen einschlafen.

Nichts ist stark daran nicht auch einmal schwach zu sein. Nichts ist stark daran nicht zuzugeben, dass man keine Insel ist und vielleicht manchmal einfach jemanden braucht. So eine Art starke Frau will ich nicht sein. Weil ich davon überzeugt bin, dass eine Gesellschaft in der du nur akzeptierst wirst, wenn es dir immer ‚suuupiiii‘ geht und du deine Probleme in dich hineinfressen musst um tough zu wirken, krank ist. Und wenn sich dieses üble Denken dann auf Freundschaften ausweitet, haben wir vermutlich wirklich ein Problem. Und das haben wir sowieso schon. Ob wir es nun falsch weglächeln oder nicht. Also seid stark Mädels, aber verletzt euch dabei nicht selbst! Okay? Okay! 😉

 

Bilder: Flickr

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. „Sie sind überfordert.“ Ich gehe noch eins weiter: Sie habe keinen Bock zu helfen. Es ist zu anstrengend. Die starke Frau und der nicht weinenden Indianer sind leichter für sie. Bei Männern funktioniert das gut. Spätestens in der Pupertät hat man sie soweit, dass sie sich abkapseln und ab da den Starken markieren. Bei den Frauen ist das schwieriger. Da erzieht man das Mädchen zur Prinzessin und dann ist einem die Frau nicht pflegeleicht genug.

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    1. Yep. Dem kann ich nichts hinzufügen 😉

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  2. Alice sagt:

    Du sprichst mir aus der Seele, ich habe diese verdammten Satz so oft gehört. Ja klar habe immer den MIst dann geschafft, aber eben allein. Die Leute, die sowas sagen, ziehen sich ja aus der Affäre. Und dann hängt man da drin. Zum heulen. Als ob ich nicht scheitern könnte. Manchmal wäre ein „Das ist echt schlimm“ oder ein „Ja es wird schwer, ich werde dir helfen und gemeinsam finden wir einen Weg“ Das wäre mal toll.
    Herzlichst ALice

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    1. Das freut mich! Also der Umstand eher weniger, weil den finde ich persönlich ja auch ganz schön zum Kotzen, aber dass du dich darin wiederfinden konntest 💪 Auf wirklich starke Frauen!

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      1. Alice sagt:

        Ja ich dachte immer ich sei damit relativ allein, dass ich diesen Satz „Du schaffst das schon“ so blöd finde. Jetzt gibts sogar ein Lied was so heißt. Herrje. Gut dass es noch Menschen mit Verstand gibt, die den wahren Charakter hinter der Aussage verstehen. Auf starke Frauen 🙂

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